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Stadthalle Gelnhausen : Architekturbüro soll Kosten ermitteln

Seit vergangenem Sommer geschlossen: die Stadthalle in Gelnhausen Bild: Frank Röth

In Gelnhausen wird über die Sanierung der Stadthalle gestritten. Weil er einen Beschluss der Stadtverordneten nicht realisiert hat, wirft die CDU Bürgermeister Glöckner Handeln nach „Gutsherrenart“ vor.

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          Die Sanierung der Stadthalle bleibt in Gelnhausen ein Dauerthema, das Bürger, Politik und Verwaltung, vor allem aber Bürgermeister Daniel Glöckner (FDP) beschäftigt. Unklar sind die erforderlichen Arbeiten, deren Kosten und Dauer. Ungeklärt sind auch Vorwürfe ehemaliger Verwaltungsfachleute, die Versäumnisse bei Wartungen im Brandschutz moniert hatten. Die Staatsanwaltschaft Hanau ermittelt nach einer Anzeige gegen eine Person. Dabei handelt es sich nicht um den Bürgermeister. Der sieht sich allerdings Vorwürfen der Opposition ausgesetzt, ein von den Stadtverordneten gefordertes Sanierungsgutachten nicht eingeholt zu haben.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Die Halle, die seit vergangenem Sommer für eine Sanierung geschlossen ist, wird frühestens im nächsten Jahr wieder den Betrieb aufnehmen können, kündigte Glöckner in einer Pressekonferenz an. Genaue Angaben zur benötigten Zeit, zu erforderlichen Arbeiten und erwartenden Kosten konnte der Bürgermeister nicht machen. Die Kosten dürften aber deutlich über den geplanten 850.000 Euro liegen. Im Wesentlichen gehe es um den Einbau einer neuen Brandmeldeanlage und einer neuen Klimaanlage inklusive Heizung und Belüftung, sagte er.

          Zu Beginn der Arbeiten habe sich herausgestellt, dass die Unterdeckenkonstruktion der ursprünglich als Sportstätte genutzten Halle den heutigen Anforderungen an den Brandschutz nicht mehr entspreche. Sie müsse aus Metall bestehen, weshalb die Holzdecke nicht weiter verwendet werden dürfe. Die Sanierungszeit könne bis zu anderthalb Jahre dauern, so Glöckner. Einen Abriss und Neubau der Halle könne die Stadt nicht finanzieren. Besser sei eine schrittweise Sanierung. Einen Überblick über die erforderlichen Arbeiten, Ausführungsvarianten und Kosten werde ein von ihm beauftragtes Architekturbüro in diesen Tagen erstellen.

          Kostenschätzung ohne Begutachtung

          Dieses Vorgehen rügte die Gelnhäuser CDU mit den Worten, Glöckner herrsche nach „Gutsherrenart“. In der Oktobersitzung habe die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, ein Gutachten erstellen zu lassen. Glöckner habe darin den Auftrag erhalten, durch einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen den technischen und baulichen Zustand der Halle begutachten und den Sanierungsbedarf – über den Brandschutz und die Lüftungsanlagen hinaus – ermitteln zu lassen. Nun habe Glöckner den Auftrag nach seinem Belieben umgedeutet und den Weg eingeschlagen, der ihm als der einfachste erscheine. Ohne eine Begutachtung würden nun Kostenschätzungen eingeholt, statt eine verlässliche und objektive Grundlage für Entscheidungen über die Sanierung zu schaffen, kritisiert die CDU.

          Mängel im Brandschutz: Die Zwischendecke entspricht nicht den Anforderungen.
          Mängel im Brandschutz: Die Zwischendecke entspricht nicht den Anforderungen. : Bild: Frank Röth

          Er ignoriere keine Beschlüsse der Stadtverordneten, konterte Glöckner, räumte auf Nachfrage der F.A.Z. aber ein, dass eine Ausschreibung des Auftrags nicht stattgefunden habe. Die Verwaltung könne Beschlüsse „nicht in der Zeit null umsetzen“, benötigte Fremdfirmen stünden nicht Gewehr bei Fuß. Vor der Schließung der Stadthalle hätten mehrere Ingenieure den Zustand begutachtet und ihre Erkenntnisse über den statischen, lüftungstechnischen, elektrotechnischen, brandschutztechnischen und akustischen Zustand der Stadthalle dokumentiert. Ein Fachbüro, das alle Gewerke begutachten könne, sei aus zeitlichen Gründen nicht zu finden gewesen.

          Fragen der Vergangenheit ruhen lassen

          Nachdem die Dokumentationen vorgelegen hätten, seien gemeinsam mit dem städtischen Bauamt Gespräche mit dem jetzt beauftragten heimischen Architekturbüro geführt worden. „Wir haben nach einer Lösung gesucht, eine umfassende fachliche Betreuung aus einer Hand zu erhalten, vor allem, um Zeit zu sparen und gleichzeitig zu einer Lösung zu kommen, die den Ansprüchen unserer Bürger an eine moderne Versammlungsstätte gerecht wird und trotzdem finanziell vertretbar ist“, so Glöckner. Das Büro werde bald ein Angebot über die Kosten für seine Leistungen unterbreiten. Diese würden die Entwicklung verschiedener Sanierungsszenarien der Halle und die jeweiligen Kostenschätzungen dazu umfassen. Sobald das Angebot des Architekturbüros vorliege, werde der Magistrat gemeinsam mit der Hallen- und Veranstaltungsgesellschaft über den Auftrag entscheiden.

          Von dem Gutachten hatte sich die Opposition auch Klarheit zu den Auswirkungen der unterstellten Wartungsmängel an den Brandschutzklappen erhofft. Es stehe nicht fest, ob jemand in der Sache schadenersatzpflichtig sei, sagte CDU-Vorsitzender Christian Litzinger. Laut Glöckner versucht die Stadtverwaltung, die Vorwürfe aufzuklären. Um eine bessere Koordination im Rathaus zu erreichen, sei Petra Barak als Facility-Managerin für städtische Gebäude eingestellt worden. Sie habe Unterlagen über die Wartungsarbeiten der Stadthalle zusammengetragen. Voraussichtlich im August werde eine Übersicht vorliegen. Barak sagte in der Pressekonferenz, nach ihrer Erkenntnis sei keine der vorhandenen Brandschutzklappen defekt, sie seien regelmäßig gewartet worden. Karl-Christian Schelzke, der in seiner Funktion als geschäftsführender Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes in der Pressekonferenz dem Bürgermeister als „Berater“ zur Seite stand, appellierte an die Presse, die Fragen zur Vergangenheit ruhen zu lassen und sich stattdessen auf die künftigen Planungen zu konzentrieren. Die Vorwürfe der CDU über das fehlende Sanierungsgutachten waren zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht offiziell bekannt.

          Konstruktiver brachte sich Glöckners Vorgänger im Bürgermeisteramt in Gelnhausen, Landrat Thorsten Stolz (SPD), in die Kontroverse ein. Er machte das Angebot, dass der Barbarossasaal des Main-Kinzig-Forums, Sitz der Kreisverwaltung in Gelnhausen, für Veranstaltungen der Stadt und von Vereinen gemietet werden könne.

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