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Konflikte im Straßenverkehr : Radler gegen Fußgänger

  • -Aktualisiert am

Engpass: Auf der Niddabrücke im Brentanopark gibt es oft Zusammenstöße. Bild: Dieter Rüchel

An der Nidda und am Main teilen sich Fahrradfahrer und Spaziergänger die Wege. Hier wie auch anderswo kommt es regelmäßig zu Konflikten.

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          Dieser Pfingstsonntag hat sich traumatisch in Monika Wintersteins Gedächtnis eingeprägt. Denn an diesem Tag ist ihr Beagle Lola angefahren worden. Von einem Radfahrer. Und zwar rücksichtslos, wie Winterstein berichtet. Der Radler habe sich nicht einmal umgedreht, geschweige denn, sich entschuldigt. Er sei einfach weitergefahren, berichtet die Frau aus Frankfurt-Rödelheim, die noch immer voller Empörung ist.

          Der Unfall geschah auf dem Uferweg der Nidda im Brentanopark in Rödelheim, und zwar auf der Brücke, die die Nidda überspannt. Dort hatten sich nach Schilderung Wintersteins wie oft an Sonntagen an beiden Brückengeländern Fußgänger angesammelt, die den Bisamratten im Wasser zuschauten. Mitten durch diese Menschenansammlung sei in vollem Tempo ein Radler gerast und habe dabei ihre Hündin erwischt. Das Tier sei mehrere Meter weit mitgeschleift worden. Den Radfahrer habe das nicht weiter gestört, er habe weiter in seine Pedale getreten und sei in Richtung Höchst entschwunden. Gottlob sei Lola nicht schwer verletzt worden, sagt ihre Besitzerin. Doch das Tier sei bis heute durcheinander.

          „Regelrechter Krieg an Wochenenden“

          Beim Ortstermin im Brentanopark stellt sich heraus, dass Winterstein nicht die einzige Leidtragende ist. Dort an der Nidda scheint es öfter zu Konflikten zwischen Radlern und Fußgängern zu kommen. „Wir werden hier weggemobbt“, klagt ein Mann, der just an besagter Brücke an diesem Morgen seinen Hund ausführt. Die Radfahrer nähmen keinerlei Rücksicht auf die Fußgänger: „Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer.“ Eine Frau erzählt von einer Nachbarin, deren Hund grundlos von einem Radler getreten worden sei. Das Tier habe einen Knochenbruch erlitten. „Es herrscht an den Wochenenden ein regelrechter Krieg“, klagt Winterstein. Die Radfahrer führen nach der Devise: „Platz da, wir kommen.“

          In der Tat treffen gerade an Wochenenden an der Nidda Radfahrer und Fußgänger in großer Zahl aufeinander. Die Uferwege beidseits des Flusses werden nicht nur von Freizeitradlern gerne genutzt, sie sind für „Berufsradler“, für die ihr Zweirad das Haupt-Fortbewegungsmittel ist, eine wichtige Verbindung zwischen Höchst, Rödelheim und Eschersheim. Gleichzeitig gehen viele Anwohner gerne an der Nidda spazieren, nicht zuletzt im Brentano- und Solmspark in Rödelheim.

          Hundehalter für Radler gefährlich

          „Wir wissen, dass es gerade an der Nidda immer wieder Konflikte gibt“, sagt Bertram Giebeler, der hiesige verkehrspolitische Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Bei den Uferwegen handele es sich um vielbefahrene Radwege. Doch es seien Wege, die Radfahrer und Fußgänger gemeinsam gehörten. Man ärgere sich beim ADFC auch über Radfahrer, die einfach „durchbretterten“, sagt Giebeler: „Alle haben Rücksicht zu nehmen.“ Der Sprecher des Fahrrad-Clubs kann sich vorstellen, dass die Stadt an besonders heiklen Stellen Schilder aufstellt, die zur Rücksicht mahnen.

          Giebeler vergisst aber nicht, darauf hinzuweisen, dass auch Hundehalter für Radler gefährlich sind, vor allem wenn sie flexible Auslaufleinen benutzen. Und Fußgänger, die im Gehen Ohrstöpsel trügen, auf ihr Handy schauten und ihre Umgebung nicht mehr wahrnähmen, trügen ihren Teil zur Unsicherheit bei.

          Hundebesitzerin Winterstein fordert von den Behörden mehr als nur Appelle: An Samstag- und Sonntagnachmittagen sollen in der Radsaison zwei Polizisten auf Rädern an der Nidda unterwegs sein. Und die engen Brücken sollen so abgepollert werden, dass die Radfahrer zum Absteigen gezwungen seien. Auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung an besonders belebten Stellen kann sich Winterstein vorstellen.

          Appelle ja, Verbote nein

          Die Wege an der Nidda sind nicht die einzigen, auf denen sich besonders viele Radler und Fußgänger in die Quere kommen. Auch an den Mainufern herrscht gerade an den Wochenenden ein reges Treiben: Spaziergänger, Rollschuhfahrer, Jogger und Fußgänger müssen sich die Wege teilen. Wenn alle aufeinander Rücksicht nähmen, gäbe es den ganzen Ärger nicht, sagt Ulrich Schöttler, der Leiter des Frankfurter Straßenverkehrsamtes. Leider sei das nicht immer der Fall.

          Das Grundproblem liegt Schöttler zufolge darin, dass die Radfahrer immer schneller seien als die Fußgänger. Bei einem Zwei-Richtungs-Verkehr, wie er an der Nidda und am Main auf den Uferwegen möglich sei, kämen aus der Perspektive der Fußgänger Radler auch von hinten. Und das oft lautlos, weil nicht geklingelt werde. Dabei erschreckten sich viele Fußgänger. Seine Behörde könne nur an das Verantwortungsbewusstsein aller Verkehrsteilnehmer appellieren, sagt Schöttler. Sie könne aber nicht eine Verkehrsart verbieten.

          Am Frankfurter Mainufer zumindest gibt es für Schnellradler auf der Sachsenhäuser Seite einen Ersatz für den Uferweg. Dort verläuft auf dem Hochkai ein Radweg, der allerdings noch eine kleine Lücke hat. Sie endlich zu schließen ist eine Aufgabe, die der Mühe der Behörde wert wäre.

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