https://www.faz.net/-gzg-78efo

Kommentar zur Frankfurter Altstadt : Nun liegt es an Cunitz und Becker

Es gibt reichlich Anlass zur Sorge, was das Frankfurter Altstadtprojekt angeht. Wenn die schwarz-grüne Römer-Koalition nicht aufpasst, könnte sogar das ganze Vorhaben kippen.

          1 Min.

          Es gibt Anlass zur Sorge, was das Frankfurter Altstadtprojekt angeht, und zwar reichlich. Die Nachrichten der vergangenen Wochen lassen sich in etwa so zusammenfassen: Die Kosten liegen deutlich über Plan, die Machbarkeit einiger Rekonstruktionen ist fraglich, der Vermarktungsbeginn muss deshalb verschoben werden, und damit ist auch der Fertigstellungstermin hinfällig. Zuletzt wurde das Jahr 2016 genannt, Realisten werden sich eher auf 2018 einstellen.

          Wenn die schwarz-grüne Römer-Koalition nicht aufpasst, könnte sogar das ganze Vorhaben kippen. Zwar heben führende Koalitionspolitiker derzeit auffällig häufig hervor, für das Dom-Römer-Projekt gälten aufgrund seiner Bedeutung weniger strenge ökonomische Maßstäbe. Doch je düsterer die Haushaltslage wird und je schmerzhafter die Einschnitte in die Etats anderer Ressorts, desto schwieriger wird es sein, neue Millionensubventionen für das Prestigeprojekt zu rechtfertigen.

          Gründlich und umsichtig geplant

          Noch ist es nicht so weit. Noch bleibt der Kommunalpolitik Zeit, die Fehlentwicklungen zu korrigieren. Im Römer hat man sich in den vergangenen Jahren zu sehr darauf verlassen, dass die Dom-Römer-GmbH das Projekt eigenständig an allen Klippen vorbeisteuern werde.

          Tatsächlich hat das Team um Geschäftsführer Michael Guntersdorf sehr gründlich und umsichtig geplant, die Vorarbeiten an der Tiefgarage sind weitgehend erledigt. Allerdings wurde offenbar auch ein gewaltiger Aufwand betrieben, um jedem Hinweis der wankelmütigen Politik nachzugehen und um sich gleichzeitig in jeder Hinsicht abzusichern. Ein Heer von Planern, die sich zum Teil gegenseitig kontrollieren, verursacht entsprechende Kosten.

          Anspruch an Originaltreue

          Der Aufwand hat den Vorteil, dass böse Überraschungen wie im Fall des neuen Berliner Flughafens ausgeschlossen sein dürften. Darüber hat sich jedoch ein Entscheidungsstau aufgebaut. Dass es nahezu unmöglich ist, rekonstruierte Häuser zu errichten, die sowohl den heutigen Bauvorschriften als auch dem Anspruch an Originaltreue gegenüber dem historischen Vorbild erfüllen, konnte man schon vor fünf Jahren wissen. Jetzt hat man es nach detailliertester Planung schwarz auf weiß. Und die Debatte beginnt von vorn.

          Das kann nicht sein. Es liegt nun vor allem an Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) und an Kämmerer Uwe Becker (CDU), für die überfälligen politischen Entscheidungen zu sorgen. Allein die Tatsache, dass Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) im Wahlkampf angeregt hatte, das Projekt zu verschieben, sollte ihnen Motivation genug sein, einen zügigen Baubeginn sicherzustellen.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Folgen:

          Topmeldungen

          Trump hat sich Erdogan gegenüber benommen wie ein hysterischer Liebhaber.

          Trumps Syrien-Politik : Härte und Liebe

          Trump hat eine Feuerpause für Syrien aushandeln lassen und feiert sich nun als Friedensstifter. Doch seine Siegerpose wirkt lächerlich. Erdogan hat von Amerika alles bekommen, was er wollte.

          „Super Saturday“ : Britische Regierung beantragt Brexit-Verschiebung

          Das britische Parlament hat eine Entscheidung über den Brexit-Deal verschoben. Premierminister Boris Johnson kündigt an, er werde „weiterhin alles tun, damit wir am 31. Oktober die EU verlassen.“ Trotzdem muss er Brüssel um einen Aufschub bitten.
          Die „People’s Vote“- Bewegung verlangt eine zweite Volksabstimmung über den Verbleib der Briten in der Europäischen Union.

          Protestmarsch in London : „Wir wurden von Anfang an belogen“

          Zum „Super Saturday“ sind auch Hunderttausende Demonstranten nach London gekommen. Viele fühlen sich belogen, wollen Boris Johnson die Zukunft nicht anvertrauen – sondern selbst ein zweites Mal abstimmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.