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Kommentar : Vernebelte Sinne bei Eintracht Frankfurt

  • -Aktualisiert am

Die Miene zum Spiel: Eintracht-Trainer Veh in Ingolstadt Bild: dpa

Die Euphorie bei der Frankfurter Eintracht ist verflogen. Am unerschütterlichen Arbeitsethos von Thomas Schaaf kann sich so mancher Eintracht-Profi ein Beispiel nehmen.

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          „Es verbietet sich, nach oben zu schauen.“ Und: „Wer jetzt noch nach oben schaut, hat mit Fußball nicht viel am Hut.“ Die Sätze von Sportdirektor Bruno Hübner und Innenverteidiger Marco Russ unter dem frischen Eindruck der schlechten zweiten Halbzeit gegen Hertha BSC Berlin und der peinlichen 0:2-Niederlage beim Aufsteiger FC Ingolstadt sind verständlich. Aber sie treffen den Kern nicht.

          Es ist nicht so, dass die Frankfurter Eintracht nach dem 6:2 über den 1. FC Köln unberechtigterweise über Tabellenränge nachdachte, die zur Teilnahme an der nächstjährigen Europa League berechtigen. Die Mannschaft von Trainer Armin Veh besitzt die Qualität dazu - auch jetzt noch, nach diesen beiden schauerlichen Spielen. Sie hat ihr Potential nur nicht ausgespielt. Und da kommen wir zum entscheidenden Punkt.

          Mangel an Aggressivität und Willensstärke

          Wie schafft es eine Mannschaft, das zu spielen, was sie kann? Indem sie nicht darüber nachdenkt, was wäre, wenn, sondern sich auf die Tatsachen konzentriert: den Ball, den Mitspieler, den Gegner und die eigene Aufgabe. Das ist gar nicht so schwer. Dem FC Ingolstadt gelingt das in jedem Spiel. Zugegeben: Der Aufsteiger ist psychologisch in einer leichteren Position. Jedes Bundesligaspiel (außer gegen Darmstadt) als Außenseiter zu beginnen, ist eine bequeme mentale Ausgangsposition.

          Veh vermutet, das 6:2 gegen Köln habe die Sinne seiner Spieler vernebelt. Damit hat er vermutlich recht. Jedenfalls sprechen die lahmen letzten 135 Spielminuten für diese These, in denen die letzte Aggressivität, Entschlossenheit und Willensstärke gefehlt haben. Es nur spielerisch lösen zu wollen, das kann sich in der Bundesliga nur der FC Bayern erlauben.

          Das wird auch Veh seinen Profis gesagt haben. Interessant, dass auch der Spieler-Versteher und charismatische Menschenverführer (und wie ist der Eintracht-Trainer noch alles getauft worden) gerade daran scheitert, bei seinen Spielern durchzudringen, genauso wie in der vergangenen Saison der ungeliebte Thomas Schaaf. Die These, dass Profis ihre Leistung nicht abrufen können, weil der Trainer sie nicht versteht, kann in das rosa Entschuldigungsbuch für Fußballspieler eingetragen werden und gehört nicht in die Lehrbücher.

          Schaaf ist sicher nicht der perfekte Trainer. Aber an seinem unerschütterlichen Arbeitsethos, mit dem er die Niederlagenserie in der Vorrunde und die Misserfolgsserie in der Rückrunde zu überwinden half, kann sich so mancher Fußballprofi ein Beispiel nehmen. Genau so an seinen Einsatz bis zum letzten Arbeitstag, obwohl Schaaf schon Wochen vor dem Saisonende mit der Frankfurter Eintracht abgeschlossen hatte.

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