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Kompetenzzentrum in Frankfurt : Millionen für Künstliche Intelligenz

Pionier: Unternehmen wie Arago mit ihrem Chef Chris Boos (Mitte) sollen in Frankfurt in die Strategie für Künstliche Intelligenz eingebunden werden. Bild: Helmut Fricke

Der Finanzplatz Frankfurt soll seine Daten besser nutzen. Deswegen wurde nun ein Kompetenzzentrum für Künstliche Intelligenz gegründet. Unternehmen sollen in die Strategie für Künstliche Intelligenz eingebunden werden.

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          Nein, für Technologien zu Künstlicher Intelligenz sind Frankfurt und Rhein-Main nicht gerade berühmt. Das Image der Wirtschaftsregion ist vor allem von den Banken, vom Flughafen, von der Logistik und vielleicht noch von der Pharmabranche geprägt. Doch das soll sich ändern. In der Finanzmetropole soll ein Kompetenzzentrum für Künstliche Intelligenz (KI) aufgebaut werden. Gestern stellte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) das Projekt vor, und es soll schnell gehen. „China, die Vereinigten Staaten und zum Teil auch Großbritannien und Russland sind uns in Sachen KI schon voraus, diesen Vorsprung müssen wir mindestens aufholen“, sagte Al-Wazir.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Frankfurt will sich damit in den Windschatten der von der Bundesregierung ausgegeben Strategie für Künstliche Intelligenz hängen und sich national, aber auch international als führender Standort in diesem Bereich positionieren. „Wir werden einen KI-Hub in Frankfurt aufbauen, der Technologieunternehmen, Hochschulen und öffentliche Institutionen zusammenbringen und als Sprungbrett dienen soll, um neue Produkte und Dienstleistungen in die kommerzielle Anwendung zu bringen“, sagte Al-Wazir bei der Vorstellung des neuen Kompetenzzentrums im Frankfurter Technologiezentrum Tech Quartier. Grundlage der Strategie ist eine vom hessischen Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie des auf neue digitale Technologien spezialisierten Beratungsunternehmens Accenture.

          Kompetenzen, Personen und Unternehmen zusammenbringen

          Dass die Initiative ausgerechnet im Tech Quartier vorgestellt wurde, ist kein Zufall. Das vor gut zwei Jahren ins Leben gerufene Zentrum für Technologie-Start-ups hat sich als Plattform bewährt, das selbst keine neuen Produkte oder Dienstleistungen entwickelt, sondern vorhandene Kompetenzen, Personen und Unternehmen zusammenbringt. Nach diesem Vorbild soll auch das neue Zentrum zur Förderung Künstlicher Intelligenz funktionieren. Dabei sollen zunächst Kapazitäten des Tech Quartiers genutzt und erste Projekte angestoßen werden. Künftig hofft Al-Wazir, für die Idee Gelder aus Bundesmitteln, aber auch von Sponsoren und Partnern aus der Wirtschaft einwerben zu können. Auch das Land Hessen investiere, so Al-Wazir. „Wir wollen uns jetzt schnell auf den Weg machen und hoffen, dass sich nach und nach weitere Partner anschließen werden.“

          Frankfurt sei der richtige Ort, um Künstliche Intelligenz als eines der zentralen Zukunftsthemen voranzutreiben, sagte der Minister. Gerade die hier ansässige Finanzbranche verfüge über eine Vielzahl an Daten. „Wir sind überzeugt, dass sich aus Daten noch mehr Wert schaffen lässt, auch und gerade in der Finanzbranche“, sagte Frank Riemensperger, Deutschland-Chef von Accenture.

          Unternehmen und Wissenschaftler sollen an einem Strang ziehen

          In vielen Gesprächen mit Unternehmen aus der Region im Rahmen der Studie sei klargeworden, dass Unternehmen und Wissenschaftler künftig an einem Strang ziehen müssten, um das in Deutschland schon vorhandene Forschungswissen besser in digitale Geschäftsmodelle zu übertragen und Talente im Land zu halten. „In der Forschung zu Künstlicher Intelligenz sind wir international führend, bei der Nutzung der Daten jedoch hinken wir hinterher“, sagte Riemensperger. Das Kompetenzzentrum in Frankfurt solle dieser Entwicklung entgegenwirken, indem Entwickler, Forscher und Studenten zum Beispiel an konkreten Aufgaben aus der Industrie auf dem Feld von Künstlicher Intelligenz arbeiten.

          Die Region sei schon heute Heimat einer großen Zahl von Hochschulen und Unternehmen, die über große Datenmengen verfügten, sagte der Ko-Direktor des Tech Quartiers, Thomas Funke, und nannte beispielhaft neben Banken die Deutsche Börse sowie Unternehmen wie die Schufa in Wiesbaden. Zudem gebe es bereits exzellente Unternehmen und Forschungseinrichtungen wie das vom deutschen KI-Pionier gegründete und geführte Unternehmen Arago aus Frankfurt oder das Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie in Darmstadt.

          Kein Selbstzweck

          Riemensperger ist nach den Gesprächen mit den Konzernen in Frankfurt und Umgebung überzeugt, dass in den nächsten Jahren „Hunderte von Millionen Euro“ aus diesen Firmen in Künstliche Intelligenz fließen werden. Accenture selbst werde an seinem Standort in Kronberg demnächst hundert Experten für diesen Bereich einstellen, sagte er.

          Al-Wazir nannte die Regulatorik als Beispiel, was Künstliche Intelligenz künftig in der Finanzbranche bewirken könne. „Wir könnten KI benutzen, um Fehlentwicklungen bei Banken, wie sie etwa vor gut zehn Jahren zum Ausbruch der Finanzkrise geführt haben, früher und mit weniger Aufwand als bisher zu erkennen.“ Ein anderer Anwendungsfall könnte in Mittelstandsbanken liegen, so der Minister. Dort würde viel Energie aufgewendet, um Kredite abzusichern; das könne man mit Hilfe Künstlicher Intelligenz automatisieren.

          Neben der Finanzbranche sollen auch andere Branchen profitieren, zum Beispiel die Pharma- und die Logistikbranche. Nur mit einer Vermutung wollte Al-Wazir gleich zu Beginn aufräumen: Künstliche Intelligenz sei kein Selbstzweck. „Mit Raumschiff Enterprise hat das Ganze nichts zu tun.“

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