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Kommentar zur Elektromobilität : Große Illusionen

Sinnbildlich mit einem Elektroauto von Opel bewirbt sich Hessen für das Elektromobilitäts-Programm des Bundes Bild: dpa

Elektromobilität soll die Umwelt entlasten - und Hessen will vorweggehen. Der Strom für Elektroautos kommt jedoch auch aus mehr oder weniger schmutzigen Kraftwerken.

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          Was würde Flughafenchef Stefan Schulte für ein Elektroflugzeug geben. Kein ohrenbetäubender Lärm mehr beim Starten und Landen, keine klimazerstörenden Abgase, keine nervenden Montagsdemos. Auch dem Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU), der im Frankfurter Römer Hessens Bewerbung für das Bundesprogramm „Schaufenster der Elektromobilität“ vorstellte, käme eine Passagiermaschine mit Elektroantrieb äußerst gelegen. Der ganze Ärger mit den Flughafen-Anwohnern wäre vorbei.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Doch Elektroflugzeuge fliegen wohl nur in fernen Paralleluniversen. Auf absehbare Zeit sei Elektrizität im Passagier- und Frachtflug keine Alternative zum Kerosin, sagte Lufthansa-Chef Christoph Franz. Für Opel hingegen stellt der elektrische Antrieb schon heute eine Option auf eine erfolgreichere Zukunft dar. Mit dem Ampera sind die Rüsselsheimer ihrer Zeit und ihrer Konkurrenz voraus. Ob sich das einmal auszahlen wird, muss man aber erst einmal sehen. Bisher ist das E-Auto wegen seiner hohen Kosten noch nicht massentauglich.

          Nicht die Gegenwart vergessen

          Dies ist genau das Problem der Elektromobilität. Alle finden sie gut, aber kaum einer vermag sie mangels ausgereifter und erschwinglicher Angebote richtig zu nutzen. Deshalb kann man nichts dagegen sagen, dass die Bundesregierung die Elektromobilität und die damit zusammenhängenden Technologien in einem großen Projekt fördert. Und natürlich tut Hessen gut daran, sich mit der Region Frankfurt Rhein-Main um die Gelder aus Berlin zu bewerben. Auch indem die Landesregierung mehr als 100 Unternehmen, Hochschulen und Institutionen einbindet, tut sie das Richtige.

          Allerdings geben sich zu viele zu großen Illusionen über die Elektromobilität hin. Der Strom für die Elektrobusse kommt auch hier nicht einfach aus der Steckdose, sondern aus schmutzigen und weniger schmutzigen Kraftwerken. Wird er aber auf saubere Weise mit Hilfe von Windrädern oder Sonnenkollektoren erzeugt, muss auch er durch ein aufwendiges Netz zum Verbraucher geleitet werden. Die Schwierigkeiten, die durch die Energiewende aufgeworfen werden, ändern sich nicht.

          Beim Schwärmen von der elektromobilen Zukunft sollte der Ministerpräsident nicht die Gegenwart vergessen. Am stärksten würde die Elektromobilität in Rhein-Main gefördert, wenn endlich das Schienennetz ausgebaut würde. Dem Flughafen etwa nützt ein Anschluss des künftigen Terminals∙3 an die S-Bahn mehr als eine Flotte von E-Fahrzeugen.

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