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Wiesbadener Stadtmuseum : Stadt als Beute

  • -Aktualisiert am

Gescheitertes Projekt: Wer ist für die hohen Kosten verantwortlich? Bild: Cornelia Sick

Das – inzwischen gescheiterte – Wiesbadener Stadtmuseum sollte mit Hilfe fragwürdiger Aufträge realisiert werden. Alles nur ein Missverständnis oder Ergebnis korrupter Strukturen?

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          Für das inzwischen gescheiterte Projekt des Wiesbadener Stadtmuseums hat die Projektentwicklungsgesellschaft OFB eine Kommunikationsagentur engagiert. Und dies, obwohl man im eigenen Haus eine Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit hat, deren ureigene Aufgabe darin besteht, um Zustimmung für Bauprojekte zu werben. Darüber hinaus engagierte man sieben externe Juristen, obwohl die OFB selbst über die nötige Expertise verfügt. Schließlich wurde der Stararchitekt Helmut Jahn beauftragt, für mehr als eine Million Euro den Museumsbau zu konzipieren. Dabei lag der vollständig ausgereifte Entwurf eines renommierten Berliner Büros im Wiesbadener Rathaus in der Schublade.

          Dass die Revisoren der Konzernmutter Helaba an dem Gebaren der Tochtergesellschaft OFB scharfe Kritik üben, ist den Verantwortlichen in den Unternehmen und den Aufsichtsgremien seit langem bekannt. Dass sie dazu trotz mehrfacher Nachfragen allesamt schweigen und die Vorgänge mit keiner einzigen Silbe verteidigen, kann nur einen Grund haben: Sie wissen nur zu gut, dass die Sache zum Himmel stinkt. Ohne ordnungsgemäße Ausschreibungen wurde ein Millionenbetrag für Dienstleistungen bereitgestellt, die zum Teil nicht einmal klar benannt waren. So die Prüfer der Helaba.

          Die Frage, ob hier die Auswüchse korruptiver Strukturen zutage treten, verlangt nach einer Antwort. Denn es geht nicht etwa um das Geld eines privaten Unternehmens. Die Helaba ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt, Landesbank und herausragendes Mitglied der sogenannten kommunalen Familie. Doch die Rathauschefs und Landespolitiker in den Aufsichtsgremien scheinen ihre Kontrollfunktion nicht richtig wahrnehmen zu wollen. Und die Wiesbadener Staatsanwaltschaft, die wegen des Stadtmuseums seit vier Jahren ermittelt, hat immer noch kein Ergebnis vorzuweisen.

          Hinzu kommen spektakuläre Vorwürfe gegen den ehemaligen Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD), Ermittlungen in der Geschäftsstelle der CDU und der Skandal um die Awo. Unterschiedliche Akteure haben die Landeshauptstadt mit einer erstaunlichen Unverfrorenheit als Beute genommen. Dass die Staatsanwaltschaft, die sich damit in der Vergangenheit schon schwergetan hat, die aktuellen mehrfachen Herausforderungen bewältigt, darf man leider nicht hoffen. Sie braucht Verstärkung.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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