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Kommentar zur Landwirtschaft : Hauptsache, billiger Bauchspeck

  • -Aktualisiert am

Erwartungsvoll: Nicht nur für Hühner soll sich in Hessen bald einiges ändern. Bild: dpa

Vertreter des Tierschutzes und der Landwirtschaft haben ein Jahr lang am „runden Tisch“ über besser Bedingungen in der Massentierhaltung beraten. Nun gibt es erste Ergebnisse.

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          Nach der ersten Hälfte der Grillsaison darf man es offen aussprechen: Hüftsteaks aus Argentinien, Salsiccia aus Italien und norwegischer Lachs sind eigentlich nicht unbedingt nötig. Fleisch von der Domäne in Erbenheim, die berühmte Bratwurst der elften Generation aus Eltville und Forelle aus dem Wispertal wären genau so gut.

          Lieferwege um den halben Globus würden vermieden und die heimischen Erzeuger unterstützt. Doch nicht jeder Verbraucher hat im Alltag permanent die globale Ökobilanz im Kopf. Und der Einzelne handelt nicht unvernünftig: Er lässt Steaks, Wurst und Fisch ja nicht eigens aus fernen Ländern herbeischaffen, sondern kauft sie im nahen Supermarkt, vielleicht sogar im Fachgeschäft. Davon profitiert dann immerhin der örtliche Einzelhandel.

          Man muss Erfolg wünschen

          Weil der Umgang der Verbraucher mit Lebensmitteln ein so kompliziertes Thema ist, kann es auch keine einfachen politischen Lösungen geben. Das beweisen die ersten Ergebnisse, die der „Runde Tisch Tierwohl“ erbracht hat. Wenn man den Legehennen ihre Schnäbel nicht kürzt, erspart man ihnen Schmerzen. Aber sie bekommen die Möglichkeit, ihre Artgenossen zu verletzen oder gar zu töten. Daraus machen weder Landwirtschaftsministerin Priska Hinz (Die Grünen) noch Vertreter der Produzenten ein Hehl: Der Verzicht auf das Kupieren der Schnäbel bedeutet in den Ställen jedenfalls zunächst einmal eine Erhöhung der Mortalitätsrate. Und dies im Namen des Tierwohls. Das ist geradezu absurd.

          Dass man die Hennen langfristig dazu bewegen kann, ihrem Pickdrang zu widerstehen, scheint nicht viel mehr als eine Hoffnung zu sein. Mit einem solchen Konzept erntet man keine Begeisterungsstürme. Trotzdem muss man der hessischen Geflügelbranche Erfolg wünschen. Sie will die Tierhaltung flächendeckend verbessern und setzt darauf, dass der Verbraucher dies honoriert, indem er einen höheren Preis für die Eier zahlt. Die Landwirtschaft ist existentiell darauf angewiesen, mit hochwertigen Produkten auf dem freien Markt höhere Preise zu erzielen. Aber ist der Verbraucher dazu wirklich bereit? Die Masse will doch weder argentinische Hüftsteaks noch Fleisch vom Biohof, sondern billigen Bauchspeck.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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