https://www.faz.net/-gzg-14ak0

Kommentar zum Hessischen Kulturpreis : Gespräch der Religionen erst am Anfang

Klar wurde, dass das Gespräch zwischen den Religionen erst am Anfang steht: Koch mit Kermani (links) und Korn Bild: dpa

Nun hat Ministerpräsident Roland Koch den hessischen Kulturpreis also doch noch an den Mann gebracht. Klar wurde an diesem Abend allerdings, dass das Gespräch zwischen den Religionen erst am Anfang steht.

          1 Min.

          Nun hat Ministerpräsident Roland Koch den hessischen Kulturpreis also doch noch an den Mann gebracht. Vertreter der drei abrahamitischen Religionen sollten, so lautete die Grundüberlegung des Kuratoriums, für ihre „Lebensleistung für die interreligiöse Kooperation“ geehrt werden.

          Es folgten zwei Eklats. Erst verzichtete der Islamwissenschaftler Fuat Sezgin auf den Preis, weil sich der mit ihm zu ehrende Salomon Korn während des Gazakriegs zu israelfreundlich geäußert habe. Anschließend wollten Karl Kardinal Lehmann und Peter Steinacker nicht zusammen mit dem muslimischen Ersatzmann Navid Kermani geehrt werden, weil der abfällig vom Kreuz gesprochen habe.

          Gut möglich, dass die Dinge auch deshalb in Schieflage geraten sind, weil die Preisträger in unterschiedlichen Sphären agieren. Lehmann und Steinacker sind als Repräsentanten ihrer Kirchen gewohnt, Formulierungen auch mit Blick auf religionspolitische Weiterungen zu wählen, während Kermani als Schriftsteller in seinen Äußerungen spielerischer agiert. So in dem inkriminierten Artikel, in dem er über ein Altarbild meditierte.

          „Gott von Juden, Christen und Muslimen eben nicht derselbe“

          Je nach Temperament variierten die Preisträger gestern Abend das Thema des Dialogs zwischen den Religionen unterschiedlich, aber doch in dem Bemühen, befriedend zu wirken. Es war viel von Respekt die Rede und von Unterschieden, die auszuhalten seien. Steinacker betonte, dass der Gott von Juden, Christen und Muslimen eben nicht derselbe sei, Korn war sich da nicht so sicher.

          Klar wurde, dass das Gespräch zwischen den Religionen erst am Anfang steht. Die Preisträger und der Kuratoriumsvorsitzende Koch hatten sich nach der Eskalation des Konflikts im Mai und dem klärenden, aber geheimen Gespräch im August eine Art Schweigegelübde auferlegt. Das zeigt schon, dass die Probleme keineswegs „vollkommen ausgeräumt“ sind, wie Steinacker sagte. Die Öffentlichkeit hat schließlich kein Gespräch erlebt, sondern nur fünf Reden. Ein Anfang, nicht mehr und nicht weniger.

          Matthias Alexander

          Redakteur im Feuilleton.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Ein Ort für alle

          Neue Museumsbibliothek : Ein Ort für alle

          Die Bibliothek des Jüdischen Museums ist für jeden da. Nicht einmal ein Ausweis oder eine Eintrittskarte sind nötig. Sie hat sogar sonntags geöffnet – und ist damit eine Frankfurter Ausnahme.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.