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Konjunkturprognose : Kammern rechnen mit zwei Prozent Wachstum

  • -Aktualisiert am

Besonders in der Metropolregion: Im nächsten Jahr erwarte man für das Gebiet Frankfurt/Rhein-Main sogar zwei Prozent Wachstum. Bild: Röth, Frank

Die Binnenkonjunktur zieht an, und den europäischen Krisenländern geht es besser – davon profitiert vor allem die Region Frankfurt/Rhein-Main. Laut IHK-Analyse steht der Ballungsraum besser da als der Rest des Landes.

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          Wirtschaftlich gesehen, hat sich die Region Frankfurt/Rhein-Main in diesem Jahr besser entwickelt als das Land Hessen und auch als der Bund. Für das Gesamtjahr rechnet das IHK-Forum, dem zehn Kammern zwischen Fulda und Worms angehören, mit einem Wachstum von 0,8 Prozent im Ballungsraum. Zum Vergleich: Bundesweit werden 0,4 Prozent veranschlagt. Im nächsten Jahr erwarte man sogar zwei Prozent Wachstum, sagte gestern Mathias Müller, Präsident der IHK Frankfurt, als er die aktuelle Beschäftigungs- und Konjunkturprognose für die Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main vorstellte.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Die Stimmung unter den knapp 7500 Unternehmen, die für die Prognose befragt wurden, sei weiterhin gut und werde vor allem durch die positive Entwicklung im Inland getragen. Die steigende Binnenkonjunktur sei der Motor der dynamischen Wirtschaftsentwicklung. Erfreulich sei aber auch, dass es den Krisenländern in Europa langsam besser gehe und sie nun wieder verstärkt deutsche Produkte importierten.

          Dienstleistungsbranche wächst vor allem

          Davon profitiert auch der hiesige Arbeitsmarkt. Nach den Hochrechungen des IHK-Forums werden bis zum Ende des Jahres 17000 neue Stellen geschaffen. Damit wären 2,137 Millionen Menschen in der Region sozialversicherungspflichtig beschäftigt – ein neuer Rekord. 2014 sollen laut Prognose noch einmal 23000 neue Jobs dazukommen. Auf dem Arbeitsmarkt sei die Krise von 2008 endgültig überwunden.

          Der Großteil der Unternehmen blicke optimistisch in die Zukunft, die Zahl der Pessimisten sinkt laut Müller deutlich. Das sei in allen vier Sektoren so, die man für die Analyse betrachtet habe. Für mehr Beschäftigung sorgt demnach vor allem die Dienstleistungsbranche, mit 17000 zusätzlichen Jobs in diesem und 21000 im nächsten Jahr. Im Baugewerbe spürten die Unternehmen zunehmend den Mangel an Fachkräften, besonders Bauingenieure seien sehr begehrt. Auch deswegen falle der Stellenzuwachs in diesem und im nächsten Jahr, jeweils 1000 neue Jobs, moderat aus.

          Entlassungen wegen steigender Löhne

          Nur knapp darüber liege der Handel mit 1000 beziehungsweise 2000 neuen Stellen – obwohl einige Großhändler schon „mehr als optimistisch“ in die Zukunft schauten, wie es hieß. Der Einzelhandel erwarte zudem ein gutes Weihnachtsgeschäft.

          Allein die Industrie schwächele, sagte Gunther Quidde, Geschäftsführer des Forums und Hauptgeschäftsführer der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern. 2013 würden in diesem Sektor 2000, im nächsten Jahr 1000 Stellen gestrichen. „Dabei ist die Stimmung bei den Industrieunternehmen sehr gut, die Auftragsbücher sind voll“, sagte Quidde. Mitarbeiter würden trotzdem entlassen, weil zum einen die Löhne stiegen und zum anderen viele Firmen wegen der sehr niedrigen Zinsen in neue Maschinen investierten und vermehrt menschliche Arbeit durch Technik ersetzten. „Langsam ist die Obergrenze der industriellen Beschäftigung offenbar erreicht.“

          Mindestlohn gefährde Stellen in der Region

          Zwei Faktoren konnte das IHK-Forum in seine Analyse noch nicht mit einbeziehen: die Koalitionsverhandlungen im Bund und die im Land. Die Daten wurden alle vor der Bundes- und Landtagswahl im September erhoben. Je nachdem, was die Koalitionäre nun vereinbarten, gerieten die guten Aussichten in Gefahr, sagte Frankfurts IHK-Präsident Müller.

          So könnte ein Mindestlohn von 8,50 Euro, wie er derzeit diskutiert wird, dazu führen, dass Arbeitsplätze in einigen Branchen abgebaut oder erst gar nicht aufgebaut würden. Auch sei es falsch, flexible Beschäftigungsmöglichkeiten einzuschränken. Das Bundesfinanzministerium hatte unlängst ausgerechnet, dass bis zu 1,8 Millionen Beschäftigungsverhältnisse auf dem Spiel stehen, wenn es zum Mindestlohn und den rentenpolitischen Vorhaben von Union und SPD komme. Auf die Region Frankfurt/Rhein-Main entfielen davon laut Schätzung der IHK zirka 100000 Stellen, die gefährdet seien.

          Die derzeit in den Koalitionsgesprächen verhandelte Energiewende sei ein anderer Unsicherheitsfaktor für die Unternehmen. Die Umfrage unter ihnen habe ergeben, dass sie den Ausbau regenerativer Energien durchaus unterstützten, sich aber eine praxistaugliche Gestaltung wünschten.

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