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Kommentar zum De-Cix : Die Rendite der Infrastruktur

Mann der ersten Stunde beim De-Cix: der technische Leiter Arnold Nipper Bild: dpa

Der Internetknoten De-Cix wird 20. Dass Frankfurt nicht nur Knotenpunkt für Auto-, Luft- und Schienenverkehr, sondern auch für die digitale Welt geworden ist, ist auch der Stadt zu verdanken. Sie hat frühzeitig Weitblick bewiesen.

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          Er feiert erst den 20. Geburtstag - und dennoch wählen die Gratulanten große Worte zu seinen Ehren. Die IHK preist ihn als Fundament, auf dem Frankfurt zur Internethauptstadt Europas geworden ist. Wobei das sogar etwas untertrieben ist: Schließlich ist der 1995 eröffnete De-Cix mittlerweile der größte Internetknoten der Welt, über den Daten von Unternehmen und Privatleuten zwischen den Netzen von Telekom- und Internetkonzernen ausgetauscht werden.

          Vertreter der digitalen Wirtschaft bezeichnen den Netzknoten als magnetischen Anziehungspunkt, in dessen Umfeld eine Branche mit Hunderten von Arbeitsplätzen entstanden ist. Und eine Infrastruktur, ohne die heute kaum noch eine Firma ihr Geschäft betreiben könnte. Es ist sogar die Rede davon, der De-Cix betreibe Standortförderung; er sei mithin ein Botschafter der Stadt. Nichts davon ist übertrieben.

          Als der De-Cix-Betreiber einst anfing, bedienten ein paar junge Männer in einem alten Post-Gebäude mit moderner Technik nicht einmal eine Handvoll weitblickende Kunden. Seitdem ist die Zahl der Kunden um gut 20.000 Prozent gestiegen. Dieser Wert ist ebenso wenig fassbar wie das Datenaufkommen, das die auf mehrere Standorte in Frankfurt verteilten De-Cix-Rechner stetig durchläuft. Nutznießer dieser Infrastruktur sind nicht nur Privatleute, die Mails verschicken und online Waren bestellen oder im Internet spielen - sondern auch Unternehmen, die ihre Daten in Bruchteilen von Sekunden austauschen können.

          Nun genügt De-Cix nicht sich selbst. Ohne die rechtzeitige Schaffung der passenden Infrastruktur in Form von Glasfasernetzen wäre er nicht entstanden. Dass Frankfurt nicht nur Knotenpunkt für Auto-, Luft- und Schienenverkehr, sondern auch für die digitale Welt geworden ist, darf die Stadt daher als ihr Verdienst verbuchen. Und dann kommt dem De-Cix die gleichsam analoge Lage Frankfurts zwischen dem Westen und dem Osten zugute, der in der digitalen Welt weiter aufholt.

          Ein Manager vergleicht den Netzknoten gern mit einem Partytreff, der beliebter wird, je mehr Menschen dort feiern. Dass nun die Deutsche Telekom ihre Präsenz am De-Cix ausbauen will, kommt einem Geburtstagsgeschenk gleich.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

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