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Kommentar : Standort Frankfurt und Ruf zweier Konzerne beschädigt

Matthias Zieschang, Vorstand Controlling und Finanzen der Fraport AG Bild: Fraport

Die Vereinbarung zwischen Lufthansa und Fraport hätte sich auch ohne Streit erreichen lassen. Der Streit hat nicht nur dem Standort Frankfurt geschadet, sondern auch dem Ruf beider Konzerne.

          Man fragt sich schon, was die über Wochen andauernde Zankerei zwischen den Spitzen der Lufthansa und von Fraport eigentlich sollte. Nun erläuterte Fraport-Finanzvorstand Matthias Zieschang den am Telefon versammelten Analysten kurz und knapp, dass man das Rabattprogramm für mehr Wachstum am Frankfurter Flughafen verlängern wolle, um auch der Lufthansa-Billigtochter Eurowings im nächsten Jahr jene Starthilfe zu gewähren, die die irische Billigfluglinie Ryanair schon in diesem Jahr genießt, weil sie eben schneller war.

          Das allerdings hätte man nun auch ohne eine derartige Geräuschkulisse untereinander ausmachen können. Der Streit hat nicht nur dem Standort Frankfurt geschadet, sondern auch dem Ruf beider Konzerne. Geradezu peinlich war es, dass auch noch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) als Schlichter auftreten mussten.

          Fraport unter Zugzwang

          Dabei dürften beide „Systempartner“, wie sie sich sonst gerne nennen, die Schwierigkeiten des jeweils anderen sehr genau kennen. Die Lufthansa konnte Eurowings nicht schon früher nach Frankfurt bringen, weil dann der ewig ungelöste Konflikt mit den Lufthansa-Piloten noch weiter eskaliert wäre. Das wusste man bei Fraport natürlich, war aber andererseits selbst in Zugzwang, weil der Flughafen bisher nicht das Wachstum realisieren kann, das in den Prognosen einmal in Aussicht gestellt worden war. Zum einen durch Flughäfen wie Köln-Bonn, die mit einem breiten Low-Cost-Angebot Frankfurt bis zu einer Million Passagiere im Jahr abspenstig machen, und zum anderen durch das geringe Wachstum der etablierten Gesellschaften.

          Sowohl die Lufthansa wie auch Fraport haben die Billig-Airlines zu lange nicht ernst genommen. Normalerweise wären deshalb vertrauliche Gespräche der richtige Weg, um voranzukommen – und eben keine Hahnenkämpfe, die nur die Konkurrenz freuen. Nun bleibt nur zu hoffen, dass die von Zieschang skizzierte Lösung auch die Hürden im aufsichtführenden Verkehrsministerium nehmen wird, wenn die Verlängerung des Rabattprogramms als Antrag formuliert und in Wiesbaden vorgelegt wird. Von Al-Wazirs Ministerium wird abermals verlangt, dass es eine Entscheidung fällt, die dem Flughafen Perspektiven eröffnet.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

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