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Kommentar zur „Frankfurter Rundschau“ : Der Anfang vom Ende

  • -Aktualisiert am

Die Nachricht, dass Politik- und Wirtschaftsteil, Feuilleton und Sport bei der „Rundschau” bald nicht mehr in Frankfurt geschrieben, redigiert und gestaltet werden, muss jeden, der Qualitätszeitungen für wichtig hält, traurig stimmen. Bild: Wonge Bergmann

Für Frankfurt ist die Abwanderung des überregionalen Teils der „Rundschau“ nach Berlin eine schlechte Nachricht, und das nicht nur als eine weitere Schwächung der Verlags- und Medienstadt Frankfurt nach dem Weggang von Suhrkamp und Eichborn.

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          Zeitungen stehen untereinander in einem harten Wettbewerb, redaktionell wie verlegerisch. Und dennoch gibt es niemanden in der Branche, der den allmählichen Niedergang der „Frankfurter Rundschau“ mit Häme oder Schadenfreude begleitete. Die Nachricht, dass Politik- und Wirtschaftsteil, Feuilleton und Sport bald nicht mehr in Frankfurt geschrieben, redigiert und gestaltet werden, muss deshalb jeden, der Qualitätszeitungen für wichtig hält, traurig stimmen.

          Auch für Frankfurt ist die Abwanderung des überregionalen Teils der „Rundschau“ nach Berlin eine schlechte Nachricht, und das nicht nur als eine weitere Schwächung der Verlags- und Medienstadt Frankfurt nach dem Weggang von Suhrkamp und Eichborn. Stolz hatte das Blatt – wie die F.A.Z. – sich schon im Titel zur ihrer Herkunftsstadt bekannt. Daraus wird nun bald ein halber Etikettenschwindel: „Berliner Rundschau“ müsste das Blatt dann eigentlich heißen.

          Eine lange Leidensgeschichte

          Der Entscheidung, gegen die sich aus betriebswirtschaftlicher Sicht wenig einwenden lässt, ist eine lange Leidensgeschichte vorangegangen. Nicht die heute Handelnden sind für sie verantwortlich, sondern andere: Chefredakteure, die nicht den arbeitenden, sondern den repräsentierenden Typus dieses Berufsstandes verkörperten und ihr Heil im öffentlichen Auftritt und außenpolitischer Ambition suchten; Verlagsgeschäftsführer, deren Gottvaterauftritt im Gegensatz zu ihrer Effizienz stand und deren Bewirtungskosten noch heute Legende sind. Und vor den Büros der Chefs standen imaginäre lange Bänke, auf die alles geschoben wurde, was an unbequemen Entscheidungen notwendig geworden wäre.

          Entspringen die Beschlüsse von Freitag, die auf den Verlust etlicher Arbeitsplätze hinauslaufen, kaltem kapitalistischem Kalkül? Nein. Man muss die Gesellschafter (den Kölner Verlag M. Dumont Schauberg und die so oft gescholtene SPD-Medienholding DDVG) dafür loben, dass sie angesichts der Millionenverluste so lange durchgehalten haben. Andere Verlage hätten die so chronisch defizitäre „Rundschau“ längst kalt lächelnd eingestellt.

          Schonfrist bis 2013

          Nun bekommt das Blatt also eine Schonfrist bis 2013. Man könnte auch sagen: Galgenfrist. Man müsste schon ein Superoptimist sein, glaubte man, die neue „Rundschau“ aus Berlin könnte publizistisch Profil gewinnen und verlegerisch dauerhaft schwarze Zahlen schreiben. Nein, es ist der Anfang vom Ende. Leider.

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