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Mögliche Missstände : Frankfurter Psychiatrie zieht Konsequenzen nach TV-Bericht

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Krisengespräch: Erste Maßnahmen in der Frankfurter Psychiatrie sollen zu einer baldigen Besserung führen. Bild: Lukas Kreibig

Der TV-Sender RTL hat angebliche Missstände in einer Frankfurter Psychiatrie aufgedeckt. Nun soll unter anderem ein externer Gutachter die Verbesserung der Zustände überwachen. Es gibt allerdings auch Kritik an der Arbeit der Reporter.

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          Aus den bekanntgewordenen Missständen in der Psychiatrie im Klinikum Frankfurt-Höchst ziehen das Land Hessen, die Stadt Frankfurt am Main und das Klinikum selbst erste Konsequenzen. Das gaben der hessische Sozialminister Kai Klose (Grüne) und die anderen Beteiligten am Donnerstag nach einem Krisengespräch in Wiesbaden bekannt.

          Unter anderem benannten sie einen externen Gutachter, der alle Maßnahmen zur Verbesserung der Situation in der geschlossenen Psychiatrie des Klinikums überwachen soll. In dem Gespräch Kloses mit dem Frankfurter Gesundheitsdezernenten Stefan Majer (Grüne) und der Geschäftsführerin des Klinikums, Dorothea Dreizehnter, wurden eine vorbehaltlose Aufklärung und eine verstärkte Überwachung der Abläufe in der Psychiatrie vereinbart.

          Reportage von „Team Wallraff“

          Eine verdeckt arbeitende Reporterin der RTL-Sendung „Team Wallraff“ hatte am 18. März über Patienten berichtet, die ans Bett gefesselt sind, sowie über Pflegepersonal und Ärzte, die sich kaum um die Patienten kümmern. Danach berichteten ehemalige Patienten in mehreren Medien von überfüllten Räumen in der geschlossenen Psychiatrie sowie teilweise nackt und eingekotet auf dem Boden liegenden Patienten. Die Hessenschau berichtete von Hunderten von Zuschriften, die viele der vom „Team Wallraff“ gezeigten Missstände bestätigten.

          Klose, der das Sozialministerium erst vor wenigen Wochen übernommen hat, sagte, seinem Haus hätten keine entsprechenden Beschwerden vorgelegen. Er habe aber nach Bekanntwerden der Vorwürfe eine Fachkommission nach Höchst entsandt und werde die Bildung weiterer solcher Kommissionen für Psychiatrien in Hessen jetzt forcieren. Da deren personelle Besetzung schwierig sei, sollten sie künftig auch tätig werden können, wenn erst vier der jeweils sieben Mitglieder benannt worden sind.

          Klose, Majer und Dreizehnter zeigten sich allesamt sehr betroffen über die Fernsehbilder aus der geschlossenen Station. Richterlich angeordnete Unterbringungen, Zwangsbehandlungen und Fixierungen ans Krankenbett dürften immer nur die Ultima Ratio sein. Dabei müssten zudem die geltenden Regeln eingehalten werden, sagte der Minister.

          Räumliche Unzulänglichkeiten

          Majer und Dreizehnter wiesen auf räumliche Unzulänglichkeiten des Gebäudes aus den 1970er Jahren hin, das nicht den Anforderungen einer modernen Psychiatrie entspreche. Der geplante Neubau an der Stelle des jetzigen Hochhauses könne aber erst nach dem Umzug und Abriss des letzteren im Jahr 2023/24 erfolgen. Als Sofortmaßnahme soll aber eine ebenfalls im Gebäude der psychiatrischen Klinik untergebrachte geriatrische Abteilung ins Haupthaus umziehen, so dass mehr Platz für die psychiatrischen Stationen entsteht. Dreizehnter wies auf die hohe Belastung des Personals gerade in der geschlossenen Abteilung hin, die Stellen seien aber zu 98 Prozent besetzt.

          Der als externer Gutachter benannte Arzt Hans-Joachim Kirschenbauer hat die Psychiatrie-Abteilung im Frankfurter Stadtgesundheitsamt aufgebaut und Anfang der 1990er Jahre auch selbst einmal im Höchster Klinikum gearbeitet. Er habe angekündigt, „den Finger in jede Wunde zu legen, die ihm bekannt wird“, hieß es auf der Pressekonferenz. Klose kündigte an, bis auf weiteres werde es regelmäßige fachaufsichtliche Gespräche mit dem Klinikum Höchst unter Beteiligung der Stadt Frankfurt geben. Auch würden alle Protokolle der Fixierung von Patienten im vergangenen Jahr angefordert, um sie gründlich zu prüfen und auszuwerten. Majer versprach zudem einen Dialog mit Psychiatrieerfahrenen, Angehörigen, Mitarbeitern des Klinikums und Fachkreisen.

          Dass die Fachaufsicht des Ministeriums nicht von sich aus in Höchst tätig wurde, führte Klose darauf zurück, dass sie dies nur bei entsprechenden Beschwerden tue. Hessenweit habe es seit August 2017 nur drei derartige Beschwerden gegeben, denen allen umfänglich nachgegangen worden sei. Majer mahnte Transparenz und auch eine „Fehlerkultur“ an, um derartige Missstände künftig auszuschließen. Dreizehnter kritisierte erneut, dass die Darstellungen in dem Fernsehbericht aus dem Zusammenhang gerissen seien und mahnte Respekt für die Mitarbeiter an. Sie versicherte aber, jeder Vorwurf werde ernst genommen.

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