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Helmut Schwan (hs.)

Kommentar zur Südumfliegung : Das System hakt

  • -Aktualisiert am

Gekippt: Die VGH-Richter gaben acht Kommunen und fünf Privatleuten aus Hessen und Rheinland-Pfalz Recht, die gegen die Südumfliegung geklagt hatten Bild: dpa

Ob bis zu einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur Südumfliegung zunächst alles so bleiben kann, ist nur eine von vielen offenen Fragen. Nur so viel steht fest: In der Summe wird es für die Region nicht leiser werden.

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          Das war ein Schlag ins Kontor. Das Urteil des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs gegen die sogenannte Südumfliegung kam ähnlich überraschend wie vor fast zwei Jahren der Stopp der Nachtflüge durch die Kasseler Richter. Allerdings hat die gestrige Entscheidung diesmal keine sehr kurzfristigen Konsequenzen. Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass das Bundesamt für Flugsicherung Rechtsmittel einlegen wird.

          Ob bis zu einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zunächst alles so bleiben kann, ist nur eine von vielen offenen Fragen. Zu ihnen zählt auch, ob der Betrieb an dem Weltflughafen beeinträchtigt wird.

          Man stößt an Grenzen

          Klar ist jedoch spätestens mit dem Richterspruch aus Kassel geworden, dass das Projekt Ausbau hakt. So reibungslos und termingerecht die neue Landebahn Nordwest auch betoniert und das technische Gerät installiert war, seit einigen Monaten stößt man an Grenzen.

          Im Zusammenspiel zwischen Menschen und Maschinen haben sich vorher in Planspielen kaum erkennbare Abstimmungsschwierigkeiten ergeben. Vereinfacht ausgedrückt, fliegen die Piloten manchmal eben nicht so, wie es das Funkfeuer von ihnen verlangt. Und wenn dann auch noch der Computer an Bord nicht richtig programmiert ist, gerät das sensible System aus dem Lot.

          Rechtzeitig Konsequenzen gezogen

          Das soll nicht heißen, der Flugverkehr in Frankfurt sei gegenwärtig unsicher. Man hat rechtzeitig Konsequenzen gezogen und will erst wieder die Bahnen gleichzeitig betreiben, wenn alle denkbaren Gefahrenquellen beseitigt sind. Am Ende eines Moratoriums, das durch den Richterspruch allerdings plötzlich eine neue Qualität bekommen hat, könnte ein anderer Routenmix stehen, der Kollisionen im komplexen Vier-Bahnen-Betrieb ausschließt. Oder, falls dann alles funktioniert wie ursprünglich erdacht, doch wieder die gerade verworfene Südumfliegung.

          Nur so viel steht fest: In der Summe wird es für die Region durch dieses Urteil nicht leiser werden.

          Helmut Schwan
          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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