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Kreppel in Fastnachtszeit : Ein süßer Rundling

Süß und rund: Kreppel gehören in der Fastachtszeit auf den Teller. Bild: Dreisen, Linda

Dieses Gebäck muss heiß gebadet werden und bekommt dabei sein Fett weg, meistens wird er auch noch gefüllt: Die Fastnachtszeit ist die Hochphase der Krapfen-Kulinarik.

          Er ist süß und rund, in flüssigem Fett gebacken und macht nach Verzehr so gut wie immer das Waschen der Hände notwendig. Der Kreppel gehört zur Fastnachtszeit wie Luftschlangen und Gardemädchen. Davon aber, dass nicht nur die Narren und Karnevalfans die Rundlinge mögen, zeugt das übergroße Angebot in diesen Tagen, in Bäckereien, in Supermärkten: Das können nicht alles die Fastnachter essen. Und was essen sie überhaupt, die Kreppel-Fans? Ein Gebäck aus Mehl und Hefe, Eiern und Zucker, Butter und Salz zunächst. Ein Kreppel muss ins Fett, muss heiß gebadet werden. Gerne wird er dann gefüllt, meistens mit Erdbeermarmelade oder einer Mischung aus Erdbeer- und Johannisbeermarmelade. Auch Pflaumenmus kann sich in der weichen, zartgelben, feinporigen Masse verbergen, Nuss-Nougat-Creme, Aprikosenmarmelade oder eine sahnepuddingartige Vanillecreme.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein Gourmet-Kreppel hat keinen Ei-Ersatz in sich und schwimmt nur in bestem Fett, das mehrmals in der Woche gewechselt wird, viele gute Bäcker schwören auf Erdnussöl. Wichtig bei Kreppeln ist die Anzahl der Eier im Teig. Je mehr darin sind, desto trockener und lockerer wird er und saugt dann weniger Fett auf. Den fertigen Krapfen, der vergleichsweise leicht ist, kann der Kunde später gut erkennen: am weißen Rand, der um so breiter ist, je lockerer der Teig war.

          Eigentlich Fastnachtskrapfen

          Wie viele andere fastnachtstypische Speisen haben die Kreppel eine lange Tradition, dennoch liegt der Schleier der Unwissenheit über ihren Ursprüngen. Geschichten über sie sind vielleicht wahr, vielleicht auch nicht. So soll einerseits der Kreppel eigentlich Faschingskrapfen heißen und im 17. Jahrhundert in Wien erfunden worden sein, aus Versehen, von der Bäckerin Cäcilie Krapf. Einem Lehrling, der sich dumm anstellte, soll sie versucht haben, einen Teigballen an den Kopf zu werfen. Statt des Kopfes traf sie ein Becken mit siedendem Fett, angelte das Geschoss heraus, ließ es abkühlen, kostete und fand es köstlich.

          Berliner Lokalhistoriker wiederum wissen: Im 18. Jahrhundert soll einen Konditor seine Zeit als Kanonier im Regiment Friedrichs des Großen so beeindruckt haben, dass er später nur noch buk, was wie eine Kanonenkugel aussah. Einige Veröffentlichungen zitieren auch eine Legende, der zufolge es im Jahre 1813 einem jungen Bäcker verwehrt wurde, im Waffendienst gegen die Truppen Napoleons zu marschieren. Was er im Feld nicht konnte, tat er dieser Geschichte nach in der Backstube: Er warf Kanonenkugeln aus Teig ins heiße Fett hinein.

          Warum der Rundling in Frankfurt und Umgebung Kreppel heißt? Das wäre mal ein Fall für die hiesige Heimatforschung, denn dazu ist im Grunde nichts bekannt. Dafür ein historisches Rezept für Kreppel aus dem vergriffenen Frankfurter Kochbuch von Gerd Sollner. Diesem nach nehme man für 30 Stück: 350 Milliliter Milch, 60 Gramm Hefe, ein Kilogramm Mehl, 200 Gramm Butter, zwei Eier und sechs Eigelb, 100 Gramm Zucker, zehn Gramm Salz und Butterschmalz oder Kokosfett zum Ausbacken. Teig gehen lassen, in drei gleiche Stücke teilen, diese in Rollen formen, jeweils in zehn Teile schneiden, zu Kugeln drehen, diese nochmals gehen lassen, im Fett schwimmend ausbacken, mit der Spritztülle Aprikosenmarmelade hineindrücken und mit Zucker bestäuben.

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