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Konsequenzen für Arbeitsplatz : Was tun mit Diabetikern?

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Alles für die Bestimmung des Blutzuckers: ein Blutzuckermessgerät, eine Stechhilfe und eine Packung mit Teststreifen. Bild: dpa

Zuckerkranke können manche schwere Arbeiten nicht mehr machen. Wie der Arbeitgeber den Erkrankten helfen kann, und wie die Politik, haben nun Experten diskutiert.

          Viele Arbeiten am Frankfurter Flughafen können ganz schön auf den Körper gehen. Schichtarbeit und das Hantieren mit schwerem Gerät gehören für viele dort zum Tagesgeschäft. Annette Drozd ist Betriebsärztin von Fraport und weiß: „Mit Diabetes können einige dieser Tätigkeiten nicht mehr durchgeführt werden.“ Stelle sich heraus, dass ein Patient an so einer schweren Krankheit leide, müsse für ihn eine neue Aufgabe gefunden werden, die weniger anstrengend sei, sagte Drozd anlässlich einer Veranstaltung zum besseren Umgang mit Diabetes am Arbeitsplatz.

          Dabei diskutierten Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Medizin in Räumen des Frankfurter Flughafens. Organisiert hatte das Dialogforum die Initiative Diabetes-Work, die unter anderem von dem Pharmaunternehmen Lilly aus Bad Homburg gegründet wurde. In verschiedenen Bundesländern sollen solche Gesprächsrunden stattfinden. Bis 2016 will die Initiative dem Bundestag ein Konzept vorlegen können.

          „Deutsche werden immer früher dick“

          Fraport-Ärztin Drozd beklagte vor allem, dass sie von vielen Hausärzten nur einen Attest bekommen, auf dem stehe, dass der Patient nicht mehr körperlich arbeiten dürfe. Damit könne sie nur wenig anfangen. Drozd benötigt genauere Informationen, welche Arbeiten der Betroffene noch übernehmen könnte und wünscht sich deshalb eine bessere Zusammenarbeit zwischen Haus- und Betriebsärzten. Doch auch die Politik müsse sich mehr mit dem Thema befassen und eine bessere Präventionsarbeit organisieren, so dass mehr Leute auf ihre Ernährung achten würden, um Diabetes vorzubeugen.

          Das Thema ist dringlich und dürfte auch für immer mehr Arbeitgeber relevant werden. Denn die Fallzahlen steigen seit Jahren. Und im späten Verlauf der Krankheit drohen Herzinfarkt, Organversagen und Blindheit, wie Klaus Ehlenz darlegte. Er ist Arzt und Vorsitzender der Diabetologen Hessen. Allein 500.000 Erkrankte gebe es in Hessen. 1990 seien etwa fünf Prozent der Deutschen Diabetiker gewesen. Aktuell liege ihr Anteil schon bei zehn Prozent. „Geht dieser Trend so weiter, sind wir 2050 vielleicht schon bei 30 Prozent.“ Das liege vor allem daran, dass immer mehr Deutsche immer früher dick würden. „Da sind wir mit den Amerikanern weit vorne dabei.“ Zu viel Körpergewicht gilt neben der Vererbbarkeit als Hauptauslöser.

          Anfang bei Lebensmittelindustrie

          Dass eine Krankheitswelle auf Deutschland zukomme, sei lange in der Politik bekannt, sagte der Landtagsabgeordneter Thomas Spieß (SPD). Schon 2005 habe es den ersten Entwurf eines nationalen Präventionsgesetzes gegeben. Da jedoch in dem Jahr Bundestagswahlen stattfanden, sei es zunächst in den Mülleimer gewandert.

          „Das ist ein Skandal“, fand Volker Weber, Landesbezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie für Hessen und Thüringen. Mit solch einer Arbeitsweise komme man nicht weiter. Die Politik müsse mit ihren Regelungen schon bei der Lebensmittelindustrie anfangen. Auch Bundestagsabgeordnete Katja Leikert (CDU), sieht das Problem vor allem darin, dass das Gesundheitssystem bisher vor allem auf die Behandlung und weniger auf die Prävention ziele. Von einer Lebensmittelampel, die etwa den Fettgehalt von Nahrungsmitteln für den Verbraucher sichtbar macht, hält sie aber nichts. Dass Chips dick machen würden, sei auch ohne Ampel allen klar.

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