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Corona-Regelung : Krankschreibung per Telefon weiterhin möglich

Gang in die Praxis: Nach Kritik von Hausärzten korrigiert der Bundesausschuss den umstrittenen Beschluss (Symbolbild). Bild: dpa

Laut einem neuen Beschluss sollten Personen mit dem Verdacht einer Corona-Infektion zur Praxis gehen für eine Krankmeldung. Doch dagegen regte sich Widerstand seitens der Mediziner.

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          Ganz kurz hat Armin Beck an einen verspäteten Aprilscherz geglaubt, als er am Freitag vom Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses erfahren hatte. Aber zum Lachen war dem Allgemeinmediziner nicht zumute. Ende vergangener Woche hieß es, dass die Ausnahmeregelung, die es Hausärzten seit Beginn der Corona-Pandemie erlaubt, Patienten mit leichten Atemwegsbeschwerden per Telefon krankzuschreiben, keinen Bestand mehr haben soll. Am Montag wurde diese Entscheidung wieder rückgängig gemacht.

          Marie Lisa Kehler

          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Dazwischen lag für Hausarzt Beck ein Wochenende, das geprägt war von Unsicherheit, wie er sagt. Denn ein Ende der Sonderregelung hätte seiner Ansicht nach viele Praxen in der andauernden Corona-Pandemie vor große Herausforderungen gestellt. Doch der Reihe nach. Die Regelung war schon im März eingeführt worden, um zu verhindern, dass möglicherweise am Coronavirus erkrankte Patienten, die nur über milde Symptome klagen, in die Praxen kommen und dort das Personal sowie andere Patienten anstecken. Bis zu zehn Tage lang konnten Hausärzte durch die Sonderregelung Patienten mit Verdacht auf eine Infektion krankschreiben.

          Am Freitag hatte der Bundesausschuss die Entscheidung, die Sonderregelung zu kippen, damit begründet, dass mittlerweile auch in anderen Lebensbereichen behutsame Lockerungen erfolgen würden. Deshalb sei es an der Zeit, „wieder zum Regelfall der persönlichen Anamnese im direkten Kontakt zwischen Arzt und Patient zurückzukehren“. Nicht gerechnet hatte der Bundesausschuss jedoch mit der Kritik, die diese Entscheidung auslöste. Auch der Hausärzteverband Hessen, dem Beck vorsitzt, hatte in einem Schreiben die Rücknahme der Regelung als „eine unverantwortliche Gefährdung der bisherigen Erfolge im Umgang mit der Corona-Pandemie“ bezeichnet. Darüber hinaus forderte der Verband eine sofortige Wiedereinführung der Sonderregelung, „damit Patienten mit Infekten weiterhin schnell und wirkungsvoll isoliert werden können“. Auch gelte es, die Mitarbeiter der Praxen sowie die vielen Nicht-Coronapatienten zu schützen.

          Protest zeigt Wirkung

          Der Protest scheint seine Wirkung nicht verfehlt zu haben. Der Bundesausschuss teilte am Montagnachmittag mit, noch einmal über die Sonderregelung beraten zu wollen. Eine telefonische Krankmeldung soll weiterhin möglich sein, eine Krankschreibung jedoch nur für die maximale Dauer von einer Woche ausgestellt und bei fortdauernder Erkrankung einmal verlängert werden können. Diese angepasste Regelung wird aller Voraussicht nach bis zum 4. Mai gültig sein.
          Beck und viele seiner Kollegen hatten unter anderem kritisiert, dass es den Praxen an Schutzausrüstung mangele und somit eine Behandlung von möglicherweise infizierten Patienten nur schwer möglich sei. Er selbst habe in den vergangenen Wochen über das Bestellportal der Kassenärztlichen Vereinigung versucht, an Desinfektionsmittel und Schutzmasken zu kommen, erzählt Beck. Beides sei nicht im ausreichenden Umfang geliefert worden. „Wir sind blank“, sagt er.


          Bei den Arbeitgeberverbänden war die Rücknahme der Sonderregelung hingegen auf Zustimmung gestoßen. Krankschreibungen per Telefon müssten eine absolute Ausnahme bleiben, sagte ein Sprecher der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände. Bei der Einführung der Regelung sei klar gewesen, dass diese nur so lange gelte, bis sich die Situation „ein Stück weit geklärt hat“. Nun sei es an der Zeit, „zu dem gewohnten Verfahren zurückzukehren“. Zumal im Krankheitsfall eine Entgeltfortzahlungen in voller Höhe fällig sei. Für Unternehmen sei es wichtig, dass jeder Krankschreibung eine sorgfältige Untersuchung vorausgehe.
          Anfang April hatte die Barmer-Ersatzkasse gemeldet, dass bundesweit unter den Versicherten die Krankschreibungen aufgrund akuter Atemwegserkrankungen im Vergleich zur Vor-Coronazeit um etwa 40 Prozent gestiegen seien.

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