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Kommentar zur Elektromobilität : Diskussion um Phantome

Bitte laden - fragt sich nur wie: Noch sind nicht überall optimale Bedingungen für Besitzer von Elektroautos geschaffen. Bild: dpa

Spätestens nach dem Diesel-Skandal soll die neue Lösung „Elektroauto“ heißen. Wie Stadtbewohner das aber laden sollen, das hat sich in Frankfurt noch niemand überlegt. Vor der Haustür schon mal nicht.

          Alles redet vom Diesel, von Fahrverboten und schadstoffbelasteter Luft in den Städten. Die Aufregung ist groß. Und viele tun so, als handele es sich um neue Themen, die unverhofft auf die Tagesordnung gekommen wären.

          Sind sie aber nicht. Das Land Hessen hat erstmals 2004 im Frankfurter Römer auf die Folgen der von der Europäischen Union mit Zustimmung Deutschlands festgelegten Grenzwerte für die Luftreinhaltung hingewiesen. Verkehrsexperte Klaus-Peter Güttler teilte damals mit: „Um die Vorgaben einzuhalten, müsste innerhalb kürzester Zeit ein radikaler Wandel beim Straßenverkehr eingeleitet und umgesetzt werden.“ Das ist 13 Jahre her.

          Erst einmal nachjustieren

          In der Zwischenzeit ist durchaus einiges passiert. Einen radikalen Wandel im Straßenverkehr hat es allerdings nicht gegeben. Doch alle großen Städte im Rhein-Main-Gebiet haben mittlerweile Umweltzonen eingerichtet, in denen Fahrverbote für Fahrzeuge älterer Bauart gelten. Und tatsächlich werden aufgrund dieser Maßnahmen die Feinstaub-Grenzwerte, die schon seit 2005 gelten, heute eingehalten. Doch beim Stickoxid, dessen Grenzwert seit 2010, also seit sieben Jahren, gilt, erreichen auch die Städte im Rhein-Main-Gebiet ihr Ziel nicht.

          Nun soll es wegen der Aufregung um Dieselfahrzeuge plötzlich den radikalen Wandel im Straßenverkehr geben. Die Elektromobilität, die seit Jahren immer wieder propagiert und gefördert wird, aber über ein Nischendasein nicht hinausgekommen ist, soll es plötzlich richten und sogar gleich ganz den Verbrennungsmotor ablösen.

          Dabei ist in den vergangenen Wochen doch deutlich geworden, dass das Ziel, die Stickoxid-Grenzwerte einzuhalten, auch deshalb nicht erreicht werden konnte, weil die Autoindustrie trickreich und einem ordentlichen Maß an krimineller Energie versucht hat, sich dem Thema zu verweigern. Jetzt sollte erst einmal an dieser Stelle nachjustiert werden.

          Die Industrie in die Pflicht nehmen

          Größere Würfe stehen in den Sternen. Denn wie in einer Großstadt wie Frankfurt, in der die allermeisten Bürger in Geschosswohnungen leben, plötzlich Tausende von Fahrzeugen mit Strom versorgt werden sollen, ist völlig unklar. Wie der BMW-Vorstandsvorsitzende im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung richtig sagte, kann man ja nicht aus dem vierten Stock eine Verlängerungsschnur herunterhängen lassen.

          Solange die Elektromobilität nicht großstadttauglich ist, kann sie die Autos mit Verbrennungsmotoren nicht ersetzen. Man sollte die Umweltzone durch eine blaue Plakette verschärfen. Aber vor allem sollte man die Industrie in die Pflicht nehmen.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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