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Mangel an Pflegepersonal : Krankenpflege auf Koreanisch

  • -Aktualisiert am

Willkommenskultur: Auf dem Frankfurter Flughafen wurden die ersten 128 Krankenschwestern aus Südkorea Ende Januar 1966 empfangen. Bild: dpa

Vor 50 Jahren kamen 128 Krankenschwestern aus Korea nach Frankfurt. Dort erwarteten sie harte Arbeit und wenig Freizeit. Zwölf von ihnen sind bis heute geblieben.

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          Yun Kyoung Brandt trägt ein rot schimmerndes Seidenkleid, vor der Brust ist es mit einer großen Schleife zusammengebunden, die Ärmel sind mit weißen Kirschblüten bestickt. Sie stammt aus Korea, und für sie ist der Hanbok, eine traditionelle Tracht, mehr als nur ein festliches Gewand. Brandt sagt: „Das Kleid ist genau 50 Jahre alt. Damit bin ich damals nach Deutschland gekommen.“

          Damals - da war sie 26 Jahre alt und eine von 128 koreanischen Krankenschwestern, die am 31. Januar 1966 am Frankfurter Flughafen aus einer Maschine der Japan Airlines stiegen. Mehr als 20 Stunden saß Brandt im Flieger aus Südkorea. Als die Frau den Fuß auf deutschen Boden setzte, empfing sie ein weißes Banner mit der Aufschrift „Willkommen in Deutschland“ - auf Koreanisch und Deutsch. Die 128 jungen Koreanerinnen waren die ersten von mehr als 10.000 Krankenschwestern aus dem asiatischen Land, die in Deutschland den Mangel an Pflegepersonal beheben sollten.

          „Wurden empfangen wie wichtige Staatsgäste“

          Im Kaisersaal des Römers sind an diesem Nachmittag einige der Damen wieder zusammengekommen. Sie feiern den 50. Jahrestag ihrer Ankunft in Frankfurt. Mittendrin ist der 87 Jahre alte Südkoreaner Sukil Lee. Er war damals Kinderarzt an der Uniklinik Mainz und hatte die Aktion in die Wege geleitet. Die Auswahl war streng. Die Frauen mussten eine mehrjährige Ausbildung zur Krankenschwester vorweisen. Außerdem hatten alle Abitur und waren „hoch qualifiziert“, wie Lee sagt. „Sie waren voll Hingabe für die Patienten.“

          Yun Kyoung Brandt hatte 1966 nur eine vage Vorstellung von dem, was sie in Deutschland erwarten würde. „Meine Schwester hat Germanistik studiert, sie hat mir ein wenig über Deutschland erzählt“, sagt sie. Mit ihr im Flieger saß damals Eun-Cha Tjong. „Wir wurden empfangen wie wichtige Staatsgäste. Es waren ganz viele Journalisten und Fotografen da“, erinnert sich Tjong. 1966 war auch sie 26 Jahre alt. Als sie aus dem Flugzeug stieg, verstand sie kein Wort. Sie konnte kaum Deutsch: Was sie in der Schule gelernt hatte, half ihr nicht weiter.

          Frankfurter Oberbürgermeister war Willi Brundert. Der Sozialdemokrat lud die ersten 128 Schwestern auch damals schon in den Kaisersaal ein, mit Autos wurden sie dorthin gefahren. Als Willkommensmahl gab es Hühnerfrikassee mit Reis. „Aber der Reis war schrecklich“, sagt Brandt und lacht. In Südkorea ist es üblich, den Reis so lange quellen zu lassen, bis er klebt. „Hier war der Reis noch total fest und körnig.“

          „Ich habe mich gefühlt wie eine Putzfrau“

          40 Prozent der Krankenschwestern, die bis 1976 kamen, blieben in Deutschland. Von den ersten 128 leben aber nur noch zwölf in der Bundesrepublik. Es waren ausschließlich Frankfurter Kliniken, die die jungen Frauen 1966 einstellten. Etwa 600 Mark netto bekamen sie damals im Monat, viele lebten erst einmal in Schwesternwohnheimen. Tjong kam mit zehn weiteren Koreanerinnen ans Krankenhaus Höchst. Weil sie nur wenig Deutsch sprach, machte sie zunächst nur „Laufarbeit“, wie Tjong erzählt. Erst später durfte sie dann auch Medikamente verteilen.

          Lee Myung-Ja war Tjongs Kollegin in Höchst. Die ersten Wochen arbeitete sie auf der Kinderstation. Die musste sie jedoch schnell wieder verlassen. „Mir wurde gesagt, dass ich die Kinder zu langsam bade“, sagt Myung-Ja. In der Neuropsychiatrie erging es ihr nicht viel besser. „Ich habe mich gefühlt wie eine Putzfrau, meine Arbeit bestand fast nur aus Putzen und Waschen.“ Irgendwann beschwerte sich Myung-Ja und kam in der Anästhesie unter. Dort gefiel es ihr besser. Eine ähnliche Arbeit kannte sie schon aus ihrer Ausbildung in Südkorea.

          Viele plagte das Heimweh

          Brandt arbeitete am Anfang im Markus-Krankenhaus in Ginnheim. Eine 40-Stunden-Woche gab es für sie nicht, in den ersten Jahren arbeitete sie bis zu zwölf Stunden täglich. Um 6 Uhr in der Früh fing sie an, Pause war von 13 bis 15 Uhr, Feierabend nie vor 18 Uhr. Zeit zum Einkaufen blieb ihr nicht - die Geschäfte schlossen früh. „Wir hatten endlich Geld, konnten uns davon aber zu Anfang gar nichts kaufen“, sagt Brandt. Die kurze Freizeit nutzte sie, um richtig Deutsch zu lernen.

          Die Frauen erinnern sich noch gut an das Heimweh, das sie plagte. „Das konnte man mit Arbeit nicht kompensieren“, sagt Brandt. Kim Chung Sook, die mit Brandt im Markus-Krankenhaus arbeitete, wollte am liebsten weiter nach Amerika reisen. „In Frankfurt war alles kahl und grau, und die Menschen waren sehr reserviert“, sagt Sook. Nur die deutschen Krankenschwestern seien anders gewesen, sie hätten sie nett aufgenommen.

          Warum die Frauen überhaupt nach Deutschland kamen? „Geld verdienen“, sagt Myung-Ja. Ihren ersten Gehaltsscheck trägt sie noch immer bei sich. Brandts und Chung Sooks Motivation, Korea zu verlassen, war eine andere: „Wir hatten Sehnsucht nach dem Ausland“, sagt Brandt. Die Frauen sind stolz auf das, was sie und die anderen Koreanerinnen in Deutschland geleistet haben. „Die Aktion hat Deutschland kulturell und wirtschaftlich viel gebracht“, meint Brandt. Heimweh hat die 76 Jahre alte Frau nicht mehr. Sie lebt in Frankfurt, ist mit einem deutschen Mann verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Nach Korea fliegt sie nur noch selten. „Ich fühle mich hier in Deutschland zu Hause“, sagt sie. Nur den Reis kocht sie noch immer koreanisch.

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