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Kommentar : Zwischen Zuckeln und Rasen

Der Minister ist dagegen: In Frankfurt wird es nachts wohl kein Tempo-30-Limit geben. Bild: Fricke, Helmut

Der FDP-Verkehrsminister Florian Rentsch will kein Tempo-30-Limit nachts auf Frankfurter Hauptverkehrsstraßen. Das ist nun offensichtlich und nicht per se verwerflich. Seine Begründung hingegen klingt kurios.

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          Der FDP-Verkehrsminister Florian Rentsch will kein Tempo-30-Limit nachts auf Frankfurter Hauptverkehrsstraßen. Das ist nun offensichtlich, nachdem der Minister zum zweiten Mal einen Antrag der Stadt Frankfurt abgelehnt hat. Das ist nicht per se verwerflich, denn die Vorstellung, auf vierspurigen Straßen des Nachts nur noch mit Tempo 30 zu zuckeln, wird vermutlich keinen Autofahrer mit Freude erfüllen.

          Doch Rentschs Begründung, es fehle an Daten, um ein Tempolimit zu begründen, nachdem er der Stadt im August untersagt hatte, in einem Modellversuche ebendiese zu erfassen, klingt schon kurios. Und der Hinweis, die Stadt möge die Lage der Schlafräume der betroffenen Wohnungen angeben, klingt fast nach Kabarett. Denn natürlich wird man in dem Zimmer der Wohnung schlafen, in dem es am ruhigsten ist, und sich dabei am Verkehrslärm ausrichten. Zum Glück schreibt einem ja niemand vor, wo man sein Bett aufzustellen hat. Was sicherlich im Sinne der Liberalen ist.

          Müssen nicht alle Seiten mehr Rücksicht nehmen?

          Bleibt also die Frage, ob es sinnvoll ist, Tempo 30 auf fünf Abschnitten Frankfurter Hauptverkehrsstraßen einzuführen oder nicht. Für den Lärmaktionsplan war seinerzeit ermittelt worden, dass in Frankfurt nachts 136 000 Menschen einem Straßenlärm von mehr als 50 Dezibel ausgesetzt sind. Das sind nicht wenige. Rechnet man jene hinzu, die an Bahnstrecken wohnen oder in der Einflugschneise des Flughafens leben, wird deutlich, dass es in Frankfurt nur wenige Stellen gibt, die richtig ruhig sind. Man kann argumentieren, dass dies in einer Großstadt nun einmal so ist.

          Doch angesichts der Tatsache, dass die Stadt immer stärker wächst, zunehmend Familien auch in den dichtbebauten Stadtteilen leben wollen und nicht nur am Stadtrand, muss die Frage erlaubt sein, ob nicht alle Seiten mehr Rücksicht aufeinander nehmen müssen. Dazu könnte es auch gehören, die nachts relativ freien Straßen nicht zum Rasen oder zum sehr zügigen Fahren zu nutzen. Noch immer träumt nämlich mancher davon, wenigstens zwischen 22 und 6 Uhr einmal in null Komma nichts den Alleenring entlangzurauschen und die Grüne-Ampel-Welle auszunutzen.

          Tempo 50 würde reichen

          Doch Tempo 50 würde reichen. Überwachte man stärker diese Geschwindigkeitsbeschränkung auf allen Hauptverkehrsstraßen, an denen Menschen wohnen, erreichte man sicherlich einiges. Und auch tagsüber sollte mancher Autofahrer einmal im Blick haben, dass es gerade in einer Großstadt ältere Menschen und Kinder gibt, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind. Einfach einmal an andere Verkehrsteilnehmer und Anwohner zu denken könnte das derzeit so begehrte Leben in der Stadt für alle angenehmer machen.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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