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Teure Instandhaltung : Kommunen bitten Land um Hilfe gegen Schwimmbäder-Sterben

Frisch saniert: Das Lindenau Hallenbad in Hanau Bild: Tom Wesse

Das Land Hessen stuft Hallenbäder als freiwillige Leistung von Kommunen ein, die wegfallen kann. Dabei ist der Schwimmunterricht heute wichtiger denn je. Der Main-Kinzig-Kreis fordert eine Systemänderung.

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          Die Maintaler nehmen gerade viel Geld in die Hand für ein zeitgemäßes Schwimmbad mit Außen- und Innenbecken. Fast 40 Millionen Euro soll das neue Maintalbad kosten, das aber kein Spaßbad werden, sondern Bürgern, Vereinen und vor allem Schulen eine attraktive Schwimmgelegenheit bieten soll. Auch die Hanauer lassen sich ihre beiden Schwimmbäder einiges kosten. Gerade ist das für acht Millionen Euro erneuerte Lindenaubad im Stadtteil Großauheim wiedereröffnet worden, umfangreiche Sanierungsarbeiten sollen sich im innerstädtischen Heinrich-Fischer-Bad anschließen. Jedes Jahr fallen zudem gut drei Millionen Euro als Defizitausgleich für die beiden Bäder an, ein Betrag, der sich trotz aller Sparbemühungen nicht spürbar verringert hat. Doch an dem Erhalt der Bäder soll festgehalten werden.

          Luise Glaser-Lotz
          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          In anderen Kommunen des Main-Kinzig-Kreises ist das nicht sicher. Hier stellt sich oft die Frage, ob man sich ein Schwimmbad in Krisenzeiten noch leisten kann oder will. So droht derzeit in Erlensee die Schließung des kommunalen Bades. Rund 1,5 Millionen Euro beträgt der Zuschussbedarf, außerdem stehen teure Sanierungsarbeiten an. Deshalb hat sich der Magistrat für die Schließung ausgesprochen, jetzt müssen die Stadtverordneten darüber entscheiden. Andere Kommunen wie Nidderau oder Freigericht könnten angesichts der steigenden Energiekosten dem Beispiel folgen. Insgesamt betreiben im Kreis 14 Kommunen ein Hallenbad.

          Schulsport und -schwimmen unterstützen

          Der Main-Kinzig-Kreis will insbesondere mit Blick auf den Schulsport ein Bädersterben verhindern. Nach einer Klausurtagung seiner Partei geht Landrat Thorsten Stolz (SPD) mit einem Vorschlag an die Öffentlichkeit, diejenigen Städte und Gemeinden zu unterstützen, die Hallenbäder auch für den Schulsport und das Schulschwimmen unterhalten. Dafür ist der Kreis als Schulträger bereit, in die eigene Tasche zu greifen. Er schlägt vor, die Entgelte des Main-Kinzig-Kreises für den Schwimmunterricht deutlich zu erhöhen, sowohl für Hallen- als auch für Freibäder. Außerdem sollen die Kommunen, die Hallenbäder unter anderem für die Schulen unterhalten, einen jährlichen festen Sockelbetrag als Zuschuss erhalten.

          Stolz spricht von jährlich rund 2,5 Millionen zur Förderung des Schulschwimmens. Weiteres Geld soll für Neubauten oder Sanierungen von Hallenbädern bereitgestellt werden. Dies könnte Stolz zufolge in Form von Zinszuschüssen geschehen. SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Schejna wertet den Vorschlag als nachhaltig und wünschenswert. Man werde sich mit dem Koalitionspartner CDU besprechen, um die erforderlichen Beträge noch in den Haushaltsentwurf für das nächste Jahr einzustellen. Das dürfte im Sinne der CDU sein, hat sich doch deren Landratskandidatin Gabriele Stenger für ein Kreisförderprogramm für die Hallenbäder ausgesprochen.

          Kreis und Kommunen sehen bei dem Thema darüber hinaus auch das Land Hessen in der Pflicht. In einer gemeinsamen Initiative fordern sie von der Landesregierung eine Mitfinanzierung der Hallenbäder aus Mitteln des Kommunalen Finanzausgleichs. In einem Schreiben an den hessischen Innenminister Peter Beuth, den hessischen Finanzminister Michael Boddenberg (beide CDU) und die Arbeitsgruppe zur Evaluierung des Kommunalen Finanzausgleichs fordern sie, den Bäderbetrieb von Städten und Gemeinden künftig direkt im Finanzausgleich zu berücksichtigen. Das Thema sei aktueller denn je vor dem Hintergrund einer möglichen Hallenbad-Schließung in Erlensee.

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