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Kommentar : Lohnenswerter Versuch im Kampf gegen Crack

Krankheitszeichen: Eine Crack-Süchtige zündet sich einen Crack-Stein an Bild: dpa

Frankfurt war nie die Stadt, in der Drogenpolitik repressiv angegangen wurde. Auch mit Blick auf die Crack-Szene ist abermals ersichtlich, wie wichtig den Verantwortlichen die Perspektive der Erkrankten ist.

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          Szenen wie diese soll es im Frankfurter Bahnhofsviertel künftig nicht mehr geben: Crack-Süchtige, die in der Nacht durch das Bahnhofsviertel ziehen, laut und aggressiv. Und sich dann an der Ecke der Elbe- und der Taunusstraße treffen, dem größten Brennpunkt der Stadt, wie es von der Polizei heißt.

          Es lässt sich darüber streiten, ob das gestern vorgestellte Konzept nun der große Wurf ist, mit dem von heute auf morgen Ruhe und Ordnung in die von Crack dominierte Drogenszene einkehren. Zunächst klingt vieles vage. Vor allem verwundert es, wie wenig die für die Drogenpolitik Verantwortlichen tatsächlich wissen über jene Süchtigen, die nicht erst seit gestern Polizei und Anwohner gleichermaßen beschäftigen.

          Bei näherem Hinsehen jedoch könnte es ein Konzept sein, das aufgeht. Dass Sozialarbeiter künftig nachts gezielt Personen aufsuchen, die sich im Drogenrausch nicht an Regeln des sozialen Miteinanders halten, scheint eine praktikable Lösung zu sein. Man fragt sich, warum dies nicht schon viel früher angeboten wurde. Und sollte die begleitende Studie zudem Erkenntnisse bringen, welche Hilfsangebote für die einzelnen Konsumenten greifen, wäre das womöglich die nachhaltige Lösung, auf die viele gewartet haben.

          Die Perspektive der Erkrankten

          Nach drei Monaten wird man sehen, ob sich das Konzept bewährt hat. Die Einschätzung des Drogenreferats und der Integrativen Drogenhilfe gestern haben zuversichtlich gestimmt. Das Konzept ist offenbar wohl durchdacht und kein Schnellschuss.

          Sollten aber diese Bemühungen keine ersichtlichen Verbesserungen für das Viertel bringen, so ist die Frage, welcher Weg dann eingeschlagen wird. Frankfurt war nie die Stadt, in der Drogenpolitik repressiv angegangen wurde. Auch jetzt wurde abermals ersichtlich, wie wichtig den Verantwortlichen die Perspektive der Erkrankten ist. So war der Frankfurter Weg von Anfang an angelegt. Allerdings wächst mit dem Wandel des Bahnhofsviertels hin zu einem beliebten Wohngebiet und einem angesagten Ausgehviertel auch die Lobby derjenigen, die dort leben und arbeiten wollen. Und das in einem sozial intakten Umfeld. Der Stadt bleibt insofern nicht mehr viel Zeit, die riesigen Probleme in dem Gründerzeitquartier zu lösen.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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