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Kommentar : Mit Frauen

„Wie die Glut zehrt von der Glut“: Das Motto der Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft, auch Villa Bonn genannt Bild: Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft

Die Stadt Frankfurt braucht Organisationen wie die Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft. Aber sie braucht sie in einem Zustand, in dem sie sich nicht der Lächerlichkeit preisgeben.

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          Den Gegnern einer Öffnung der altehrwürdigen Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft für weibliche Mitglieder kann man nur raten, den Dingen jetzt ihren Lauf zu lassen. Nachdem sich vor Jahresfrist eine große Mehrheit dafür ausgesprochen hatte, dass sich die Vereinigung im 96. Jahr ihres Bestehens für Frauen öffnet, haben die damals Unterlegenen den Rechtsweg beschritten, weil sie die Abstimmung für fehlerhaft hielten. Nun aber haben sie vor dem Frankfurter Landgericht verloren. Damit sollte es jetzt aber genug sein, selbst wenn eine Berufung möglich ist.

          Warum dieser Ratschlag? Weil die Stadt am Main Organisationen wie die Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft braucht. Aber sie braucht sie in einem Zustand, in dem sie sich nicht der Lächerlichkeit preisgeben. Notwendig sind solche Vereinigungen, weil Frankfurt mehr als andere Metropolen von Manager-Nomaden geprägt ist, eine Folge der Internationalität dieser Stadt. Je stärker das Kommen und Gehen, desto wichtiger aber sind Orte, an denen sich so etwas wie eine Stadtgesellschaft formen kann. Die Villa Bonn, Sitz der Frankfurter Gesellschaft, ist nur einer von mehreren solcher Orte, aber nicht der unwichtigste.

          Die Vereinigung kann ihre Aufgabe, führende Köpfe der Stadt zusammenzubringen, nur dann erfüllen, wenn sie nicht als eine Karikatur dessen erscheint, was sie zu sein vorgibt. Die Gelehrten unter den Mitgliedern mögen zu später Stunde gerne mit einer Zigarre in der Hand an einer kleinen Theorie des Herrengesprächs feilen, das angeblich einen Wert an sich hat - in der taghellen Wirklichkeit aber ist es schlechterdings nicht mehr vorstellbar, dass eine Organisation, in der Manager, Unternehmer und Wissenschaftler ins Gespräch kommen sollen, dabei die Hälfte der Welt ausschließt.

          Das Verdienst derjenigen, die die Abstimmung vor Gericht überprüfen ließen, liegt darin, dass nun alle sicher sein können, dass das Verfahren rechtmäßig war. Nun aber sollte der Blick nach vorne gehen: Wie will sich die Frankfurter Gesellschaft, gegründet 1919, im 21. Jahrhundert aufstellen - in einer Stadt im Wandel, in der mehr und mehr Frauen Führungspositionen übernehmen?

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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