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Kommentar zum Salafismus : Mit Geduld und Härte

  • -Aktualisiert am

„Gegen Nazis und Salafisten“: Während eines Auftritts des Salafisten-Prediger Sven Lau in Bremen, hält ein Zuschauer ein Protestschild hoch. (Archivbild) Bild: dpa

Nach dem Vorfall im Jugendhaus Gallus erkennt die Politik, dass Salafisten die Jugendarbeit in Frankfurt vor große Probleme stellen wie anderswo Rechtsradikale. Dagegen muss der Rechtsstaat stark auftreten.

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          Am Ende wollen es alle gewusst haben. Es sei doch nicht ungewöhnlich, dass Radikale in Jugendhäusern nach neuen Anhängern suchten, hieß es auch zur Wiedereröffnung des Jugendhauses Gallus. In den entsprechenden Gremien sei das schon Thema gewesen, Fortbildungen habe es auch schon gegeben. Keine Sorge, soll das heißen. Wir haben die Lage im Griff.

          Dass aber eine Handvoll junger Männer mit ihrem Auftritt im Gallus dafür gesorgt hatte, dass ein Jugendhaus für mehrere Wochen geschlossen blieb, spricht für das Gegenteil. Nein, Sozialarbeiter sind vielerorts nicht auf die neue Dimension der Bedrohung vorbereitet. Im Gallus glaubten sie, das Problem mit gutem Zureden lösen zu können - schließlich kannten sie die Männer von früher. In der Politik setzt sich die Erkenntnis durch, dass Salafisten die Jugendarbeit in Frankfurt vor ähnlich große Herausforderungen stellen wie andernorts Rechtsradikale. Mittlerweile scheint das auch der Arbeiterwohlfahrt aufgegangen zu sein, die das Jugendhaus im Gallus betreibt.

          Für Zukunftsperspektiven in Deutschland

          Die Grundzüge ihres neuen Konzepts passen auf ein Blatt im Format DIN A6. Einen Stundenplan hat die Awo darauf gedruckt. Grüne Blöcke stehen für offene Angebote, blaue für jene, zu denen bestimmte Gruppen zusammentreffen und Hausaufgabenhilfe erhalten oder an gemeinsamen Projekten arbeiten. Der neue Plan sieht mehr blaue als grüne Stunden vor. Die Awo hofft, so einen engeren Kontakt zu den Jugendlichen aufbauen zu können. Das klingt gut. Die Jungen und Mädchen brauchen klare Perspektiven und feste Bindungen. Sie müssen wissen, was sie wollen, was sie erreichen können und was sie dürfen. Und was sie nicht dürfen. Nur so können sie immun werden gegen die Verlockungen, die radikale Islamisten auf Lager haben. Wer in Deutschland eine Zukunftsperspektive hat, spürt keine Lust auf einen sinnlosen Krieg in Syrien.

          Nur wer den Mädchen und Jungen etwas zu bieten hat, kann ihnen auch Grenzen aufzeigen. Dass die jungen Männer straffrei ausgehen, die Anfang Mai in dem Jugendhaus eine Mitarbeiterin bedrohten, weil sie aus ihrer Sicht nicht züchtig genug angezogen war, ist das falsche Signal. Denn was im Kampf gegen Rechtsradikale richtig ist, gilt auch für den gegen religiös motivierte Radikale. Demokratie und Rechtsstaat müssen ihnen gegenüber stark auftreten. Hätten Salafisten Angst vor Runden Tischen, hätten sie sich längst verkrochen.

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