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Krankenhauskeime : Kampf den multiresistenten Erregern

  • -Aktualisiert am

Schutz: Die Hände zu desinfizieren ist in Krankenhäusern wichtig, um keine Keime einzuschleppen. Bild: dpa

Antibiotika wirken nicht mehr gegen alle Keime. Zum Schutz der Patienten arbeitet das hessische Gesundheitsministerium mit Kliniken zusammen.

          Zum Europäischen Antibiotikatag im November ist das Thema in fast allen Medien präsent gewesen: Das Medikament werde bei Infektionen zu schnell eingesetzt, hieß es. In der Folge könnten Keime dagegen resistent werden. Auch hat sich der Hessische Krankenhaustag im Wissenschafts- und Kongresszentrum in Darmstadt mit dem „Megathema“ befasst. Gegen multiresistente Erreger ist der normale Einsatz von Antibiotika nicht mehr ausreichend, weshalb sich die Krankenhäuser Gedanken machen über die „richtige“ Verwendung. Die zunehmenden Antibiotika-Resistenzen zeigten, dass „wir etwas unternehmen müssen, um langfristig optimale Therapien und gleichzeitig eine Eindämmung der Resistenzen erreichen zu können“, sagte der Präsident der Hessischen Krankenhausgesellschaft (HKG), Dieter Bartsch. Was genau, wurde auf dem Kongress unter dem Titel „Qualität und Patientensicherheit - Definieren - Optimieren - Finanzieren“ diskutiert.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Das hessische Gesundheitsministerium und die Krankenhausgesellschaft haben vereinbart, was sie gemeinsam dagegen unternehmen wollen. Wie Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) sagte, wird die „Initiative Patientensicherheit und Qualität Hessen“ im nächsten Jahr eine Datenerfassung zum Infektionsschutz beginnen, die in Deutschland einmalig sei. Ziel ist, an allen Krankenhäusern Hessens belastbare Daten zu multiresistenten Erregern zu erfassen und auszuwerten, um so zum Beispiel Hinweise zu bekommen, woher sie stammen, wie die Wege der Übertragung sind und wie die Krankenhäuser damit umgehen. Mit der Erhebung wird federführend die Geschäftsstelle Qualitätssicherung Hessen befasst sein, die bei Auffälligkeiten mit dem jeweiligen Krankenhaus in Kontakt treten soll.

          Suche nach richtigem Antibiotikum

          Wie Bartsch erläuterte, soll das Datenmaterial aus der obligatorischen Erhebung die Krankenhäuser in die Lage versetzen, eine rationelle und individuelle Antibiotika-Strategie zu entwickeln, die lokale Resistenzen berücksichtigt. Im Zentrum dieses „Antibiotic Stewardship“ werde die Frage stehen, „welches Antibiotikum ist wann das richtige Mittel, in welcher Dosierung und über welche Dauer“. Ende 2015 sollen die Ergebnisse der Initiative zum Infektionsschutz für Hessen ausgewertet werden.

          Unter den Krankenhäusern ist das Interesse an dem Thema groß, wie auf dem Kongress deutlich wurde. So haben an einer ersten, freiwilligen Erhebung in diesem Jahr 88 Kliniken teilgenommen. Die Häuser decken rund 80 Prozent der stationären Behandlungsfälle in Hessen ab. Die Erhebung hat Bartsch zufolge vor allem zwei Ergebnisse zutage gefördert: Das Interesse am Infektionsschutz ist groß und der Wunsch nach Wissens- und Informationsaustausch ausgeprägt. Es gebe die Bereitschaft, die jeweilige Expertise zu teilen. Dem Wunsch will die Hessische Krankenhausgesellschaft im ersten Quartal 2015 mit einer Fachtagung nachkommen, die den Experten aus den verschiedenen Krankenhäusern eine Plattform bieten soll, Ideen und gute Beispiele vorzutragen und in Workshops zu diskutieren.

          Bessere Standards erwünscht

          Grüttner sagte, Qualität und Patientensicherheit befänden sich in Hessens Krankenhäusern auf hohem Niveau. Dennoch gebe es die Bereitschaft, sich weiter zu verbessern. Aktuell, so wurde auf dem Kongress berichtet, sind etwa 20 000 Multiresistenzen von Bakterien bei insgesamt 1,4 Millionen Krankenhauspatienten verzeichnet worden. Diese Zahl bedeute aber nicht, dass alle Menschen erkrankt seien.

          Das Interesse an einer weiteren Verbesserung der Standards ist nicht nur durch die Fälle verursacht. Es liegt auch im Eigeninteresse der Häuser. Wie der Minister erläuterte, hat sich eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Krankenhausreform erst vor wenigen Tagen auf Eckpunkte verständigt, mit denen sichergestellt werden solle, „dass Qualität auch im Mittelpunkt künftiger Bundesgesetzgebung die Hauptrolle spielen wird“. Dies bedeute, dass die Krankenhausfinanzierung künftig über die Qualität gesteuert werde. Die entsprechenden Kriterien müssten zwar noch ermittelt werden. „Krankenhäuser, die die neuen Kriterien erfüllen, dürften dann aber finanziell im Vorteil sein.“

          Das Sozialministerium hat, um zwischen Bund, Land und den verschiedenen anderen Akteuren den Austausch zu verbessern, Anfang des Jahres eigens ein neues Referat gegründet. Am Hessischen Krankenhaustag, der seit 2009 immer in Darmstadt stattfindet, haben sich 26 Aussteller beteiligt und 250 Teilnehmer.

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