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Kommentar zur Hessen-Wahl : Schluss jetzt mit den Ausreden

Spitzenkandidaten: Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) und Volker Bouffier (CDU) Bild: Cunitz, Sebastian

Wer ein differenziertes Schulwesen für besser hält als eine Gemeinschaftsschule oder umgekehrt, wer für oder gegen das Sitzenbleiben ist, dessen Hand kann in der Wahlkabine eigentlich nicht zittern. Das gilt auch für andere Themen.

          Welches Thema beschäftigt die Hessen am stärksten? Bildung und Schule. Bei welchem Thema unterscheiden sich die Parteien so kantenscharf voneinander wie Schwarz und Rot? Bei Bildung und Schule. Wer ein differenziertes Schulwesen für besser hält als eine Gemeinschaftsschule oder umgekehrt, wer für oder gegen das Sitzenbleiben ist, dessen Hand kann in der Wahlkabine eigentlich nicht zittern.

          Welches Thema ist aus Sicht der Hessen das zweitwichtigste? Familie, Jugend, Kinder. Wo heben sich die Parteien voneinander ab? In ihren Vorstellungen über Familie, Jugend, Kinder. Wer findet, die Ganztagesbetreuung an den Schulen sollte ein Angebot neben anderen sein, der weiß, welche Parteifarbe dafür eintritt. Wer eine verpflichtende Ganztagesbetreuung besser findet, ebenso.

          Politikerverächter haben unrecht

          Gleiches gilt für so gut wie alle anderen Themen, von denen die Bürger sagen, sie seien ihnen wichtig. Was ist also dran an dem Argument, die Parteien seien doch „alle gleich“ und man wisse überhaupt nicht, welche man wählen solle? Nichts. Es ist eine Ausrede. Wer sie vorbringt, ist nur zu bequem, sich mit den Themen zu beschäftigen. Dazu muss niemand dicke Parteiprogramme wälzen, es reicht schon, regelmäßig Zeitung zu lesen.

          Ebenso wenig verfangen andere Ausflüchte zur Bemäntelung von Wahlabstinenz. Wer sagt, „die“ Politiker kreisten nur um sich selbst und wüssten nichts über die „wahren“ Sorgen der Bürger, hat eine vorgefasste Meinung, aber, mit Verlaub, keine Ahnung. Kaum jemand hat so regelmäßig Tuchfühlung mit den unterschiedlichsten Bevölkerungs- und Berufsgruppen wie ein Abgeordneter. Und wer mit Politikern redet, ist immer wieder beeindruckt, in wie vielen Themen sie kenntnisreich zu Hause sind, weil sie eben mit Handwerkern und mit Hausfrauen zu tun haben, mit Bankern und mit Busfahrern, mit Altenpflegerinnen und mit Abiturienten.

          Wenn jemand nur um sich kreist, dann sind es die Politik- und Politikerverächter, die es „denen in Wiesbaden“ gerne zeigten, wenn man sie nur ließe. Sie sind nicht nur in den Trabantensiedlungen zu Hause, sondern auch im Taunus. Unrecht haben sie alle. Es gibt jedenfalls unter den Politikern nicht weniger und nicht mehr Schaumschläger als unter Anwälten, Verkäufern oder Journalisten. Nein, es gibt keinen einzigen überzeugenden Grund, nicht wählen zu gehen.

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