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Kopfschuss-Mord in Frankfurt : Die Spur führt zu mafiösen Strukturen

Spurensuche: Die Arbeitsgruppe, die unmittelbar nach dem Mord in Sachsenhausen (hier der Tatort) gegründet wurde, arbeitete am Wochenende rund um die Uhr Bild: dpa

Nach dem Kopfschuss-Mord in Frankfurt hält sich die Polizei mit Details zurück. „Wegen der hohen Brisanz“, wie es im Präsidium heißt. Das Opfer, ein Sportwettenbetreiber, soll Geschäfte mit den „falschen Leuten“ gemacht haben.

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          In dem großen Bürohaus an der Walter-Kolb-Straße im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen sind die Spuren des brutalen Mordes am Freitagmorgen schon fast nicht mehr sichtbar. Die Blutlache, in der das Opfer gelegen hatte, ist noch in der folgenden Nacht beseitigt worden. Und in dem Hinterhof, auf dem Oliver F. kurz vor seinem Tod noch die dunkle Limousine geparkt hatte, ist nichts mehr zu finden. Keine Zigarettenkippen, keine Papierfetzen - der Hof ist von den Beamten bis in den letzten Winkel abgesucht worden. Die Spurensicherung hatte sich bis in den späten Abend hingezogen, so akribisch gingen die Ermittler vor. Wohl auch deshalb, weil ihnen klar war, dass für diesen Fall besondere Maßstäbe gelten müssen, selbst in Frankfurt, wo die Arbeit nach Tötungsdelikten fast schon zur Routine geworden ist.

          Katharina Iskandar
          Verantwortliche Redakteurin für das Ressort „Rhein-Main“ der Sonntagszeitung.

          Denn die Umstände waren außergewöhnlich: Der Tote lag zusammengesackt im Eingang, jemand hatte ihm zweimal in den Kopf geschossen. Die Polizei will immer noch nicht offiziell von einer „Hinrichtung“ sprechen. Aber die Kriminalisten sind sich einig, dass die Art der Tötung stark an eine solche erinnert. Der Fall, so heißt es weiter, sei „äußerst brisant“. Und zu einer solchen Formulierung lassen sich die Frankfurter Beamten nicht leichtfertig hinreißen.

          Arbeit rund um die Uhr

          Die Arbeitsgruppe, die unmittelbar nach dem Mord gegründet wurde, arbeitete am Wochenende rund um die Uhr. Aber noch immer sind die Hintergründe weitgehend unklar. Offenbar aber sehen die Ermittler einen engen Zusammenhang zwischen dem Mord und der beruflichen Tätigkeit des Opfers. Wie berichtet, leitete Oliver F. gemeinsam mit seinem Bruder eine Sportwettenfirma. Das Unternehmen „Happybet“ ist seit Jahren am Markt etabliert und gilt als eine der größten der Branche in Deutschland mit Ablegern in anderen europäischen Ländern. Es tritt unter anderem als Sponsor von Bayer 04 Leverkusen auf. In dem Geschäftshaus in Sachsenhausen, in dem vorwiegend Ärzte und Anwälte tätig sind, befinden sich die Verwaltung und das deutsche Büro. Als Geschäftssitz gibt das Unternehmen jedoch in Kooperation mit einer Untergesellschaft Malta an.

          Das ganze Wochenende hat die Polizei damit verbracht, das Leben von Oliver F. zu durchforsten. Bei Mordermittlungen zählten immer die ersten 24 Stunden, lautet eine Regel erfahrener Beamter. Die Zeit spielt in diesem Fall auch deshalb eine Rolle, weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass es weitere Beteiligte gibt, die ebenfalls zum Opfer werden könnten. Oliver F., so lautet eine Hypothese, habe sich geschäftlich mit den „falschen Leuten“ eingelassen.

          Hohe Brisanz

          Zu denken gibt den Ermittlern vor allem die brutale Art der Tötung. Die Tat sei penibel vorbereitet worden, heißt es. Der Schütze, vermutlich ein Profi, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Schalldämpfer benutzt. Die Schüsse, so ergab die Obduktion, wurden mit äußerster Präzision abgegeben. So, wie es eigentlich nur jemand kann, der nicht zum ersten Mal getötet hat. Die Polizei selbst hält sich mit Details auffallend zurück, eben „wegen der hohen Brisanz“, wie es im Präsidium heißt. Dennoch sickern immer wieder Gerüchte durch, meist aus dem Umfeld des Toten gestreut. Etwa, dass das Opfer in ausländische mafiöse Strukturen hineingeraten sei oder sich sogar bewusst dort hinein begeben habe. Auch über eine Nähe zur Rockervereinigung „Hells Angels“ wird spekuliert. Die soll aus früheren Jahren rühren, als Oliver F. noch Mitbetreiber einer bekannten Diskothek in Rödermark war und eine „schillernde Figur“ im Nachtleben.

          Auch soll Oliver F. häufig Gast bei sogenannten Promi-Parties gewesen sein. Es gebe Fotos von ihm mit bekannten deutschen Schauspielern und Sportlern. Die Ermittler müssen sich nun auch durch ein Dickicht der Gerüchte vorarbeiten.

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