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Kreis Groß-Gerau : Ein „Knaller“ für Autobauer, Zulieferer und Logistiker

  • -Aktualisiert am

Industriestandort Rhein-Main: das Merck-Werk in Gernsheim am Rhein. Bild: Kaufhold, Marcus

Keine andere Region Hessens ist mit der Automobilbranche so eng verbunden wie der Kreis Groß-Gerau. Dabei ist er aufgrund seiner zentralen Lage auch bei Logistikern und anderen Branchen als Standort beliebt.

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           Flachbildschirme für Laptops und Fernsehgeräte, schimmernde Autolacke in Hunderten Farben und veredelte Linsen für die Kameras in Smartphones - Produkte, die man nicht ohne weiteres mit der 10.000-Einwohner-Stadt Gernsheim im Kreis Groß-Gerau verbindet. Direkt am Rhein liegt das 92Hektar große Werksgelände des Chemie- und Pharmaunternehmens Merck. Hier werden Farbpigmente für Autolacke, aber auch Kosmetika entwickelt und Vorstufen von Flüssigkristallen hergestellt, die zur Produktion von Handydisplays und Bildschirmen dienen. Etwa 900 Angestellte arbeiten nach Unternehmensangaben in dem Werk, das neben dem Stammsitz in Darmstadt die zweite Säule des Konzerns ist. Merck gehört damit zu den größten Arbeitgebern im Kreis Groß-Gerau.

          Die Nähe zum Frankfurter Flughafen und zu den Autobahnen A3 und A5, aber auch der Rheinhafen in Gernsheim, der es ermöglicht, direkt den niederländischen Containerhafen Rotterdam zu erreichen, sind wichtige Standortvorteile für Merck wie auch für viele andere Unternehmen im Kreis Groß-Gerau. Die Lage und Verkehrsanbindungen des Kreises seien schon ein „Knaller“, sagt Elisabeth Straßer. Sie ist im Landratsamt für die Wirtschaftsförderung zuständig. Durch die Lage sei der Kreis vor allem ein beliebter Standort von Logistikunternehmen.

          Große Verteilzentren

          Dabei siedelten sich ganz unterschiedliche Branchenvertreter mit oft Hunderten Mitarbeitern an. In Kelsterbach hat die Luftfrachtfluggesellschaft Lufthansa Cargo AG einen Standort, auf dem Mönchhofgelände hat die Deutsche Post DHL ein Expresszentrum errichtet, in unmittelbarer Nachbarschaft steht das Frischelager des Kölner Lebensmittelhändlers Rewe.

          Aber nicht nur in der Nähe des Flughafens finden sich viele Logistiker, auch im südlichen Kreis gibt es große Verteilzentren. Fresenius Medical Care etwa betreibt in Biebesheim ein Hochregallager, in dem etwa 78.000 Euro-Paletten Platz finden. Von hier werden die Dialyseprodukte des Unternehmens weltweit verteilt.

          Nur geringer Teil an Landwirtschaft

          Etwa 90.000 Männer und Frauen, so viele wie in Darmstadt, arbeiten nach Angaben der Fachfrau für Wirtschaftsförderung im Kreis in sozialversicherungspflichtigen Jobs. Das seien deutlich mehr als in den anderen Kreisen in Südhessen. „Wir sind der Arbeitgeber der Region“, sagt Straßer. Die Zahl der Unternehmen steige seit Jahren kontinuierlich, die Zahl der Insolvenzen sei gering. 17000 Unternehmen gebe es derzeit im Kreis. Ein Nord-Süd-Gefälle kann Straßer nicht erkennen. Zwar befänden sich im nördlichen Kreis viele große Unternehmen. Im Süden gebe es aber, wenn auch in kleinerem Maßstab, eine vergleichbare Branchenmischung, sagt sie. Viele kleinere Handwerksbetriebe finden sich hier, aber auch große Speditionen wie Hofmann in Biebesheim und Kirchner in Gernsheim.

          Auch wenn der Kreis für seinen Spargel und seine Erdbeeren im Frühling bekannt ist, macht die Landwirtschaft nur einen geringen Anteil an den Unternehmen im Kreis aus. Gerade einmal 327 landwirtschaftliche Betriebe gab es im Kreis 2010 nach einer aktuellen Erhebung des Statistischen Landesamts. Sieben Betriebe haben eine Anbaufläche von mehr als 200 Hektar. Die vier Wirtschaftszentren sind laut Straßer Rüsselsheim mit etwa 30.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen am Ort sowie Groß-Gerau, Mörfelden-Walldorf und Kelsterbach mit jeweils etwa 10.000 Stellen.

          Mit keinem Unternehmen aber ist der Kreis so eng verbunden wie mit dem angeschlagenen Autobauer Opel. Das zeigt auch diese Zahl: Rund 35 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Stellen finden sich Straßer zufolge im produzierenden Gewerbe. Im Vergleich zum Landesdurchschnitt sei das ein sehr hoher Anteil. Ein Großteil dieser Arbeitsplätze lasse sich der Autobranche zuordnen, in der im Kreis etwa 25.000 Personen beschäftigt seien. Mehr als die Hälfte von ihnen arbeitet bei Opel, dem größten Arbeitgeber der Region. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben an seinem Stammsitz in Rüsselsheim fast 14.000 Menschen. Aber auch andere Autobauer haben Standorte im Kreis. Die asiatischen Hersteller Isuzu Motors und Hyundai Motor haben in Ginsheim-Gustavsburg und Rüsselsheim Entwicklungszentren. Mitsubishi Motors hat seine Deutschland-Zentrale in Rüsselsheim und ist seit langem mit dem Kreis verbunden. Zu den großen Namen kommen die vielen Zulieferer der Autobranche hinzu, die hier Dependancen oder Hauptsitze haben. Viele Zulieferer seien Weltmarktführer in ihrem Produktsegment und die Innovationstreiber im Kreis, sagt Straßer. Um für diese Kompetenzansammlung im Autobau besser zu werben, hat der Kreis zusammen mit der Industrie- und Handelskammer Darmstadt schon 2003 den Automotive Cluster Rhein-Main-Neckar gegründet. Die Vernetzung dieser Unternehmen sei ein wichtiger Standortvorteil, sagt Straßer. „Im Kreis sitzt das Wissen, wie man gute Autos baut.“

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