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Kommt Blockupy wieder? : Die Lage der Blockade

  • -Aktualisiert am

Die Polizei hält einen Demonstranten fest. Bild: Kaufhold, Marcus

Breite Gräben und der Versuch, sie zuzuschütten: das ist Blockupy heute. Gut möglich, dass das Aktionsbündnis im nächsten Jahr wieder demonstriert.

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          Warum gibt es Blockupy eigentlich noch? Einen langen Winter nach der Räumung des Occupy-Camps, weit mehr als ein Jahr nach diesem Momentum, das nach der Bezeltung der Wallstreet in New York weltweit Tausende auf die Straßen zog? Frauke Diestelrath, Attac-Pressesprecherin, von Anfang an bei Blockupy dabei, hat darauf eine einfache Antwort: „Weil politisch alles nur noch schlimmer geworden ist.“

          So ist das aus Sicht von Blockupy: Die Krisenpolitik der Europäischen Union lässt die Menschen darben, die Sozialsysteme abschmelzen, die Reichen immer reicher, halt alles immer schlimmer werden. Und wenn die Probleme immer größer werden, werden die Gräben breiter. Oder jemand schüttet sie zu. Blockupy hat sich für letzteres entschieden, oder besser: Ohne das Zuschütten gebe es Blockupy gar nicht, diesem kaum zu fassende Apparat von 89 linken Gruppen, die selbst teilweise unzählige Untergrupppen haben. Ein kleines Wunder, dass die Tierbefreiung Hamburg ihre Zelte neben der Interventionistischen Linken aufstellt, dass die Autonome Antifa zusammen mit den Jusos an den Gittern vor der Europäischen Zentralbank aufgestaut wird. Ein kleines Wunder, wo doch eigentlich die Zersplitterung zur deutschen Protestkultur gehört wie die Wasserwerfer zuz den Steinewerfern.

          Auch im Ausland aktiv

          „Ums Ganze“ ist in diesem Jahr neu dabei. Ein Graus ist das für die Sicherheitsbehörden, zählt zu der Gruppe doch die Autonome Antifa. Und ein Thema ist das für „Ums Ganze“, unterstützen doch bei weitem nicht alle dort das, was Blockupy macht. Einigen sind die Proteste „inhaltlich nicht scharf genug.“ Die, die da sind, sehen das pragmatisch: Zwar sei der Kapitalismus an sich das Problem, und das nicht erst, seitdem es die Finanzkrise gegeben hat. Aber was man kriegen könne, so heißt es, sollte man mitnehmen - im Zweifel halt auch Krisen- statt „echter“ Kapitalismusproteste.

          Mit Konfetti beworfen: Polizisten am Rande der Blockupy-Demonstration.

          Bevor es losging, da waren sie von Blockupy in Madrid und Athen. „Im europäischen Ausland werden wir mehr wahrgenommen, als bei den hiesigen Bürgern“, sagt einer, der für Occupy spricht. Gestern hatte ein portugiesisches Bündnis parallel zu der Demonstration in Frankfurt zu sozialen Protesten in 70 Städten in zehn Ländern aufgerufen, Motto, frei übersetzt: „Vereint den Widerstand.“ Das Blockupy-Bündnis ist übers Jahr nicht nur national gewachsen, sondern auch ber die Grenzen Deutschlands hinaus größer geworden. Zwar waren schon im vergangenen Jahr viele ausländische Aktivisten zu Blockupy angereist, in diesem Jahr sind es aber noch mehr, 300 aus Italien etwa, wird in Frankfurt geschätzt, und 200 aus Spanien.

          Man sei nähergerückt

          Óscar Pretel ist einer von ihnen. Er kämpft in Spanien dagegen, dass Menschen, die die Hypotheken ihrer Wohnungen nicht mehr zahlen können, zum Auszug gezwungen werden. 400.000 Leute sind davon nach seinen Worten in den vergangenen zwei Jahren betroffen gewesen, gegen die Gesetze in Spanien, wonach die Menschen ihre Kredite auch nach dem Verlust ihrer Wohnung noch abbezahlen müssen, versucht Pretel zu kämpfen. Über Blockupy sagt er: „Jede Solidarität, die mit uns, mit den Menschen in anderen europäischen Ländern gezeigt wird, hilft uns.“

          Wird es Blockupy im Mai 2014 noch geben? Wer sich vor der Demonstration am Samstag umhörte unter den Aktivisten, dem sagten sie, bei Attac etwa, man sei einander nahegerückt, es gebe inzwischen so etwas wie gewachsene soziale Strukturen, man kenne sich untereinander und vertraue sich. Auf das Bündnis der Bündnisse hochgerechnet, wird das nicht anders sein, Blockupy wird wohl wiederkommen nach Frankfurt.

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