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Kontogebühren : Viele Banken im Internet verschwiegen

  • Aktualisiert am

Im Netz transparent: Taunus-Sparkasse Bild: Rüchel, Dieter

Ein Vergleich von Kontogebühren und Dispozinsen von Banken auf deren Internetseiten ist schwierig. Die Verbraucherzentrale Hessen hat Homepages getestet und oft vergeblich gesucht.

          2 Min.

          Passend zum heutigen Weltverbrauchertag sichteten die Verbraucherschützer im März den Online-Auftritt von 75 in Hessen tätigen Finanzinstituten. Das Ergebnis: Viele Banken und Sparkassen zeigen wenig Preistransparenz. So gibt mehr als jedes zweite Geldhaus nach dem Markt-Check im Internet keinen Überblick über die wichtigsten Preise, wobei sieben Prozent auf den entsprechenden Preisaushang in der Filiale verweisen. Das wesentlich ausführlichere Preis-Leistungs-Verzeichnis sucht man bei mehr als drei viertel der Banken online vergeblich. Grundsätzlich sei es schwierig, die entsprechenden Links auf den Online-Seiten zu finden, monieren die Verbraucherschützer.

          Die größeren Sparkassen und Banken in der Rhein-Main-Region verschweigen ihre Konditionen allerdings nicht. Bei der Frankfurter und der Nassauische Sparkasse, bei der Volksbank Mittelhessen, der Spardabank Hessen, der Commerzbank und der Deutschen Bank wurden die Verbraucherschützer fündig. Die Taunus-Sparkasse, die Rheingauer Volksbank, die Ing-Diba und die Postbank haben online zwar keinen einfachen Preisaushang, dafür aber ein ausführliches Leistungsverzeichnis. Bei der Frankfurter und der Wiesbadener Volksbank fanden die Tester dagegen online weder das eine noch das andere.

          Bekanntmachung im Schalterraum

          “Für uns ist der persönliche Kontakt zu unseren Kunden das A und O“, sagt ein Sprecher der Frankfurter Volksbank zur Begründung. Preisaushang und -Listen gebe es in den Geschäftsstellen. Da die Volksbank keine Produkte über das Internet verkaufe, sei sie auch nicht verpflichtet, online Preise anzuzeigen. Das stimmt. Nach der Preisangabeverordnung müssen Banken und Sparkassen Preise für die wesentlichen Leistungen im Schalterraum bekannt machen. Nur dann, wenn Filialbanken Produkte auch online anbieten, müssen sie Preise im Internet anzeigen, heißt es bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Direktbanken ohne Filialen müssen grundsätzlich online über Preise informieren.

          Ein Kritikpunkt der Verbraucherschützer: Auf den einfachen Preisangaben finden sich online meistens Zinsangaben für Dispokredite sowie Kosten für Bank- und Kreditkarten. Kosten für die Kontoführung fehlen jedoch häufig. Wenn überhaupt, würden nur die Kosten für ein Kontomodell veröffentlicht. Ein Preisvergleich vom heimischen Bildschirm aus sei so nicht möglich, kritisiert Jutta Gelbrich, Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen. Sie fordert strengere Vorgaben. Banken hätten ein Interesse daran, dass Verbraucher auf Online-Banking umstellten. „Die Preisangabenverordnung hängt dem Online-Zeitalter weit hinterher.“

          Regelmäßig kritisieren Verbraucherschützer, Bankkunden würden für das Abheben von Bargeld, die Auslandsüberweisung oder die Kontoführung mit hohen Gebühren zur Kasse gebeten . Wie viel eine Bank für welche Leistung verlangen darf, ist gesetzlich nicht geregelt. Doch sind bestimmte Entgelte unzulässig.

          „Mehr Verbraucherschutz nötig“

          So darf eine Bank etwa für die Bareinzahlung und -abhebung am Schalter keine Sondergebühr erheben, wenn es um das eigene Konto geht. Nur bei Einzahlungen auf ein fremdes Konto darf die Bank extra kassieren. Für Konten mit Grundpreis und Gebühren für Buchungsvorgänge gilt: Fünf Vorgänge im Monat muss die Bank unentgeltlich anbieten. Vergibt die Bank ein Darlehen und eröffnet dazu ein eigenes Konto, darf sie dafür nach der aktuellen Rechtsprechung kein Entgelt verlangen, um dieses Konto zu führen. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz gibt dazu im Internet unter www.verbraucherzentrale-rlp.de einen guten Überblick.

          Hessens Verbraucherschutzministerin Luisa Puttrich (CDU) fordert ebenfalls einen besseren Verbraucherschutz bei Finanzfragen und kündigte dazu Gespräche mit Vertretern der Finanzbranche an.

          Wer Fragen zu Bankgebühren hat, kann sich am heutigen Weltverbrauchertag in der Zeit von 10 bis 18 Uhr unter der Nummer 0 18 05/97 20 11 bei der Verbraucherzentrale Hessen informieren. (hoff.)

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