https://www.faz.net/-gzg-9kkcu

Moderner Country-Sound : Die neue Landlust

Lauren Jenkins: die junge texanische Newcomerin auf der Bühne des Clubs „Das Bett“. Bild: Detlef Kinsler

Kein alter Cowboyhut: Die Konzertreihe „Sound of Nashville“ bringt frische Country-Musik nach Deutschland. Über eine vielfältige und bunte Musikszene.

          2 Min.

          Der wilde Westen fing noch nie gleich hinter Hamburg an, und in der ominösen Bar „Old Shatterhand“ hat niemals eine Indianer-Band gespielt. Und doch transportieren diese Zeilen aus zwei deutschen Schlagern weitverbreitete Klischeevorstellungen von Country-Musik: In Fransen-Kostüme gezwängte Interpreten trällern und jodeln Cowboy-und-Indianer-Lieder. Vermutlich gibt es tatsächlich noch Country-Musiker, die in glitzernden Hemden und mit riesigen Hüten daherkommen, zumal in Amerika und da durchaus auch noch in Nashville, doch für die heutige Country-Szene in einer der wichtigsten Musikmetropolen der Welt stehen sie schon längst nicht mehr.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Diese Szene ist vielfältig, bunt, stilistisch nach allen Seiten offen und daher auch für den Pop-Mainstream interessant, der seine Stars wie Taylor Swift, Miley Cyrus oder Justin Timberlake heftig mit Country flirten und Lady Gaga im Film „A Star Is Born“ sogar in einer Rolle als Countrysängerin auf der Leinwand glänzen lässt. Diesem Trend folgt nun auch das Bemühen deutscher Konzertveranstalter, Vertreter dieser neuen Country-Szene auf Tour zu schicken. Ist in Berlin und Hamburg schon interessiertes Publikum gefunden, lag das Rhein-Main-Gebiet bisher abseits dieser Testläufe, obwohl in der Region allein schon wegen der zahlreichen hier lebenden Amerikaner grundsätzliche Aufgeschlossenheit vorausgesetzt werden darf.

          Mit der Konzertreihe „Sound of Nashville“ soll nun aber auch hier ein entsprechendes Angebot gemacht und aufstrebenden Country-Musikern aus Nashville regelmäßig die Gelegenheit gegeben werden, sich in Deutschland zu präsentieren. Die Konzertreihe ist dabei ein Angebot in Folge des Festivals „C2C – Country-to-Country“, das seit dem Jahr 2013 mit wachsendem Erfolg in britischen und irischen Städten veranstaltet wird und am vergangenen Wochenende erstmals auch in Berlin stattfand. Stars des Genres wie Keith Urban oder Legenden wie Emmylou Harris treffen hier auf Newcomer der Szene.

          Moderne Country-Sounds im Frankfurter Club „Das Bett“

          Drei dieser Newcomer, die es in Amerika allerdings schon in die Country-Charts geschafft haben, waren nun bei der ersten Frankfurter Auflage von „Sound of Nashville“ im sehr gut besuchten Club „Das Bett“ zu erleben, wo sie bei ihren Akustik-Sets eine Ahnung von der stilistischen Breite moderner Country-Sounds vermittelten, die mit den Vorstellungen von klassischem Country and Western kaum mehr etwas zu tun haben. Die junge Texanerin Lauren Jenkins etwa würde ohne weiteres auch im Singer-Songwriter-Genre oder, mit einer Band im Rücken, als Vertreterin des Heartland Rock Anklang finden, weil zwar ihre Wurzeln im traditionellen Country liegen mögen, ein wichtigerer Einfluss aber Bruce Springsteen ist. Dessen „I’m On Fire“ coverte sie; thematisch folgte sie ihm in ihrem eigenen, berückenden Song „Running Out Of Road“.

          Verarbeitet Jenkins in ihren Songs eigenes Erleben, nimmt der aus Georgia stammende Sänger und versierte Gitarrist Craig Campbell die Rolle eines Autors ein. Seine Songs, auch die persönlich gehaltenen wie „My Little Cowboy“, ähneln mitunter Short Stories oder lassen sich zweideutig lesen wie etwa der Song „Fish“, der die Bedeutung des Storytelling im Country unterstreicht: Eine gute Geschichte macht einen guten Song.

          Von ihnen hat auch der aus Kansas nach Nashville gekommene Sänger und Gitarrist Logan Mize in den vergangenen zehn Jahren schon einige geschrieben, die vom Leben auf Tour oder vom Dasein auf einer Farm erzählen, in ihrer einfachen und direkten Melodieführung aber auch als Popsongs taugen würden und damit ganz nebenbei eine Erklärung liefern, warum Country nun auch den Mainstream begeistert.

          Weitere Themen

          So riecht Sozialkritik

          „Parasite“ im Kino : So riecht Sozialkritik

          Ein Leben, das aus Füßen besteht, eine Familie, die eine andere befällt, und überall bildhafte Bedeutung: Der Cannes-Gewinner „Parasite“ steckt voller revolutionärer Energie.

          Topmeldungen

          Die Demokratin Nancy Pelosi gerät im Weißen Haus mit Präsident Donald Trump aneinander.

          Trump gegen Pelosi : Da oben ist was nicht in Ordnung

          Syrien, Ukraine – und die eigene Partei: Donald Trump kämpft an mehreren Fronten. Das geht an die Substanz des amerikanischen Präsidenten. Das zeigt auch der heftige Streit mit Nancy Pelosi. Unterdessen verschärft sich die Konfrontation mit dem Kongress.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.