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Bad Homburgs U-Bahn : Auf die Schiene gesetzt

Die U-Bahn-Linie U2 in Bad Homburg (Archivbild). Bild: Cornelia Sick

Bad Homburg hat sich für eine Verlängerung der U-Bahn-Linie 2 entschieden. Denn auch in der wohlhabenden Stadt ist ein guter Nahverkehr wichtig. Ein Kommentar

          Schon lange plant die Stadt Bad Homburg, die vor fast 50 Jahren in Gonzenheim gekappte U-Bahn-Linie 2 bis zum Bahnhof zu verlängern. Irgendwann war eine Trasse gefunden, das Regierungspräsidium genehmigte vor zwei Jahren die Pläne, und zuletzt stand sogar das Geld bereit. Mit der großen Zustimmung der Bürger ist nun auch politisch der Weg frei, das Großprojekt anzugehen.

          Viele Nutzer von U- und S-Bahn müssen künftig einmal weniger umsteigen, für andere eröffnet sich eine alternative Strecke in den Nordosten Frankfurts oder von dort zu ihren Bad Homburger Arbeitsplätzen. Diese Vorteile lassen sich auch nicht durch die zeitweise ins Spiel gebrachten Elektrobusse aufwiegen – das Umsteigen mit allen seinen Nachteilen bliebe.

          Der Schritt auf dem Weg zur einem attraktiveren Nahverkehr bringt zunächst einmal Bauarbeiten an einer wichtigen Verkehrsachse mit sich, die sich über Jahre hinziehen werden. Dem verständlichen Unmut der Anwohner darüber setzt sich niemand gern aus. Insofern ist Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) mit dem Bürgerentscheid, der nicht etwa durch ein Bürgerbegehren der Gegner, sondern von den Stadtverordneten initiiert wurde, ein taktisches Meisterstück gelungen.

          Oberbürgermeister hält sein Versprechen

          Schon im Oberbürgermeisterwahlkampf hatte Hetjes versprochen, die Bürger über den U-Bahn-Weiterbau abstimmen zu lassen. Dieses Versprechen hat er nun eingelöst. Die Zusammenlegung mit der Landtagswahl garantierte, dass nicht nur die Gegner ihre Stimme abgeben würden. Die nötige Beteiligung für ein gültiges Ergebnis war damit sichergestellt. Und das positive Votum wahrscheinlich geworden.

          Das könnte man als Trickserei kritisieren. Aber über ein Verkehrsprojekt, das nicht nur für die ganze Stadt, sondern sogar weit darüber hinaus von Bedeutung ist, können nicht nur die direkten Nachbarn der Baustelle entscheiden, deren Sorgen beim Bau natürlich berücksichtigt werden müssen.

          Die hohe Zustimmung beim Bürgerentscheid am Sonntag bringt noch eine weitere Erkenntnis mit sich. Selbst in einer Stadt wie Bad Homburg, in der vor manchem Haus der Drittwagen steht, ist den Menschen ein guter öffentlicher Personennahverkehr wichtig.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

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