https://www.faz.net/-gzg-9l4hm

Zukunft von Opel : Rüsselsheimer Raufereien

Ungewisse Zukunft: Der Konflikt um das Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim dauert an. Bild: dpa

Nach den Streitereien im Herbst haben Geschäftsleitung und Betriebsrat von Opel eine Übereinkunft zur Zukunft des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim getroffen. Doch beendet ist der Konflikt um das Herzstück des Autobauers noch nicht.

          1 Min.

          Die Vertrauensleute der IG Metall bei Opel und der Dienstleister Segula, der Teile des Entwicklungszentrums und viele Ingenieure übernehmen will, interpretieren die Übereinkunft zur Zukunft des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim vollkommen unterschiedlich. Während sich Segula betont zuversichtlich gibt, zweifeln die Vertrauensleute die Seriosität der Firma an. Von neuer Harmonie kann mithin keine Rede sein.

          Opel will Hunderte Ingenieure per Abfindung, Altersteilzeit und Vorruhestand loswerden und dadurch die Kosten senken. Der Autobauer zählt auch auf den massenhaften Wechsel von Entwicklern zu Segula. All das soll dem Ziel dienen, nach den gut 1000 Ingenieuren, die Opel schon im vergangenen Jahr verlassen haben, weitere 2000 von der Gehaltsliste zu bekommen. Die Franzosen, deren deutsche Tochtergesellschaft noch sehr klein ist, will sie nach eigenen Angaben mit offenen Armen empfangen und ihnen Stabilität bieten. Ob sie dazu auch imstande sein werden, ist von außen nicht zu beurteilen – auch wenn Deutschland-Chef Martin Lange mehrfach beteuert hat, potentielle Kunden stünden längst Schlange.

          Viel Überzeugungsarbeit

          Allerdings wird er zumindest bei den Gewerkschaftern noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Nicht anders ist es zu beurteilen, dass die Vertrauensleute bei Opel Segula Deutschland als Start-up verspotten und die zur Schau getragene Zuversicht des Opel-Partners als Provokation ansehen.

          Diese Aussagen dürften zwar ein Stück weit als Wortgeklingel vor den Tarifverhandlungen von Segula und IG Metall zu sehen sein. Doch nicht nur: Das Misstrauen gegenüber dem Dienstleister ist mehr als nur Rhetorik. Zumal Segula den Gewerkschaftern eine Angriffsfläche bietet: Arbeitsdirektor Udo Bekker nennt den Metall-Flächentarifvertrag lediglich eine Grundlage für Verhandlungen und kündigt an, „passgenaue Lösungen für unser Unternehmen“ finden zu wollen.

          Zudem müssen Opel und Segula zusehen, wie sie ihre Partnerschaft mit Leben erfüllen wollen. Denn der Plan, Ingenieure und Teile der Entwicklung in einem Aufwasch zu übertragen, ist seit Dienstag Geschichte.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Gut fürs Binnenklima

          Eintracht-Spieler Chandler : Gut fürs Binnenklima

          Die Flankenkönige der Fußball-Bundesliga spielen für Eintracht Frankfurt. Präzise, langgezogene Flanken zu schlagen, gehört auch zum Rüstzeug von Timothy Chandler. Allerdings sitzt er derzeit meist auf der Bank.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.