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Kooperation mit Süwag : Hofheim übernimmt lokales Stromnetz

Die Kreisstadt Hofheim und der Energieversorger Süwag (Foto) gründen für das lokale Stromnetz eine gemeinsame Besitzgesellschaft Bild: Fricke, Helmut

Die Kreisstadt Hofheim und der Energieversorger Süwag gründen eine gemeinsame Besitzgesellschaft. Bürgermeisterin Stang verspricht sich kleine Gewinne und ein hohes Maß an Einflussnahme für die Kommune.

          3 Min.

          Als erste Kommune im Main-Taunus-Kreis will Hofheim in Kooperation mit dem Energieunternehmen Süwag AG das lokale Stromnetz in einer gemeinsamen Gesellschaft übernehmen. Sie müsste etwa 13.000 Haushalte und 4400 Straßenlaternen versorgen - über eine 178 Kilometer lange Kabelstrecke und 35 Kilometer Freileitungen. Die Kreisstadt geht nach der „Netzwerk Untermain“, an der die Städte Kelsterbach und Raunheim beteiligt sind, den zweiten Zusammenschluss mit dem Energiedienstleister Süwag im Rhein-Main-Gebiet ein.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Die genauen Vertragsmodalitäten, die in einer der nächsten Stadtverordnetenversammlungen beschlossen werden sollen, haben Bürgermeisterin Gisela Stang, Stadtrat Wolfgang Winckler (beide SPD), Süwag-Generalbevollmächtigter Dirk Pumplun und die für den Netzbetrieb zuständige Syna-Geschäftsführerin Martina Rudy erläutert. Ein wenig Eile für die Neuordnung war geboten: Der Konzessionsvertrag mit der Süwag ist schon seit einem Jahr abgelaufen.

          “Wir wollen einen Fuß in der Tür haben“, begründete Stang das städtische Engagement. Sie hob das Mitspracherecht bei Investitionen zum Ausbau des Netzes hervor. Nachteile für die Bürger, wie es sie beim Ausbau des Internets in einigen Teilen Hofheims durch das Monopol der Telekom gebe, würden durch die neue Stromnetz Hofheim GmbH Co.&KG vermieden, an der die Stadt mit 51 Prozent Mehrheitseigner sei. Zudem könne die Stadt über die Gesellschaft mit einem kleinen Gewinn in niedriger sechsstelliger Höhe rechnen, ergänzte Winckler.

          Seit 2008 beschäftigen sich die städtischen Gremien mit der Übernahme des Netzes. Im vergangenen Jahr haben die Stadtverordneten einen Grundsatzbeschluss mit großer Mehrheit gefasst. Es gebe Kommunen, die sich komplett aus der Energiewirtschaft heraushielten und in einem langfristigen Konzessionsvertrag den Energiekonzernen das Geschäft überließen, und es gebe Kommunen, die allein Netze bewirtschafteten. Hofheim wähle den Mittelweg, der das höchste Maß an Einflussnahme und das geringste wirtschaftliche Risiko garantiere, erläuterte Stang. Die Süwag habe sich gegen drei Konkurrenten in der europaweiten Ausschreibung als bester Partner durchgesetzt, fügte Winckler hinzu. Letztendlich aber sei es eine „Art Fotofinish“ zwischen den Energieversorgern gewesen.

          Gemäß dem Vertragsentwurf verpachtet die gemeinsame Netzgesellschaft von Stadt Hofheim und Süwag das Stromnetz an die Süwag, die wiederum einen Unterpachtvertrag über 20 Jahre mit ihrer hundertprozentigen Tochtergesellschaft Syna GmbH abschließt. Syna betreibt und erhält das Stromnetz. Der Kaufpreis, den die künftige Netzgesellschaft an den bisherigen Eigentümer Süwag zahlen muss, liegt zwischen 7,2 und acht Millionen Euro.

          Ihren Eigenkapitalanteil von 1,6 Millionen Euro kann die Stadt Hofheim laut Winckler vollständig aus der Rückzahlung des Kapitalstocks für die Straßenbeleuchtung in Höhe von 1,8 Millionen Euro begleichen. Über günstige kommunale Kredite in Höhe von nochmals knapp 1,6 Millionen Euro zu einer Verzinsung von 0,5 Prozent werde der restliche städtische Anteil am Kaufpreis finanziert.

          Die reine Besitzgesellschaft soll mit je einem nebenamtlichen Geschäftsführer für kaufmännische und technische Belange ausgestattet werden. Die Aufwandskosten der künftigen „Stromnetz Hofheim“ lägen bei 20.000 Euro, schätzte Winckler.

          Sie freue sich auf die neue Form des Miteinanders, sagte Syna-Geschäftsführerin Rudy. 45 Mitarbeiter hielten künftig das Hofheimer Netz in einem guten Zustand. Jährlich seien etwa 500.000 bis 600.000 Euro an Investitionen notwendig, um die Anforderungen, die durch die Energiewende gestellt würden, auch technisch zu erfüllen. Es gebe bei der Übernahme lokaler Netze durch Kommunen kein richtig oder falsch, sagte Rudy. Lediglich eine Mindestgröße der Kommune von 10.000 Einwohnern sei für die wirtschaftliche Rentabilität erforderlich.

          Die Hofheimer Pionierarbeit wird von den Nachbarstädten und Gemeinden mit großem Interesse verfolgt. Denn sie biete das ausgearbeitete, aufwendig mit Hilfe von externen Rechtsfachleuten ausgearbeitete Vertragskonstrukt als Blaupause für Nachahmer an, sagte Stang. Zum Nulltarif werde die Kreisstadt die unter großem Aufwand erarbeitete Gesellschaftsvereinbarung aber nicht ins Internet stellen, machte Winckler deutlich. Dennoch seien die Nachbarn eingeladen, sich an der „Stromnetz Hofheim“ zu beteiligen, wenn deren Konzessionsverträge mit den Energieversorgern ausliefen.

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