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Kontrollen an Gerichten : Keine Chance für Taschenmesser und Feilen

  • -Aktualisiert am

Eintritt: ein Metalldetektor. Bild: Wohlfahrt, Rainer

Auch an Amtsgerichten in Hessen wird es künftig Kontrollen am Eingang geben. Das Land reagiert damit auf Gewalttaten in Gerichtssälen.

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          Für manchen Besucher des Amtsgerichts Seligenstadt war es am Montag noch ungewohnt, eine Eingangskontrolle passieren zu müssen. Doch wer das Gebäude betreten will, muss künftig zunächst Schlüssel, Uhr und andere metallische Gegenstände abgeben und anschließend durch einen Metalldetektorrahmen laufen. Selbst Schuhösen und Gürtelschnallen aus Metall lassen rote Lämpchen aufleuchten und einen Signalton erklingen. Routiniert warf Jutta Neubecker einen Blick ins Innere der mitgebrachten Aktentasche. Ihr Kollege Jürgen Marks ließ derweil eine Handsonde am Körper der Besucher entlanggleiten, um sicherzustellen, dass niemand das Gericht mit einem gefährlichen Gegenstand betrat. Beide sind Mitarbeiter des Sicherheitsunternehmens Goldschmidt & Levy. Jeweils von 8 bis 12 Uhr, bei Bedarf auch zu anderen Zeiten, ist die Eingangskontrolle besetzt. Bei einem Besucher zog Neubecker jüngst schon eine Dose Pfefferspray und eine Fahrradkette für die Dauer des Aufenthalts im Haus aus dem Verkehr.

          Im Januar vergangenen Jahres wurde ein junger Staatsanwalt im Amtsgericht Dachau ermordet. Das Land nahm dies zum Anlass, darüber nachdenken, wie an den hessischen Gerichten für mehr Sicherheit zu sorgen sei. Eine neue Sicherheits-Konzeption wurde inzwischen an allen 73 Gerichten in Hessen Realität. Gab es an den großen Gerichtsstandorten schon bisher Eingangskontrollen, so kamen die verbleibenden 32 Gerichte, darunter viele kleinere Amtsgerichte, nunmehr dazu: Auch für sie wurden Metalldetektorrahmen und Handsonden angeschafft.

          Sicherheitsbedürfnis nicht nur an großen Gerichten

          Einen Eindruck von den neuen Eingangskontrollen verschaffte sich Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) am Montag im Amtsgericht Seligenstadt. Rund 1,1 Millionen Euro, verteilt auf zwei Jahre, stellt das Land für die zusätzliche Sicherheit an den hessischen Gerichten bereit. Hahn wies darauf hin, auch durch die Bildung von Gerichtszentren mit einem zentralen Eingang und die Trennung von öffentlichen und nichtöffentlichen Gebäudeteilen habe man versucht, dem Sicherheitsanliegen Rechnung getragen.

          Am Amtsgericht Seligenstadt sind 49 Mitarbeiter, davon sieben Richter, tätig. Pro Sitzungstag werden 100 bis 150 Besucher gezählt. Das Sicherheitsbedürfnis beschränke sich nicht auf große Gerichte, hob Ulrich Wetzel, der Direktor des Amtsgerichts Seligenstadt, hervor. Er sei sehr froh, dass es die Eingangskontrollen jetzt auch dort gebe. Ende der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts sei in Frankfurt einmal eine Familienrichterin angeschossen worden, sagte Hahn. Auch darüber hinaus habe es an hessischen Gerichten schon kleinere Vorfälle gegeben. Allein im Justizzentrum Frankfurt würden monatlich rund 1500 gefährliche Gegenstände von der Schlagbohrmaschine über Nagelfeilen bis zu Taschenmessern und Schraubenziehern sichergestellt.

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