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Catering während Corona : „Feste mit zehn Gästen“

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Konstantina Dagianta: Die Geschäftsführerin der Kofler & Kompanie GmbH über ihre Arbeit beim Gastronomen Kofler und dessen Insolvenz. Bild: Maximilian von Lachner

Konstantina Dagianta hat in einem Catering-Unternehmen aus Frankfurt den Absturz im Lockdown erlebt. Jetzt sehe sie Licht, sagt sie.

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          Wie fühlt sich Konstantina Dagianta heute auf einer Skala von null bis zehn? Sie denkt einen Moment nach und sagt: „Acht.“ In der Krise, die das Gastgewerbe in besonderem Maße getroffen hat und die noch lange nicht überwunden ist, sagt die geschäftsführende Gesellschafterin des Catering-Unternehmens Kofler & Kompanie aus Frankfurt, sie glaube fest an sich. Und an die Zukunft der Firma, die nach dem Wegfall mehrerer Großaufträge vor allem aus der Autoindustrie im vergangenen Jahr Insolvenz anmeldete.

          Dagianta, bis zu diesem Zeitpunkt Restaurantchefin im Lokal „Opéra“ in Frankfurt, stieg 2016 bei Kofler & Kompanie ein. Sie wurde zuständig für das Deutschlandgeschäft in dem Unternehmen des aus Bad Homburg stammenden Klaus Peter Kofler, der davor zuletzt das Catering für die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien verantwortet hatte. Die Zeit seither habe sie als Achterbahn der Gefühle erlebt, sagt Dagianta. Es ging bergauf und bergab, ob die weitere Fahrt gemächlich, vielleicht sogar steil nach oben oder rasant nach unten führt, lässt sich noch nicht sagen.

          Dabei hatte das Jahr 2020 so gut begonnen. Die Planinsolvenz in Eigenverwaltung war abgeschlossen. Es hätten sich zwei erfolgreiche Quartale abgezeichnet, sagt Konstantina Dagianta - woraufhin sie voll ins Risiko ging und sich mit eigenem Geld am Unternehmen beteiligte. Am 1. Februar gab der Caterer seine neue Struktur bekannt. Im März kam Corona. Und in der Zeit des Lockdowns, als alle Aufträge storniert wurden, gingen die 80 fest angestellten Mitarbeiter in Kurzarbeit, die Kosten wurden radikal reduziert.

          Zurück zu den Anfängen

          Momentan, ganz allmählich, steige die Kurve wieder an, sagt Dagianta. Es seien die privaten Veranstalter, die vorsichtig wieder Menschen um sich versammelten, zu Gartenpartys oder im häuslichen Umfeld, mit Abstand: „Ich kehre zurück zu den Anfängen vor 20 Jahren. Kleine Events zwischen zehn und 50 Gästen – das geht wieder.“

          Viele Jahre lang war Dagianta immer nur auf der Überholspur. Der komplette Stillstand hat sie nachdenklich gemacht: „Ich bin demütig geworden.“ Sie hat aus der Nähe mitbekommen, wie viele Menschen durch den Ausfall von Gehältern und Honoraren litten und weiter leiden, nicht nur die eigenen Mitarbeiter, sondern auch die Veranstaltungsagenturen, die Floristen, die Möbel- und Zeltverleiher, die Fotografen und die Techniker, die für die Tonübertragung sorgen. Hat sie sich einen Coach genommen, um die Krise innerlich zu bewältigen? „Ach nein, ich habe nur auf meine innere Stimme gehört. Nichts passiert ohne Grund, deshalb habe ich die Zeit genutzt, um nachzudenken, zu malen und Gedichte zu schreiben.“

          Die Liebe zur Gastronomie

          Dagianta, in Frankfurt geborene Tochter griechischer Eltern, ist ein berufliches Ziehkind des legendären Gerd Käfer. Sie war Studentin, als sie im Wiesbadener Kurhaus nebenher kellnerte. Der begnadete Koch, Gastronom, Unternehmer und Selbstdarsteller Käfer entdeckte ihr Talent, ihre Einsatzfreude, auch ihr diplomatisches Geschick und trug ihr die Leitung des Restaurants „Opéra“ in der Alten Oper in Frankfurt an.

          Auf Gerd Käfer, der sie, wenn er in München war, mit Anrufen bombardierte, die jede andere genervt hätten, lässt sie bis heute nichts kommen. Von ihm habe sie die Liebe zur Gastronomie gelernt, von ihm die Devise „gut ist nicht genug“ übernommen. In der Rolle der „Opéra“-Chefin war Dagianta stadtbekannt. Immer präsent, immer freundlich, fand sie in die Rolle einer Gastgeberin in einem der zentralen Restaurants Frankfurts, das damals immer auch ein bisschen Showroom war. Sie kannte jeden zweiten Gast beim Namen, und es wurde erzählt, dass sie Porträts von Gästen hinter den Kulissen als Dias an die Wand werfen ließ, damit auch das Personal die Namen lernte.

          Gehobene Gesellschaft

          Wie bei jeder guten Gastgeberin sind bei Dagianta Leichtigkeit und Gelassenheit durch harte Arbeit unterlegt. Dass die Restaurantchefin auch zuverlässig für gutes Essen außer Haus sorgte oder das, was in der blumigen Sprache dieser Branche in Boomzeiten „hochwertiges Event-Catering“ genannt wurde, sprach sich schnell herum. So kam es, dass auf vielen geschäftlichen und privaten Feiern in Frankfurt und der Region Dagianta die kulinarisch-organisatorischen Fäden zog, sei es bei der Operngala, in der großzügigen Dachwohnung im Westend, auf der ehemaligen Galopprennbahn in Niederrad oder im edlen Riesenzelt, das jemand für den engsten Kreis der 800 Gäste einer Geburtstagsfeier im heimischen Park aufstellen ließ.

          Als 2015 die englische Königin zum Bankett mit 100 handverlesenen Mitessern im Kaisersaal des Frankfurter Römer geladen war, durfte Dagianta gemeinsam mit dem Protokollchef des Landes Hessen, Dieter Beine, die Menüfolge festlegen und so wichtige Fragen klären wie die, ob auf silbernen Tabletts serviert werden sollte.

          „Ich verkaufe Emotionen“

          Den künftigen Erfolg suchten Kofler & Kompanie nicht nur im gehobenen Genre, sagt Dagianta. Wenn durch die Corona-Krise für viele Leute die Einkommen sänken, wolle sich auch das Unternehmen auf geänderte Lebensumstände einstellen und plane deshalb die Zusammenarbeit mit einem Caterer für das niedrigere Preissegment. Zur neuen Geschäftsführung gehören neben Dagianta der Catering-Unternehmer Frank Schwarz aus Duisburg und Branislav Cucic, der langjährige „Executive Headchef“ bei Kofler, früher hätte man „Chefkoch“ gesagt.

          Neben dem Geschäftlichen und dem Kulinarischen ist Dagianta weiter vor allem für das Menschliche zuständig: „Ich verkaufe Emotionen. Und die Resonanz meiner Gäste ist für mich wie Adrenalin.“ Wenn jemand aus ihrem großen Netzwerk an Kunden und Freunden sie derzeit fragt, was man für sie tun könne, hat sie eine einfache Antwort: „Feiert.“

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