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Randale bei Eintracht-Spiel : Leuchtrakete soll Fan am Hals getroffen haben

Leuchtraketen fliegen durch das Stade Velodrome Bild: Huebner

Das Spiel der Frankfurter Eintracht in Marseille könnte ein Nachspiel haben. Rund um die Partie gab es schwere Ausschreitungen. Es habe Täter auf beiden Seiten gegeben, heißt es bei der Eintracht.

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          Der historische Sieg von Eintracht Frankfurt bei Olympique Marseille droht nach schweren Ausschreitungen rund um die Partie zur Nebensache zu werden. Denn dem Klub droht nach dem zweiten Champions-League-Spiel der Vereinsgeschichte in der Gruppenphase der Königsklasse ein Geisterspiel ohne Fans. Einhelligen Berichten von Augenzeugen zufolge gab es bereits vor Anpfiff des Spiels im Stade Velodrome heftige Pyro-Auseinandersetzungen zwischen beiden Fanlagern.

          Daniel Schleidt
          Koordinator der Wirtschaftsredaktion in der Rhein-Main-Zeitung.

          Demnach sollen Leuchtraketen aus beiden Blöcken abgefeuert worden sein. Dabei soll im Frankfurter Fanblock mehreren Beobachtern zufolge mindestens eine Frau schwer verletzt worden sein. Laut Berichten von Augenzeugen soll sie von einer Rakete an der Halsschlagader getroffen worden sein. Zudem sollen zahlreiche Anhänger das Stadion schon vor dem Anpfiff aus Angst vor Ausschreitungen und Böllern verlassen haben. Nach dem Spiel sollen Busse, die Fans vom Stadion in die Innenstadt transportieren sollten, angegriffen und mit Steinen beworfen worden sein.

          „Kriegsartige Zustände“

          Fans, die das Spiel am Ort verfolgt haben, berichteten von angeblich „kriegsartigen Zuständen“. Sie erklärten, ein Fußballspiel in Marseille nie wieder besuchen zu wollen.

          Wie Augenzeugen der F.A.Z. berichteten, sollen etwa 80 Prozent der Böllerschüsse und Leuchtraketenwürfe zwar von den Heimzuschauern ausgegangen sein; doch auch aus dem Frankfurter Fanblock sollen Raketen in Richtung der französischen Zuschauer geflogen sein. In Videos von Frankfurter Zuschauern ist zu sehen, wie Leuchtraketen im Sekundentakt in Richtung der Frankfurter Zuschauer geschossen und die Einschläge teilweise von bejubelt werden.

          Vorstandsmitglied Philipp Reschke sagte: „Wir haben solch einen Tag in dieser Form noch nicht erlebt und in dieser Weise auch nicht für möglich gehalten. So richtige Freude mag nicht aufkommen, weil es schon sehr befremdlich ist, welches Ausmaß an Aggressivität und Hass uns da entgegenschlug und natürlich auch auf Reaktionen traf.“ Reschke kündigte an: „Wir müssen das Stück für Stück sauber aufarbeiten.“

          Es habe auf beiden Seiten jede Menge Täter gegeben, wesentlich mehr aber aus den Reihen der Gastgeber. „Es war der befürchtete Ausnahmezustand“, sagte Reschke. Er rechnet nun mit Konsequenzen durch die Europäische Fußball-Union für beide Vereine. „Wenn ich eine Bestrafung fürchte, dann eher für ein Auswärtsspiel. Ich kann aber auch nicht ausschließen, dass die Bewährung für das Heimspiel durch die Geschichte betroffen ist“, sagte Reschke.

          Zuschauerausschluss für Eintracht-Fans?

          Für die Eintracht und all ihre Fans können die Geschehnisse auf den Rängen schwerwiegende Folgen haben. Nach dem Halbfinalspiel der Eintracht im Europa-League-Halbfinale gegen West Ham hatte der europäische Fußballverband Uefa den Klub zu einem Zuschauerausschluss für ein Spiel verurteilt, allerdings war die Strafe damals auf Bewährung ausgesprochen worden. Nun könnte sie aber in Folge der Vorfälle in Südfrankreich in Kraft treten.

          Massives Polizeiaufgebot in Marseille
          Massives Polizeiaufgebot in Marseille : Bild: AP

          Zudem kursierte auf Sozialen Medien schon vor dem Spiel Videos von Fans, die den Hitlergruß zeigen. Die Fanabteilung der Eintracht reagierte darauf mit einem Statement: „Wir schämen uns für Menschen, die aus Frankfurt kommen, den Adler auf der Brust tragen und den Hitler-Gruß zeigen. Ihr gehört nicht zu diesem Verein, zu dieser Stadt, ihr gehört nicht zu uns“, schrieb die Fanabteilung auf verschiedenen Kanälen im Netz.

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