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Kommentar zur Frankfurter FDP : Klug verzichtet

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Für die Wahl zum Frankfurter Oberbürgermeister wird es keinen FDP-Kandidaten geben. Bild: dpa

Die FDP allüberall ist in den vergangenen Jahren so oft und meistens mit Recht gescholten worden, dass es erwähnenswert ist, wenn zumindest ...

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          Die FDP allüberall ist in den vergangenen Jahren so oft und meistens mit Recht gescholten worden, dass es erwähnenswert ist, wenn zumindest der Frankfurter Kreisverband eine kluge Entscheidung trifft. Die Liberalen werden, das hat eine Klausurtagung am Wochenende erbracht, nicht mit einem eigenen Kandidaten in die Oberbürgermeisterwahl am 11.März 2012 ziehen.

          Das ist aus mehreren Gründen richtig. Zum einen müsste jeder FDP-Kandidat, unabhängig von Können und Ansehen, zurzeit eine Blamage fürchten. Schon 2007, als der heutige Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Hans-Joachim Otto antrat, bekam er als FDP-Bewerber im ersten Wahlgang nur 1,8Prozent. Anders als jetzt standen die Liberalen in den Umfragen damals jedoch weitaus besser da. Ein Ergebnis von unter einem Prozent am 11.März hätte eine verheerende Außenwirkung.

          Teurer Wahlkampf

          Hinzu kommt, dass die Frankfurter FDP mit einem eigenen Kandidaten dem einzigen anderen Bewerber schaden würde, den sie selbst für akzeptabel hält. Vor allem in Finanz- und Steuerfragen steht ihnen der designierte CDU-Mann Boris Rhein sehr nah. Doch jeder FDP-Kandidat - und wäre er auch noch so aussichtslos - könnte Rhein die entscheidenden Stimmen im Kampf um das Oberbürgermeisteramt kosten. Dass sowohl der FDP-Parteivorsitzende Dirk Pfeil als auch der einzige FDP-Dezernent im Rathaus, Volker Stein, gut mit Rhein auskommen, mag eine Rolle gespielt haben. Wer Pfeil und Stein kennt, geht aber ohnehin davon aus, dass sie zu gegebener Zeit an Rheins Dankbarkeit appellieren werden.

          Nicht zu vergessen ist schließlich, dass die Liberalen vor knapp einem Jahr einen, gemessen am Resultat, zu teuren Kommunalwahlkampf finanziert haben. Rund 200.000 Euro setzte die Partei damals im Ringen um die Römer-Mandate ein. Zum Vergleich: Die am Ende fast sieben Mal stärkeren Grünen investierten nur rund 75.000 Euro. Wer trotz dieser guten Gründe den FDP-Verzicht als Selbstaufgabe geißeln will, mag das tun. In Wahrheit zeugt der Schritt von Realitätssinn und Vernunft.

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