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Helmut Schwan (hs.)

Kommentar zum Rennbahn-Prozess : Gute Besserung

  • -Aktualisiert am

Sanierungsfall: Während Stadt und Rennklub streiten, verfällt die Galopprennbahn zusehends. Bild: Helmut Fricke

Im Streit um die Frankfurter Galopprennbahn müssen die Richter darauf besinnen, welche Rolle ihnen in dieser Fehde zukommt: Unbeeinflusst von Schaumschlägereien und Nebenschauplätzen Recht zu sprechen.

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          Vor dem Gesetz sind alle gleich. Gleichgültig, so müsste man aus gegebenem Anlass hinzufügen, ist auch, wie jemand in einen Zustand gerät, in dem er an einem Gerichtsprozess nicht teilnehmen kann. Ob er unter einer starken Grippe leidet, vom Pferd gefallen ist oder sich tatsächlich eine Verletzung zugezogen hat wie einst angeblich der Pop-Titan – das muss dahingestellt bleiben, wenn ein glaubhaftes ärztliches Attest vorliegt.

          Details dazu sind vom Persönlichkeitsrecht geschützt oder fallen sogar in die Intimsphäre. Aber natürlich redet man auch in der Justiz über den von ihm via „Bild“ vorgetragenen Grund, weshalb der starke Mann des Frankfurter Renn-Klubs vorerst nicht an dem Prozess um die Zukunft des Galoppgeläufs in Frankfurt teilnehmen kann. Und dass es der Treppenwitz dieser ohnehin schon grotesken Geschichte wäre, sollten die Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes angesichts der Blüten im Boulevard nun endgültig die Nase voll haben von so viel Frankfurter Folklore.

          Salven von Befangenheitsanträgen

          Umso mehr müssen sich die Richter darauf besinnen, welche Rolle ihnen in dieser auf großer Bühne ausgetragenen Fehde zukommt: Unbeeinflusst von Schaumschlägereien und Nebenschauplätzen Recht zu sprechen. Auch wenn es in Fällen wie diesem, in denen sie selbst mit Salven von Befangenheitsanträgen attackiert wurden, schwerer als gewöhnlich fallen mag, sich auf den Kern zu konzentrieren.

          Zudem dürfte in den mehr als einem Dutzend befassten Kammern und Senaten die Überzeugung herrschen, dieser Fall hätte schon viel früher und besser in einem Gespräch gelöst werden können. Und dass die Stadt angesichts der Aussicht auf das prestigeträchtige DFB-Projekt zu lange auf der Position verharrte, man sei eindeutig im Recht und habe es daher gar nicht nötig, sich mit Querköpfen an einen Tisch zu setzen. Der späte Versuch endete kläglich.

          Ob es nun unabdingbar war, den Prozess abermals zu verschieben, weil ein Vorstandsmitglied des Klubs nicht an der Verhandlung teilnehmen kann, ist höchst fraglich. Nach außen verfestigt sich angesichts der vielen Verzögerungen und Verschleppungen das abträgliche Bild einer Rechtsprechung, die sich am Nasenring durch die Manege führen lässt. Fast ist man inzwischen eher gespannt darauf, was als nächstes passiert, um ein Urteil zu verhindern, als darauf, wie dieses ausfällt. Dem Publikum, gar nicht amüsiert, fällt es schwer, gute Besserung zu wünschen.

          Helmut Schwan
          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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