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Städtischen Bühnen : Hartwigs Emanzipation

Neubau statt Sanierung: Frankfurts Kulturdezernentin hat die richtige Wahl getroffen. Bild: Wolfgang Eilmes

Bei der maroden Theaterdoppelanlage in Frankfurt kommt eine Sanierung nicht in Frage. Es soll also gebaut werden. Kulturdezernentin Hartwig hat dabei endlich eine klare Position bezogen.

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          Als vor zweieinhalb Jahren die Machbarkeitsstudie zur baulichen Aufwertung der Städtischen Bühnen in Frankfurt präsentiert wurde, saßen auf dem Podium zehn Personen. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), damals noch ziemlich neu in der Politik wie im Amt, war zwar in der Mitte plaziert, wirkte aber wie die Stichwortgeberin von Magistratskollegen, Intendanten und Architekten. Ganz anders das Bild am Donnerstag: Hartwig teilte sich die Bühne allein mit Michael Guntersdorf, dem Leiter der Stabsstelle Zukunft der Städtischen Bühnen. Sie trug die wesentlichen Ergebnisse der vertieften Untersuchungen vor, Guntersdorf ergänzte Details.

          Der ganze Auftritt zeugte von einem neuen Machtbewusstsein. Wichtiger noch: Die Dezernentin hat in der länglichen Debatte über die Frage, ob die Theaterdoppelanlage saniert werden soll oder ob eine Neubaulösung vorzuziehen ist, endlich eine klare Position bezogen. Noch wichtiger: Nachdem sie endlich von der sentimentalen Hoffnung gelassen hat, die marode Doppelanlage ließe sich sanieren, favorisiert Hartwig die einzig richtige Variante.

          Willy-Brandt-Platz als Standort erhalten

          Ihrer Vorstellung nach soll am Willy-Brandt-Platz eine Sparte der Städtischen Bühnen verbleiben. Aufgrund der Tradition und Popularität, die der Standort hat – seit 1902 steht dort das städtische Theater –, ist das unbedingt geboten. Genau deshalb geht auch die Idee der CDU in die Irre, die Städtischen Bühnen komplett zu verlagern. Und das ganz unabhängig von der mangelnden Eignung des Ersatzstandortes am Osthafen, der auf absehbare Zeit schlecht erreichbar ist und selbst zur Flussseite hin nur begrenzte Strahlkraft entwickeln würde.

          Aus Hartwigs Plan, die Sparten zu trennen, ergeben sich zwei Möglichkeiten: Für die Oper oder das Schauspiel müsste ein mehr oder weniger nah gelegener neuer Standort gefunden werden. Finanzielle Erwägungen sprechen dafür, dass die Oper umzieht, während für das Schauspiel ein Interimsquartier errichtet würde, bis es in einen Neubau an den Willy-Brandt-Platz zurückkehren könnte.

          Voraussetzung für diese Lösung ist, dass ein adäquates Grundstück für die Oper gefunden wird. Offenbar gibt es in der Stabsstelle sogar Überlegungen, in die Wallanlagen einzugreifen, wie das im 19. Jahrhundert für den Bau der heutigen Alten Oper schon einmal geschehen ist. Sollten sich diese kühnen Überlegungen aufgrund politischen Widerstands zerschlagen, bliebe immer noch, das neue Schauspiel auf dem Kulturcampus Bockenheim zu errichten und die Oper am alten Platz neu zu bauen. Lauter elektrisierende Möglichkeiten.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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