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Windräder am Winterstein : Ringen um die Lufthoheit

Der Gipfel: Auf dem Höhenzug am Winterstein, im Hintergrund mit dem Aussichtsturm, wollen Städte wie Friedberg keine Windkraftanlagen sehen. Bild: Rüchel, Dieter

Kommunen klagen, Pläne zum Bau von Windrädern am Winterstein seien mit ihnen nicht abgestimmt. Sie reagieren mit einem gemeinsamen Bebauungsplan für das Naherholungsgebiet.

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          Gemeinsam wollen die Wetterauer Kommunen Rosbach, Friedberg und Ober-Mörlen sowie die Gemeinde Wehrheim im benachbarten Hochtaunuskreis einen Bebauungsplan für das Naherholungsgebiet am Winterstein im östlichen Taunus aufstellen. Darauf haben sich die Magistrate und Gemeindevorstände verständigt. Entsprechende Beschlüsse haben dann die Stadtverordnetenversammlungen und Gemeindevertretungen zu treffen. Zudem wollen die Städte und Gemeinden Veränderungssperren erlassen, um zu verhindern, dass dort von anderer Seite Fakten geschaffen werden, die den Vorstellungen der Kommunen für dieses Gebiet zuwiderlaufen, wie es heißt.

          Wolfram Ahlers

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Hintergrund des gemeinsamen Vorgehens sind Pläne für den Bau von Windkraftanlagen auf diesem Höhenzug. Zwar stößt der Bau von Windrädern am Winterstein in den Gremien der Kommunen nicht grundsätzlich auf Ablehnung, es gibt sogar Initiativen für einen interkommunalen Windpark, in die auch die Geländeeigentümer Hessen Forst und Bundesforst einbezogen wurden. Zuletzt ist es um dieses Projekt allerdings ein wenig still geworden, als Bedenken aus der Bevölkerung kamen, vor allem aber, weil man sich noch nicht im klaren ist, welche Flächen dafür in Frage kämen.

          Naherholungsziel erhalten

          Nun aber, so die Kritik aus den Rathäusern, sei der Bund von der gemeinsamen Linie abgewichen. Wie das für das Genehmigungsverfahren von Windkraftanlagen zuständige Regierungspräsidium Darmstadt bestätigt, hat ein Unternehmen mit Sitz im rheinland-pfälzischen Koblenz beantragt, auf Grundstücken von Bundesforst sechs Windräder zu errichten. Die Anlagen haben laut Regierungspräsidium ein Gesamthöhe von jeweils knapp 230 Metern mit einer Gesamtleistung von gut vier Megawatt. Vier dieser Masten und Rotoren sollen auf Friedberger Gemarkung, die beiden anderen auf dem Gebiet der Stadt Rosbach errichtet werden.

          Die Anträge seien zudem gestellt worden, ohne dass zuvor eine Abstimmung mit den Städten und Gemeinden und Hessen Forst stattgefunden habe, monieren die Nachbarstädte weiter und sehen nun die Gefahr, dass am Winterstein ein Windpark entstehen könnte, der sich nicht mit ihren Anliegen in Einklang bringen lässt, ein Nutzungskonzept zu erstellen, das unterschiedlichen Belangen Rechnung trägt. Dabei geht es den Städten und Gemeinden besonders darum, das Wintersteingebiet als Naherholungsziel für ihre Bürger und Ausflügler aus der Region in Einklang mit Vorgaben zum Natur- und Landschaftsschutz zu erhalten.

          Bestandsaufnahmen als Grundlage

          In vergangenen Jahrzehnten waren weite Teile des Areals rund um den Winterstein Sperrgebiet, weil es für die in Friedberg stationierten Einheiten der amerikanischen Streitkräfte als Terrain für Truppenübungen reserviert war. Seit dem Abzug hat sich dort die Natur erholt, es bildeten sich Biotope mit artenreicher Flora und Fauna. Zugleich avancierte der Winterstein zu einem beliebten Ziel von Wanderern, Joggern, Radfahrern und Reitern.

          Durch dieses Gebiet führt beispielsweise ein europäischer Fernwanderweg, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) legte einen Wildkatzen-Erlebnispfad an. Eine interkommunale Bürgerinitiative errichtete vor einigen Jahren mit Spendengeld einen Aussichtsturm auf dem Gipfel des Wintersteins. Ein Abschnitt des zum Weltkulturerbe erklärten Limes führt durch das Wintersteingebiet, es gibt Reste eines ehemaligen römischen Kastells, das in den vergangenen Jahren restauriert worden ist.

          All das müsse bei der Planung eines Windenergieparks berücksichtigt werden, findet man in den Rathäusern von Rosbach, Friedberg, Ober-Mörlen und Wehrheim. So soll es in dem angestrebten Bebauungsplan unter anderem darum gehen, auf der Grundlage von Bestandsaufnahmen zum Artenaufkommen weitere Refugien für Pflanzen und Tiere zu schaffen und durch Naturlehrpfade zu erschließen. Das Netz von Wegen gelte es gleichermaßen im Sinne von Landschaftsschutz und Attraktivitätssteigerung des Wandergebiets Winterstein neu zu strukturieren. Für Mountainbike-Fahrer sollen eigene Pfade ausgewiesen werden. Auf dieser Grundlage könnten dann Standorte für Windenergieanlagen ausgewiesen werden, heißt es.

          Zustimmung der Flugsicherung nötig

          Ob der umstrittene Bauantrag für die sechs Windräder Aussicht auf Erfolg hat, dahinter steht freilich noch ein anderes großes Fragezeichen. Denn das vorgesehene Terrain befindet sich im 15-Kilometer-Radius um das Drehfunkfeuer „Metro“ in der südwestlichen Wetterau, wie das Regierungspräsidium bestätigt. Deshalb hat die Flugsicherung ein wichtiges, wenn nicht entscheidendes Wort mitzureden. Tatsächlich befasst sich das Regierungspräsidium mit dem Projekt am Winterstein erst, wenn die luftverkehrsrechtliche Zulässigkeit geklärt ist. Was nach Angaben eines Sprechers der Behörde wohl mehrere Monate in Anspruch nimmt.

          Sollte von Seiten der Flugsicherung die Zustimmung verweigert werden, könnte der Antragsteller zwar dagegen klagen, was aber nach den Erfahrungen anderer Fälle wenig Aussicht auf Erfolg habe, heißt es. Dann bliebe also noch die Möglichkeit, sich in Abstimmung mit den Kommunen und Forstbesitzern auf einen anderen Standort zu einigen.

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