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Großangelegte Kontrollaktion : Zu laut, zu schnell und zu dicht aufgefahren

  • -Aktualisiert am

Einsatz auf dem Waldparkplatz: Bei den Lastwagenkontrollen decken die Beamten vor allem technische Mängel oder Verstöße gegen Lenk- und Ruhezeiten auf. Bild: Marcus Kaufhold

Mit einer großen Kontrollaktion an der A 3 geht die Polizei gegen Auto- und Lastwagenfahrer vor, die zu wenig Abstand halten. Ein geringer Abstand ist immer wieder Ursache für schlimme Unfälle.

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          „Dahinten kommt einer“, sagt Andreas Rath und lenkt das Auto von der ersten auf die zweite Spur. Der Polizeibeamte und sein Kollege Carsten Kehr sind auf der A 66 unterwegs. Ein schwarzer Mercedes zieht an den beiden vorbei. „Aufnahme läuft“, sagt Kehr. Rath steuert das Auto hinter den Mercedes. „Wir haben eine Kamera nach vorne und eine nach hinten“, erläutert Kehr. „Zudem messen wir dauerhaft unsere eigene Geschwindigkeit.“ 143 Stundenkilometer zeigt das Display vorne im Auto an.

          Am Straßenrand steht ein Verkehrsschild: 100 Stundenkilometer sind an dieser Stelle erlaubt. Die beiden Beamten setzen sich mit ihrem Wagen vor das Auto und lotsen es zur nächsten Ausfahrt. Der 29 Jahre alte Fahrer nimmt es gelassen: „Das ist halt so, da steckt man nicht drin.“ Er habe die Beamten noch erkannt, aber zu spät abgebremst, sagt er. Etwa 120 Euro wird er dafür zahlen müssen.

          Zwei Unfälle pro Tag wegen zu wenig Abstand

          Der 29 Jahre alte Mainzer ist einer der zahlreichen Autofahrer, die die Polizei am Mittwoch bei einer großangelegten Kontrollaktion überprüft. „Das ist eine der ersten Kontrollen in dieser Größe, die wir durchführen“, sagt Einsatzleiter Thomas Karger. Zwischen 9 und 16 Uhr kontrollieren 110 Beamte Autos, Motorräder und Lastwagen. Unterstützt wird die Polizei von Zoll, Steuerfahndung, dem Bundesamt für Güterverkehr und der Kontrolleinheit Autoposer Raser Tuner (Kart). Etwa 20 Fahrzeuge sind zudem auf den Straßen rund um Frankfurt unterwegs, um Geschwindigkeiten und Abstände zu messen.

          „Letztes Jahr gab es im Autobahnnetz Frankfurt etwa 3600 Unfälle“, sagt Karger. „Etwa zwei Unfälle pro Tag passieren, weil Lastwagenfahrer zu wenig Abstand halten.“ Die Aktion sei wichtig, weil die Zahlen in den vergangenen Jahren nicht gesunken seien. „Die Kontrollen müssen aufrechterhalten werden, für die Sicherheit“, sagt Karger. Am Mittwoch stehen deshalb vor allem Abstands- und Geschwindigkeitskontrollen an.

          Dafür haben die Beamten schon früh am Morgen ein sogenanntes Verkehrskontrollsystem auf einer Brücke der A 3 Richtung Köln aufgebaut. „Dadurch können wir sowohl den Abstand als auch die Geschwindigkeit der Autos messen“, erklärt Karger das Vorgehen. Von der Brücke werden die Daten an sogenannte Schlepper übermittelt, Einsatzteams, die am Rand der Autobahn bereitstehen, um die betreffenden Fahrzeuge abzufangen und auf den Waldparkplatz am Waldstadion zu leiten. Dort werden die Fahrer und Wagen dann von Beamten kontrolliert.

          400 Euro Strafe und Fahrverbot

          Auf dem Parkplatz stehen Sportwagen vor Familienkutschen, Kleintransporter hinter Zweisitzern. Mit jedem Auto sind mindestens zwei Beamte beschäftigt, sie überprüfen Papiere, kontrollieren die Ladung oder schauen, ob etwas illegal getunt wurde.

          Eine 63 Jahre alte Autofahrerin wird von einem Schlepperfahrzeug auf den Parkplatz geleitet. Erst dort erfährt sie, dass sie zu wenig Abstand gehalten hat. „Ich weiß nicht, wo genau das gewesen sein soll“, sagt sie. „Schon ein komisches Gefühl, von der Polizei rausgezogen zu werden.“ Wer mit seinem Auto zu wenig Abstand hält, den erwartet eine Strafe von mindestens 75 Euro. Die höchste Strafe für Autofahrer liegt bei 400 Euro, zwei Punkten und drei Monaten Fahrverbot. Dafür muss der Fahrer bei mehr als 131 Stundenkilometern weniger als ein Zehntel des Tachos Abstand gehalten haben.

          Gerade bei Lastwagen ist ein geringer Abstand immer wieder Ursache für schlimme Unfälle. Deshalb steht Mathäus Kuliberda zusammen mit seinem Team auf einem weitläufigen Parkplatz bereit und wartet auf Lastwagen, die den Kollegen auf der Straße aufgefallen sind. Vor allem technische Mängel oder Verstöße gegen die Lenk- und Ruhezeiten seien häufig, sagt Kuliberda. Bisher sei dennoch alles ruhig. „Die Lastwagenfahrer haben meist viel mehr Verständnis für Kontrollen als die Autofahrer.“ Und das, obwohl eine Lastwagenkontrolle zwei bis drei Stunden dauern könne. „Nur wenn der Lastwagen astrein ist, dann schaffen wir es in 30 Minuten.“

          Eine halbe Stunde vor Schluss der Aktion haben die Polizisten rund 125 Fahrzeuge und 160 Personen kontrolliert. Drei Männer werden festgenommen, einer hat Drogen in größeren Mengen bei sich. Ein Motorrad wird sichergestellt, weil es lauter war als erlaubt. 50 Autos haben die Beamten wegen zu geringen Abstands rausgewunken. „Nicht eingehaltener Abstand ist sehr gefährlich“, sagt Carsten Kehr. „Da hat man keine Chance mehr, zu bremsen.“

          Das scheint dem Fahrer, den Kehr und sein Kollege als Nächstes kontrollieren, nicht bewusst zu sein. Der dunkle Mercedes fährt sehr dicht auf andere Autos auf. „Der Abstand zwischen zwei Mittelstreifen ist zwölf Meter“, erklärt Kehr und zeigt auf die Straße. „Der Fahrer ist deutlich dichter an dem Auto dran.“ Das Display zeigt, dass die Beamten mit rund 130 Stundenkilometern unterwegs sind – und der Mercedes ist schneller. „Ich schätze, das wird ein Bußgeld um die 200 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot“, sagt Kehr. Der Fahrer gibt sich bei der Kontrolle betont gelassen. Ein wenig zu dicht sei er schon aufgefahren. „Aber es ist doch nichts passiert.“

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