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Kommentar zur DSDS-Show : Bohlen hilft Eberbach

  • -Aktualisiert am

Es war einmal...ein Kloster: Die Klosteranlage in Eberbach ist schon lange säkularisiert und dient heute als Veranstaltungsort. Bild: dpa

Im Kloster Eberbach hat RTL den Gesangswettbewerb DSDS abgedreht. Das zog auch viele Kritiker an. Das Gastspiel war aber nicht geschmacklos, viel mehr schlägt das Kloster Profit daraus.

          Der Auftrag der Stiftung Kloster Eberbach ist klar umrissen: Sie soll das ehrwürdige Bau- und Kulturdenkmal, ein Erbe der Zisterzienser, durch eine „maßvolle, dem Ort angemessene und schonende Nutzung auf Dauer erhalten“. Das klingt simpel, ist aber vor allem teuer. Zwischen 7000 und 9000 Euro wendet die Stiftung täglich dafür auf, die mittelalterliche Anlage in Schuss zu halten. Nicht enthalten ist in diesen Kosten die Sanierung, die bis zum avisierten Abschluss im Jahr 2024 den hessischen Steuerzahler noch etliche Millionen kosten wird.

          Eines der letzten und größten Sanierungsvorhaben ist die Basilika, für die allein fast acht Millionen Euro veranschlagt sind. Da ist es nur recht und billig, wenn die ehemalige Kirche als Veranstaltungsort ihr finanzielles Scherflein beiträgt. In der bisweilen viel zu hitzigen Diskussion über einen der Fernsehunterhaltung dienenden, kulturell aber eher anspruchslosen Sangeswettbewerb blieb meist unerwähnt, dass das Kloster schon vor mehr als 200 Jahren säkularisiert wurde und dass die Basilika heute nichts anderes als eine für Veranstaltungen attraktive Gebäudehülle mit langer historischer Vergangenheit ist.

          Kritik zielte vielmehr auf Dieter Bohlen

          Nicht ein asketischer Mönchsorden, sondern Musik ist in der Basilika zu Hause, denn das Rheingau Musik Festival hat hier einen seiner wichtigsten Veranstaltungsorte. Daher ist an einem Sangeswettstreit wie jenem von RTL auch wenig auszusetzen. Die Kritik zielte ohnehin im Kern vor allem auf den umstrittenen Dieter Bohlen und dessen markige Sprüche über die Leistungen der Kandidaten.

          Doch das kann nicht der Maßstab der Stiftungsverwaltung für die Vermietung der Basilika sein. DSDS im Kloster war weder geschmacklos, noch schadete der Auftritt junger Sänger mit weitreichenden Ambitionen der Würde des ehemaligen Gotteshauses. Da wäre an anderen kommerziellen Veranstaltungen der Vergangenheit Kritik weitaus angebrachter gewesen.

          Unter dem Strich haben Stiftung und Basilika gewonnen. Das Gastspiel von RTL wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem deutlich höheren Bekanntheitsgrad und indirekt zu mehr Besuchern und höheren Einnahmen aus der Verwaltung des Klosters führen. Profitieren wird der ganze Rheingau, und entlastet wird Hessens Steuerzahler. Ein Kloster, das langfristig nicht am Tropf des Staates hängt, das hätte wohl auch den selbstbewussten Mönchen gefallen.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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