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Nach Urteil gegen Ali Bashar : Ohne Gefühl für das Leid

  • -Aktualisiert am

Verurteilt: Ali Bashar muss nach dem Mord an der 14 Jahre alten Susanna nun eine lebenslange Haftstrafe antreten. Bild: EPA

Ali Bashar hat sein Verbrechen aus übersteigerter, pathologischer Ichbezogenheit völlig empathielos verübt. Der Fall taugt damit nicht als Beleg für Gefahren, die von Teilen junger, männlicher Migranten ausgehen sollen.

          Dieses Urteil wird, so ist zu hoffen, der Familie und den Freunden von Susanna ein wenig dabei helfen, das grauenvolle Geschehen zu bewältigen. Mehr kann ein Richterspruch, mehr kann ein Strafprozess nicht leisten. Von der Vorstellung, ein solches Verbrechen ließe sich sühnen, hat sich der aufgeklärte Rechtsstaat schon seit langem verabschiedet.

          Ali Bashar, schuldig gesprochen, im Mai vergangenen Jahres das 14 Jahre alte Mädchen vergewaltigt und ermordet zu haben, wird es, sollte das Urteil rechtskräftig werden, schwer haben, jemals wieder ein Leben in Freiheit führen zu können. Weil das Gericht die besondere Schwere seiner Schuld feststellte und annimmt, von ihm werde auch nach einer Entlassung aus der Haft weiterhin große Gefahr ausgehen, muss der Zweiundzwanzigjährige damit rechnen, mindestens zwanzig Jahre und womöglich für immer im Gefängnis zu bleiben.

          Archaisches Verständnis

          Ob der Gerechtigkeit damit Genüge getan wurde, ob die Strafe angemessen ist oder sie abschreckend wirkt auf ähnlich strukturierte Männer – solche Fragen sind nach diesem Prozess obsolet. Das Verbrechen hat nicht Ali Bashar, der Flüchtling, begangen. Er wollte eigentlich gar nicht weg aus seiner Heimat Irak, er floh sogar dorthin, als die deutsche Polizei nach ihm fahndete. Das Verbrechen hat auch nicht Ali Bashar, der Muslim, begangen. Nein, besonders religiös sei er nicht gewesen, sagte er in der Verhandlung. Sein archaisches Verständnis von der unbedeutenden Rolle der Frau und der Dominanz des Mannes hat nichts mit Glauben zu tun und allenfalls etwas am Rande mit Sitten und Gebräuchen in der Heimat.

          Ali Bashar hat das Verbrechen, wie das Gericht feststellte und darin der Gutachterin folgte, aus einer übersteigerten, pathologischen Ichbezogenheit völlig empathielos verübt. Viel deutet darauf hin, dass seine Persönlichkeit tiefgreifend gestört und seine Neigung, weitere schwere Straftaten zu begehen, groß ist.

          Der Fall taugt daher nicht als Beleg für Gefahren, die von einem Teil der jungen, männlichen Migranten ausgehen sollen. Das Mosaik seines Lebens, wie es sich nach der akribischen Beweisaufnahme zusammensetzt, lässt Ali Bashar als jemanden erscheinen, der nichts aus den Chancen machte, die sich ihm hier boten. Er soll gesagt haben, Deutschland habe ihn kaputt gemacht. Es ist der selbstgerechte, egomanische Blick eines jungen Mannes, der Spaß daran fand, Angst zu verbreiten. Und der am Ende Susanna tötete.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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