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Kommentar : Lauter Flops

Warten auf den Neuanfang: Das Rhein-Main-Theater in Niedernhausen wird seit Juni nicht mehr bespielt. Bild: Marcus Kaufhold

Das Musical „Sister Act“ kommt im März für einige Wochen ins Rhein-Main-Theater nach Niedernhausen. Doch die Geschichte des Gebäudes spricht nicht unbedingt für einen Erfolg.

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          Das Musical-Theater war lange das kulturelle Lieblingskind von Politikern und Investoren, versprach es doch, ohne öffentliche Subventionen auszukommen, ein kommerzieller Selbstläufer zu werden und Quartiere mit einem künstlerischen Leben zu erfüllen, an dem Anteil zu nehmen jedermann leichtfällt. Auch für das Frankfurter Europaviertel gab es entsprechende Pläne, es wurde nichts daraus.

          In Offenbach dagegen nahm die Idee im Capitol Gestalt an, wo 1995 das Rock-Musical „Tommy“ Premiere hatte, das eine glänzende Zeit des populären Musiktheaters einleiten sollte. Sie währte allerdings nur ein gutes Jahr. Ebenfalls 1995 kam in Niedernhausen „Sunset Boulevard“ auf die Bühne. Auf der grünen Wiese hatte man dort das Rhein-Main-Theater errichtet, um Andrew Lloyd Webbers Werk bis in alle Ewigkeit en suite zu spielen. Diese dauerte dann aber nicht einmal drei Jahre. Obwohl für das Musical eigens ein Haltepunkt auf der Bahnstrecke von Wiesbaden nach Niedernhausen eingerichtet worden war.

          Rhein-mainisches Nirgendwo

          Die Hoffnung, dass von weit her das Publikum anreisen würde, um in der Rhein-Main-Region Musical-Events zu erleben, trog. Das Interesse hielt sich in ziemlich engen Grenzen. Dies lag gewiss auch an den Stücken, die nicht geeignet waren, Besucher in Scharen anzuziehen. Der Kultcharakter fehlte. Aber auch das urbane Umfeld. Sowohl das Offenbacher als auch das Niedernhausener Theater wurden später zu allerlei anderen mehr oder weniger künstlerischen Zwecken genutzt. Von Musical-Theatern war länger nicht die Rede.

          Nun tut sich wieder etwas. In Niedernhausen soll „Sister Act“ aufgeführt werden, freilich nur ein paar Wochen lang. Vorhaben, andere Musicals im derzeit leerstehenden Rhein-Main-Theater zu zeigen, waren in der Vergangenheit regelmäßig gescheitert. Womöglich handelt es sich nun um einen Versuchsballon, um zu erkunden, ob die Atmosphäre für das leichte Gesamtkunstwerk aus Musik und Theater in der Region endlich doch einmal günstig ist.

          Die Adaption des Whoopie-Goldberg-Films um flotte Nonnen feierte in Berlin Erfolge, aber es ist keineswegs sicher, dass dies auch im rhein-mainischen Nirgendwo so sein wird. Immerhin jedoch ist mit einer erstklassigen Produktion zu rechnen. In mehr als 20 Jahren Musical-Erfahrung hat sich freilich die Erkenntnis herauskristallisiert, dass in der Region nur die Gastspiele von etwas anspruchsvolleren Werken wie „Elisabeth“ oder „West Side Story“ wirklich erfolgreich sind. Und die finden zur Weihnachtszeit in der Frankfurter Alten Oper statt.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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