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Kommentar zur WM : Am Tag danach

  • -Aktualisiert am

„Fußball ist Jubel, Freude und Glück“: Fußballfans in Wiesbaden feiern den WM-Sieg der deutschen Nationalmannschaft in Rio. Bild: Kaufhold, Marcus

Einen Tag nach dem WM-Sieg fällt plötzlich alles leichter: Beschwingt steht man auf, plauscht mit Kollegen. Fußball bringt Menschen zusammen, weil er im Kern das ist, was Menschen ausmacht.

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          Was der Fußball kann, zeigt er immer in seinen extremen Momenten. In Zeiten schlimmer Niederlagen lehrt er Demut dem Spiel und Fairness dem Sieger gegenüber. Und in Zeiten großer Siege wie des vierten WM-Triumphs der deutschen Nationalmannschaft schafft er es, aus all jenen, die es zulassen, Menschen zu machen, die mit sich selbst so sehr im Reinen sind wie sonst nur in sehr persönlichen Augenblicken.

          Am Morgen nach einem solchen Spiel ist alles einfacher. Das Aufstehen nach kurzer Nacht ist kein Problem, sondern eine Freude. Die Vierjährige steht im zerknitterten Nationalmannschafts-Nachthemd im Flur und fragt als Erstes, ob Deutschland gewonnen hat. Der Zwölfjährige eilt im Mario-Götze-Trikot zur Schule; besser gelaunt war er selten. Am Arbeitsplatz unterhalten sich zwei Kollegen, die sich sonst höchstens grüßen, über die unerwartet starke Leistung der Argentinier. Und in der Kantine erzählt jeder, aber wirklich jeder, wo und mit wem er am Sonntagabend das große Finale von Rio de Janeiro gesehen hat.

          Eine Mannschaft, die man mag

          So entsteht ein kollektives Wissen, das zum kollektiven Bewusstsein wird. Zeigen wird sich das zum Beispiel daran, dass „7:1“, das Ergebnis im Sensationshalbfinale gegen Brasilien, fortan immer mehr sein wird als ein reines Fußballresultat. „7:1“ - das hat das Zeug, zu einer Kurzformel für beste Leistung und beste Laune zu werden.

          Hinzu kommt der Stolz auf eine Mannschaft, die es einem einfach macht, sie zu mögen. Keine Überheblichkeit, keine Pöbeleien, kein Stuss am Mikrofon. Das liegt ganz wesentlich an Joachim Löw. Und sollte jemand fragen, welchen Anteil Frankfurt daran hat: Löw spielte in der Saison 1981/1982 immerhin 24 Spiele für die Frankfurter Eintracht. Und dadurch, dass der Deutsche Fußball-Bund auf dem Gelände der Frankfurter Galopprennbahn sein neues Leistungszentrum baut, wird die Stadt fortan zum wohl wichtigsten Ausgangspunkt künftiger Triumphe.

          In seinem wunderbaren Kern ist der Fußball all das, was Menschen ausmacht. Er ist Wut, Zorn und Trauer. Er ist Jubel, Freude und Glück. Er ist Foul, Schwalbe und Rote Karte. Und er ist Fallrückzieher, Flugkopfball und Übersteiger. Wer Fußball verstehen will, muss Menschen mögen. Und er muss das Leben lieben. Das gehört auf eine fast schon sentimentale Weise genauso zusammen wie Götzes Ballannahme mit der Brust und sein filigraner Schuss in das lange argentinische Eck.

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