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Korruptionsfall Emig : HR bekommt von Ex-Sportchef 1,1 Millionen Euro

Weniger Rente: Jürgen Emig muss seinem ehemaligen Arbeitgeber 1,1 Millionen Euro zurückzahlen. Bild: ddp

Der Hessische Rundfunk und dessen einstiger Sportchef Jürgen Emig haben vor dem Hessischen Landesarbeitsgericht nach langem Streit einen Vergleich geschlossen. Emig ist dem Sender 1,1 Millionen Euro schuldig. Die werden mit seiner Betriebsrente verrechnet.

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          Der Korruptionsfall bewegte den Sender, die Sportverbände in Hessen und sorgte bundesweit für Schlagzeilen: Jahrelang hatte der ehemalige Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig, Sponsorengelder und vermeintliche „Produktionskostenzuschüsse“ eingeworben, die beim Sender nie ankamen. Die Sache flog erst nach geraumer Zeit auf, Emig wurde im August 2005 außerordentlich und fristlos gekündigt. Im Oktober 2008 wurde er wegen Bestechlichkeit als Amtsträger und Untreue zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Das Urteil wurde später vom Bundesgerichtshof bestätigt.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die arbeitsgerichtliche Auseinandersetzung zwischen Emig und seinem einstigen Arbeitsgeber aber dauerte an bis – jetzt: Am Freitag haben der HR und Emig vor dem Hessischen Landesarbeitsgericht einen Vergleich geschlossen, der ein Urteil des Arbeitsgerichts Frankfurt von 2011 bestätigt (Az: 8 Sa 883/11, 8 Sa 847/11). Emig ist dem Sender demzufolge 1,1 Millionen Euro Schadensersatz schuldig, die im August 2005 ausgesprochene Kündigung ist rechtens. Der Verglich tritt sofort in Kraft.

          Der HR wollte mehr, Emig weniger

          Ursprünglich hatte der HR von Emig 1,7 Millionen Euro haben wollen, der einstige Sportchef war dem Vernehmen nach zunächst nur bereit, 200 000 Euro zu zahlen. Da der Richter jedoch andeutete, es sei umgehend ein Vergleich zu schließen, andernfalls fälle er ein Urteil, kam es zu einer Annäherung. Man landete schließlich bei der Summe von rund 1,1 Millionen Euro.

          Diesen Vergleich wertet der Fernsehdirektor und stellvertretende Intendant des HR, Manfred Krupp, als Erfolg, wie er im Gespräch mit FAZ.NET sagte: „Der Hessische Rundfunk kann sehr gut mit dem Vergleich leben, weil die fristlose Kündigung bestätigt worden ist und wir einen vollstreckbaren Titel über rund 1,1 Millionen Euro an Schadensersatz erzielt haben. Damit haben wir den Kern unserer Forderungen erreicht.“ Das Geld bekommt der HR von Emig allerdings nicht in bar überwiesen, sondern nur insofern, als die Summe mit seiner Betriebsrente verrechnet wird. Diese Rente steht ihm zu, obwohl er wegen Bestechlichkeit als Amtsträger und Untreue verurteilt worden war.

          Bestechlichkeit und Untreue

          Die Wirtschaftskammer des Frankfurter Landgerichts hatte Emig im Oktober 2008 wegen Bestechlichkeit in sechs Fällen und Untreue verurteilt. Emig, so wurde damals vor Gericht festgestellt, habe in den Jahren 2001 bis 2003 insgesamt 440 000 Euro für eine „Doppelrolle“ kassiert, in der er im Verein mit einem damaligen Geschäftspartner seine Position als Sportchef des HR dazu missbrauchte, sich illegale Nebeneinkünfte zu verschaffen. Die beiden ließen über eine Agentur namens SMP  vermeintlich notwendige Sponsorengelder und „Produktionskostenzuschüsse“ laufen, die, wie Emig und sein Partner Sportveranstaltern weismachten, notwendig seien, um eine Übertragung im HR-Fernsehen zu ermöglichen. Der Sender sah von dem Geld jedoch nichts. Dem HR hatte das Gericht bescheinigt, zu spät und nicht intensiv genug Hinweisen auf Emigs „krumme Geschäfte“ nachgegangen zu sein.

          1,1 Millionen Euro darf der HR Emig nun von seiner Rente, von Herbst 2005 an gerechnet, abziehen. Die 1,7 Millionen Euro, die der Sender ursprünglich wollte, errechnen sich unter anderem aus dem vom HR bezifferten Untreue-Schaden von rund 800 000 Euro und Kosten von rund einer halben Million Euro, die der HR für eine Durchleuchtung der Vorgänge durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft aufgewendet hatte, plus Zinsen.

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