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Guide Michelin-Kommentar : Lokale, die in der Bibel stehen

Am Pass: Küchenchef Andreas Krolik Bild: dpa

München läuft Frankfurt in Sachen der preisgekrönten Restaurants den Rang ab. München hält vier Restaurants, die mit zwei Guide Michelin-Sternen ausgezeichnet wurden, Frankfurt hingegen eins. Das liegt vor allem an der Frankfurter Esskultur der Bankiers, kommentiert Jacqueline Vogt.

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          Kann man in Frankfurt gut essen gehen? Kann man. Das hat der Stadt der Guide Michelin in seiner gerade erschienenen Ausgabe für 2019 attestiert. Acht Frankfurter Restaurants haben darin einen Stern, ein Haus hat zwei. Neu und hochverdient ausgezeichnet worden ist zudem ein Lokal im Rheingau. Und von den jetzt 38 Zwei-Sterne-Restaurants in Deutschland befindet sich außer dem „Lafleur“ im Palmengarten-Gesellschaftshaus in Frankfurt (mit Küchenchef Andreas Krolik) immerhin ein zweites in der Region, das Restaurant „Schwarzenstein“ in Geisenheim mit Küchenchef Nils Henkel. Insgesamt glimmen über der kulinarischen Region Rhein-Main 16 Sterne. Das klingt gut, ist es auch, und dennoch: München etwa hat allein vier Zwei-Sterne-Restaurants.

          Ist Frankfurt so viel genussferner als die Stadt an der Isar? Vielleicht. Vor allem aber ist Frankfurt anders, zudem mit halb so vielen Einwohnern. In der Metropole der Banken und Kanzleien wird viel gearbeitet und schnell gegessen. Kein Wunder, dass etliche Konzepte der gehobenen Systemgastronomie hier entstanden sind: Multiplikationsfähige Systeme, erdacht von schlauen Leuten mit betriebswirtschaftlichen Kenntnissen, „Mosch Mosch“ ist ein Beispiel dafür, „eat doori“, auch „Coa“. Ein zweiter starker Pfeiler sind die Szenerestaurants als Spielart der inhabergeführten Restaurants. Der Übergang zur Gourmet- und Fine-Dining-Szene ist hier fließend, das macht den Charme des Ganzen aus.

          Ungeachtet der Tatsache, dass dem Gastgewerbe insgesamt seit Jahren der Nachwuchs fehlt und dass angesichts des Personalmangels vielerorts die Öffnungszeiten eingeschränkt werden: die Qualität in den Restaurants der Stadt ist, vor allem im Spitzensegment, bemerkenswert, und das ist sie seit Jahren.

          Ein Indikator dafür ist der Guide Michelin. Nach wie vor genießt er unter Köchen und Gästen die höchste Reputation, begründet in seiner Arbeit, die von den bewerteten Häusern als nachvollziehbar akzeptiert wird. Es muss sich aber auch dieser Oldtimer unter den Restaurantführern erneuern. In Teilen tut er das schon. In Singapur zum Beispiel gibt es heute einen Straßen-Grill mit Michelin-Stern. Für Frankfurt würde es zunächst ausreichen, wenn ein Lokal wie das „Lohninger“ endlich Eingang in diese Bibel fände. Das wäre überfällig, und es gäbe noch mehr Adressen. Aber die nächste Präsentation kommt ja bestimmt.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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