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Stadtbusverkehr in Bad Homburg : Kein Vorsprung mangels Technik

Testbetrieb: Bad Homburg will zunächst zwei Elektrobusse auf Probe einsetzen. Bild: dpa

Bad Homburg will den Umstieg auf Elektrobusse im Stadtverkehr. Die Suche nach einem System, das möglichst zukunftssicher ist und den örtlichen Gegebenheiten gerecht wird, erweist sich aber als schwierig.

          In der jüngsten Vorlage, die sich mit der Zukunft des Bad Homburger Stadtbusverkehrs befasst, steht ein bemerkenswerter Satz. Angesichts des Handlungsdrucks aus umweltpolitischen Gründen stelle sich die Frage gar nicht, ob die Busse auf Elektroantrieb umgestellt würden, heißt es da. „Sie ist einfach notwendig.“ Zwar spielte das Thema seit Jahren immer wieder eine Rolle, denn die Luft der Kurstadt darf zwar prickeln wie Champagner, sie soll aber nicht mit Schadstoffen belastet sein. Für die klare Festlegung auf diesen weitreichenden Schritt fiel die Diskussion im Stadtparlament jedoch überraschend kurz aus.

          Einiges hat sich getan in den vergangenen Jahren. Oberbürgermeister Michael Korwisi (Die Grünen) bewertete die Technik noch 2012 nach einzelnen Elektrobus-Testfahrten als nicht ausgereift. Heute lobt die CDU in einer Pressemitteilung die Umstellung und erklärt, der Schutz der Luftqualität sei ihr zwei bis drei Millionen Euro im Jahr wert. Dass die Busse heute zuverlässiger sind, ist zu hoffen. Üppig ist das Angebot immer noch nicht, wie die bei der Umstellung besonders eifrige Landeshauptstadt Wiesbaden feststellen musste.

          Richtig ist, dass eine frühere Untersuchung des Forschungszentrums Jülich zur Luftqualität in Bad Homburg dem Stadtbusverkehr eine wichtige Rolle zugewiesen hat. Die Umstellung könnte sich also positiv auf die Schadstoffbilanz auswirken. Allerdings wird die Stadt einen hohen Preis zahlen müssen. Eine gründliche Suche nach einem System, das möglichst zukunftssicher ist und den örtlichen Gegebenheiten gerecht wird, ist deshalb wichtig.

          Der Aufstieg zum Saalburgpass und andere Steilstrecken fordern Motoren und Batterien, die Kilometerleistung und der dichte Takt sprechen gegen längere Ladezeiten: Die jetzt vorgelegte Studie hält mit der Brennstoffzelle ausgerechnet diejenige Technik für besonders geeignet, die am teuersten ist und hierzulande für Busse noch nicht in Serie produziert wird. Der Vertrag mit dem jetzigen Stadtbusbetreiber lässt eine Verlängerung bis 2027 zu. Vielleicht bietet sich für Bad Homburg die Chance, technisch ganz vorne dabei zu sein, indem sie sich für die Umstellung zwei Jahre mehr Zeit nimmt.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

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